Hinweis auf die DSGVO: Auf unserer Seite werden keine Dritt-Anbieter-Cookies verwendet und nur Daten erfasst, welche für das Minimum an Board-Funktionalität notwendig sind.
Bevor Sie sich registrieren oder das Board verwenden, lesen Sie bitte zusätzlich die DSGVO-Erklärung, welche in der Navigationsleiste verlinkt ist.

Kurzfassung der unserer Meinung nach wichtigsten DSGVO-Punkte:
Es kann vorkommen, dass Benutzer eigenverantwortlich Videos oder sonstige Medien in ihren Beiträgen verlinken, welche beim Aufruf der Forenseite als Teil der Seite samt zugehörigem Material mitgeladen werden. Sollten Sie dies nicht wünschen, verwenden Sie beim Benutzen des Forums einen Blocker wie z.B. uMatrix, welcher das Laden von Inhaltsblöcken von Fremd-URLs effektiv unterbinden kann.
Wir blenden keine Werbung ein und schränken die Inhalte in keinster Weise bei Benutzung von Addblockern ein. Dadurch ist die Grundfunktionalität des Forums auch bei vollständigem Blockieren von Drittanbieter-Inhalten stets gegeben.

Cookies werden unsererseits nur verwendet um das Einloggen des Benutzers für die Dauer der Forenbenutzung zu speichern. Es steht dem Benutzer frei die Option 'Angemeldet bleiben' zu verwenden, damit der Cookie dauerhaft gespeichert bleibt und beim nächsten Besuch kein erneutes Einloggen mehr notwendig ist.
EMail-Adressen werden für Kontakt bei wichtigen Mitteilungen und zur Widerherstellung des Passwortes verwendet. Die verwendeten IPs können von uns ohne externe Hilfsmittel mit keiner realen Person in Verbindung gebracht werden und werden nach spätestens 7 Tagen gelöscht. Diese IPs werden höchstens verwendet um Neuanmeldungen unerwünschter oder gesperrter Nutzer zu identfizieren und zu unterbinden. Wir behalten uns daher vor bei Verdacht, die Frist für die IP-Löschung auf maximal 14 Tage zu verlängern.
Unsere Webseite läuft auf einem virtuellen Linux-Server, welcher von einem externen Anbieter gehostet wird. Etwaige Verstöße der DSGVO-Auflagen seitens dieses deutschen Hosters können wir nicht feststellen und somit auch nicht verfolgen.
Wir halten Backups unserer Datenbanken, welche in regelmäßigen Abständen als Schutz vor Katastrophen, Hackerangriffen und sonstigen Ausfällen erstellt werden. Sollte ein Nutzer die Löschung seiner Daten wünschen, betrachten wir es als Unzumutbar die Backups auch von den Daten zu befreien, da es sich hierbei um eine mehrtägiges Unterfangen handelt - dies ist für eine Einzelperson beim Betrieb eines privaten Forums nicht zumutbar möglich ohne das Backup komplett zu löschen.
Sollten Sie etwas gegen die dauerhafte anonyme Speicherung ihrer EMail-Adresse, ihres Pseudonyms und ihrer Beiträge in einem Backup haben, sehen Sie von der Registrierung in diesem Forum ab. Für Mitglieder, welche vor dem 25.05.2018 registriert waren steht jedoch das Recht im Raum, eine Löschung der Datenbank-Backups zu beantragen.



Wenn dies Ihr erster Besuch hier ist, lesen Sie bitte zunächst die FAQs sowie die wesentlichen Regeln zur Benutzung des Forums.
Um an den Diskussionen teilnehmen zu können, müssen Sie sich zunächst registrieren.

Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Entstehung und Entwicklung von Leben, Wahrscheinlichkeit für extraterrestrisches Leben
Antworten
Benutzeravatar
seeker
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 5549
Registriert: 26. Dez 2009, 10:29

Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von seeker » 13. Jun 2013, 09:49

Aus dem Thread "Der Thread über Exoplaneten":
http://abenteuer-universum.de/bb/viewto ... 6&start=64
seeker hat geschrieben:Die ersten habitablen Planeten in der Milchstraße gab es also wohl schon ca. 5-6 Milliarden Jahre vor der Entstehung der Erde, die meisten gab es gerade zu dem Zeitpunkt als die Erde entstanden ist!
Die Grafik nennt dabei die Zahl 65 Millionen. Selbst wenn sich nur auf ganz wenigen dieser Planeten Leben entwickelt hat, dann legen doch diese Zahlen nahe, dass es schon Milliarden Jahre vor der Erde Leben in der Michstraße gegeben haben sollte.
Wenn man von diesem Ausgangspunkt aus weiterdenkt, kann einem tatsächlich schwindlig werden!
Ist es z.B. tatsächlich denkbar, dass wir die Nachkommen einer uralten Zivilisation sind, die ihre Lebenssporen absichtlich noch vor ihrem Aussterben in der Galaxis verstreut hat?
Solche Möglichkeiten kommen mir in Anbetracht dieser Zahlen nun viel weniger als SciFi vor...
Sind solche Szenarien nicht sogar wahrscheinlicher als alles andere?

Ich meine die Sache ist doch ganz einfach: Wenn die Menschheit auch nur noch ein paar hundert Jahre überleben sollte, dann kann ich schon fast garantieren, das irgendjemand auf die Idee kommen wird, dass es sinnvoll ist Lebenssporen von der Erde in der Galaxis zu verteilen - und das dann auch tun. Es ist dabei egal, ob die Mehrheit solches ablehnt oder nicht; irgendein reicher Verrückter wird sich schon finden... Gut in Hi-Tech-Materialien eingepackt werden solche Sporen sicherlich einige Millionen Jahre überleben können.
gravi hat geschrieben:Diese Annahme der hinterlassenen Lebenssporen trifft allerdings nicht ganz meine Zustimmung. Die Entwicklung des Lebens auf der Erde ist ja relativ gut verstanden - lediglich fehlt uns noch der "zündende Funke", auch wenn wir schon viele selbstorganisierende Moleküle kennen.
Uns fehlt aus meiner Sicht noch viel viel mehr als nur der "zündende Funke" zur Erklärung der Herkunft des Lebens auf der Erde.
Wenn wir objektiv sein wollen, dürfen wir nicht von vorne herein alle Möglichkeiten die auf einem aktiven Eingreifen von Intelligenzen beruhen ausschließen oder a priori als unwahrscheinlicher bewerten als Erklärungen, die ohne dies auskommen.
Ich will jetzt auch nicht in die SiFi abdriften, meine aber, dass auch hochentwickelte Kulturen die Physik nicht knicken können und mal eben so ein paar "Sporen" über Tausende von Lichtjahren transportieren können. Und weshalb sollten sie gerade die Erde ausgesucht haben, die seinerzeit bestimmt nicht sehr einladend war. Einlenkend muss man aber doch sagen, das wir gar nicht abschätzen können, wozu hochstehende Intelligenzen (falls es solche gibt) aus raumfahrttechnischer Sicht in der Lage sind...
Ich glaube hingegen, dass das im Prinzip heute schon für uns möglich wäre, jedenfalls sind wir nahe dran so etwas tun zu können.
Bakterien sind klein und leicht, auch dann noch, wenn man sie in schützende Hüllen einpackt und dann als Bakterienstaub im Weltraum verteilt.
Ein Bakterium wiegt etwa 100 femtogramm (0,0000000000001 g), Bakteriensporen dürften noch leichter sein. Nur eine Tonne Bakterien enthält daher ca. 10^16 = 10 Millionen Milliarden Bakterien.
Bei dieser Anzahl könnte man einen solchen Staub evtl. sogar einfach ungezielt überallhin auf die Reise schicken.
Es ist auch kein Problem vielversprechende junge gelbe Zwergsterne zu finden oder Systeme zu finden, die gerade im Entstehen sind. Das können wir heute schon.
Man muss auch nicht gleich die ganze Galaxis "verseuchen", man kann sich auch auf den näheren Bereich einschränken, sagen wir z.B. 200 LJ Umkreis.
Bei einem geschätzten mittleren Abstand von 150 LJ (es gibt sicherlich Zonen weiter innen und in den Spiralarmen, wo dieser Abstand 10x kleiner ist) zwischen zwei habitablen Sonnensystemen in der Milchstraße reicht das aus.

Zu den Bakterien/Bakteriensporen:
Die Endospore als Ruhestadium kann lange Zeit überdauern; so wurden lebensfähige Sporen im Magen einer in Bernstein konservierten Biene gefunden, welche über 25 Millionen Jahre alt sind [1]. Allerdings wird diskutiert, ob das Material mit rezenten Endosporen verunreinigt war. Fest steht jedoch, dass Endosporen sehr lange Zeit überdauern können. Ein Stoffwechsel lässt sich nicht nachweisen (Kryptobiose).

Die von Bakterien gebildeten Endosporen weisen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Hitze, Kälte, Austrocknung, verschiedene Arten von Strahlung, chemische Agentien, Lysozym und extreme pH-Werte auf. Sie lassen sich kaum mit den üblichen Methoden färben. Die Resistenzen beruhen auf einer mehrschichtigen Hülle und dem geringen Wassergehalt. Undurchlässigkeit der Sporenhülle für radiochemische Produkte und Bindung freier Radikale durch schwefelhaltige Bestandteile verleihen ihnen Resistenz gegen radioaktive Strahlung. Die Sporen enthalten Calciumdipicolinat, ein charakteristischer Stoff, der bei vegetativen Zellen nicht vorkommt. Die DNA der Endosporen wird durch SASP (small acid soluble [spore] protein) geschützt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bakteriens ... enschaften
Das älteste Bakterium

Seit dem Jahr 2000 gilt ein geschätzt 250 Millionen Jahre altes Bakterium als ältestes Lebewesen auf der Erde. Der Mikroorganismus mit dem heutigen Namen „Bacillus permians“ wurde in einem Labor der West Chester University in Pennsylvania von den Forschern um Russell H. Vreeland entdeckt. In einer Nährlösung entwickelte das Bakterium Aktivitäten. Geborgen wurde es bei Bohrungen in einer Höhle bei Carlsbad (New Mexico), die der Erkundung einer möglichen Endlagerstätte für Atommüll dienten. Es überlebte die Zeiten in einem größeren Salzkristall, worin sich etwas Salzlake befand, in 2.000 Fuß (609 Meter) Tiefe.[8][9]

Das Forscherteam berichtete über seinen Fund im britischen Wissenschaftsjournal Nature am 19. Oktober 2000.[10] Die Entdeckung entzündete neue Überlegungen über das Entstehen von Leben im Universum. Eine so lange Lebensdauer dieses Organismus ließe ihn riesige Entfernungen im Weltall zurücklegen. Es hat den Anschein, als ob Sporen ein Schlüssel hierfür sein könnten. Bakterien und Hefen können ihre Funktionen in schlechten Zeiten so reduzieren, dass sie zu einer stabilen elastischen Struktur werden. Wiederbelebungen solcher Sporen sind bereits aus 118 Jahre alten Fleischdosen und 166 Jahre alten Bierflaschen geglückt.[11]

Aufwändiger war der Reanimationsweg beim zuvor ab 1995 bekannten ältesten Lebewesen. Hier wurden etwa 25 bis 40 Millionen Jahre alte Bakteriensporen zum Leben erweckt. Sie stammten aus dem Hinterleib einer Biene, die in Bernstein eingeschlossen war und in einem Fund in der Dominikanischen Republik aufgespürt wurden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bakterien# ... _Bakterium

Wenn man es richtig macht ist es also durchaus denkbar, dass man Bakterien lebensfähig über interstellare Entfernungen hin verschicken kann:
Ein wenig beschleunigen (was bei solch kleinen Massen leicht ist) und man ist damit in ein paar 1000 Jahren schon beim nächsten Stern, in ein paar 10.000-100.000-Millionen Jahren schon fast überall in der Galaxis, wo man hin will.

Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, zu was wir in nur 100, 200 Jahren fähig sein werden.
Ganz so weit hergeholt scheint mir diese Sache daher gar nicht zu sein?


Grüße
seeker
Grüße
seeker


Mache nie eine Theorie zu DEINER Theorie!
Denn tut man das, so verliert man zumindest ein Stück weit seine Unvoreingenommenheit, Objektivität.

positronium
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 2832
Registriert: 2. Feb 2011, 20:13

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von positronium » 13. Jun 2013, 11:09

Naja, ich weiss nicht. Welchen Grund sollten wir oder jemand haben, irgendwelche Bakterien zu verschicken und damit zu verbreiten? Uns interessiert doch in erster Linie unser eigenes Überleben und nicht das einer Bakterie, die wir "nicht einmal kennen".
Weit hergeholt, aber denkbar wäre vielleicht, dass diese unbewohnbare Planeten erobern, um sie bewohnbar zu machen, also sozusagen mit unserer Form von DNA zu impfen und Biomasse aufzubauen. So würde sich über sehr lange Zeiträume betrachtet besiedelbarer Lebensraum schaffen lassen; einen gut brauchbaren Planeten könnten wir dann eines Tages einfach aussuchen - billig wär's wohl. Wobei natürlich fraglich ist, wie sich diese Bakterien dort weiterentwickeln... gibt's dann dort z.B. tatsächlich Wildschweine, die wir auf den Grill werfen könnten? Ich denke, das ist eher unwahrscheinlich.
Eine andere Möglichkeit wäre ein künstliches Bakterium. Eines, dessen Evolution abgesehen von den Umweltbedingungen vorprogrammiert ist, und wieder wir, nur eben angepasst, wo anders entstehen. Müssten wir uns nur 'mal mit unserer DNA beschäftigen, ob es darin ein fixes Programm gibt... Aber das ist jetzt schon arge SciFi.

rick
übernimmt bald das Forum
übernimmt bald das Forum
Beiträge: 279
Registriert: 19. Mai 2011, 22:06

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von rick » 13. Jun 2013, 12:29

Wenn man die Entwicklung des Lebens durch eine außerirdische Zivilisation erklären will, umgeht man das Problem nur über einen "logischen Relay", schließlich muss man wieder erklären, wodurch das außerirdische Leben entstanden ist.

Heute gibt es doch einige Theorien, die die Entstehung des Lebens aus einfachsten Molekülen vorhersagen. Das Buch von Richard Dawkins "The Selfish Gene" stellt eine / mehrere Theorien ziemlich anschaulich und gut dar.
Lediglich der experimentelle Nachweiß fehlt soweit wie ich das verstanden habe.
Wenn ich mich nicht täusche, gab es auch Ende der 50 Jahre Experimente, in denen diese "Ursuppe" nachgebildet wurde und unter bestimmten Bedingungen gelagert wurde. Und vor ein paar Jahren hat man festgestellt, das sich inzwischen mehrere Aminosäuren gebildet haben. Welche unter anderen Grundbausteine für komplexere Gebilde sind.

*edit* Das Experiment was ich meinte, ist das "Miller-Urey-Experiment" : http://en.wikipedia.org/wiki/Miller%E2% ... experiment

Benutzeravatar
seeker
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 5549
Registriert: 26. Dez 2009, 10:29

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von seeker » 13. Jun 2013, 13:06

positronium hat geschrieben:Naja, ich weiss nicht. Welchen Grund sollten wir oder jemand haben, irgendwelche Bakterien zu verschicken und damit zu verbreiten?
Du darfst nicht vergessen, dass es für Handlungen nicht immer unbedingt logische Gründe gibt.

Nur ein Beispiel für eine plausible aber nicht direkt logische Motivation:

Ich bin ein exzentrischer, superreicher Multimilliardär im fortgeschrittenen Alter. Nachkommen habe ich keine.
Nun stoße ich auf die Idee mit den Lebenssporen.
Da ist es doch einsichtig, dass mir diese Idee gefallen könnte.
Wenn es klappt wäre ich derjeneige, der eine ganze Galaxis mit Leben erfüllt hätte!
Ein größerer und bedeutenderer Grabstein ist kaum vorstellbar!
rick hat geschrieben:Heute gibt es doch einige Theorien, die die Entstehung des Lebens aus einfachsten Molekülen vorhersagen. Das Buch von Richard Dawkins "The Selfish Gene" stellt eine / mehrere Theorien ziemlich anschaulich und gut dar.
Lediglich der experimentelle Nachweiß fehlt soweit wie ich das verstanden habe.
Wenn ich mich nicht täusche, gab es auch Ende der 50 Jahre Experimente, in denen diese "Ursuppe" nachgebildet wurde und unter bestimmten Bedingungen gelagert wurde. Und vor ein paar Jahren hat man festgestellt, das sich inzwischen mehrere Aminosäuren gebildet haben. Welche unter anderen Grundbausteine für komplexere Gebilde sind.
Ich kenne das Buch und auch dieses Experiment und ich sehe die Interpretationen daraus nun doch etwas anders.

Ich will es mal so sagen:

Wenn eine Aminosäure eine Schraube ist, dann ist die einfachste lebende Zelle das CERN.
Nur weil man nun festgestellt hat, dass sich Schrauben mit recht hoher Wahrscheinlichkeit von alleine bilden können, nun darauf zu schließen, dass sich auch ein Beschleunigerring wie das CERN mit hoher Wahrscheinlichkeit von alleine bilden tut ist doch schon sehr gewagt -nicht?

Falls sich herausstellen sollte, dass die Wahrscheinlichkeit für das von-alleine-Auftreten von Leben selbst auf habitablen Planeten äußerst gering ist, dass z.B. nur einer von 100.000 auch tatsächlich rechtzeitig (innerhalb der habitablen Zeitspanne) von ganz alleine Leben entwickelt, dann würde die Infizierungshypothese plötzlich viel wahrscheinlicher sein, als die These, dass jeder lebenstragende Planet dieses auch selbst entwickelt hat.

Wenn man sich die Infizierungshypothese anschaut, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
a) Infizierung durch natürliche Prozesse (Einschläge tragen Material mit Sporen in den Weltraum)
b) absichtliche oder versehentliche Infizierung durch eine Intelligenz

Man kann sich nun überlegen, welche Variante wahrscheinlicher ist.
Ich glaube es ist b), weil ich es für unabwendbar halte, dass eine Zivilisation, die in der Lage ist so etwas zu tun, dieses auch früher oder später tun wird.
Diese Annahme hängt freilich stark davon ab, bei wie vielen lebenstragenden Planeten auch eine Zivilisation auftritt.
Sollte das häufig der Fall sein ist b) wahrscheinlicher, sollte das praktisch nie auftreten ist a) wahrscheinlicher - immer unter der Voraussetzung, dass solche Infizierungen überhaupt machbar sind/auftreten können.

Grüße
seeker
Grüße
seeker


Mache nie eine Theorie zu DEINER Theorie!
Denn tut man das, so verliert man zumindest ein Stück weit seine Unvoreingenommenheit, Objektivität.

rick
übernimmt bald das Forum
übernimmt bald das Forum
Beiträge: 279
Registriert: 19. Mai 2011, 22:06

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von rick » 13. Jun 2013, 14:00

seeker hat geschrieben: Ich kenne das Buch und auch dieses Experiment und ich sehe die Interpretationen daraus nun doch etwas anders.

Ich will es mal so sagen:

Wenn eine Aminosäure eine Schraube ist, dann ist die einfachste lebende Zelle das CERN.
Nur weil man nun festgestellt hat, dass sich Schrauben mit recht hoher Wahrscheinlichkeit von alleine bilden können, nun darauf zu schließen, dass sich auch ein Beschleunigerring wie das CERN mit hoher Wahrscheinlichkeit von alleine bilden tut ist doch schon sehr gewagt -nicht?

Falls sich herausstellen sollte, dass die Wahrscheinlichkeit für das von-alleine-Auftreten von Leben selbst auf habitablen Planeten äußerst gering ist, dass z.B. nur einer von 100.000 auch tatsächlich rechtzeitig (innerhalb der habitablen Zeitspanne) von ganz alleine Leben entwickelt, dann würde die Infizierungshypothese plötzlich viel wahrscheinlicher sein, als die These, dass jeder lebenstragende Planet dieses auch selbst entwickelt hat.

Wenn man sich die Infizierungshypothese anschaut, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
a) Infizierung durch natürliche Prozesse (Einschläge tragen Material mit Sporen in den Weltraum)
b) absichtliche oder versehentliche Infizierung durch eine Intelligenz

Man kann sich nun überlegen, welche Variante wahrscheinlicher ist.
Ich glaube es ist b), weil ich es für unabwendbar halte, dass eine Zivilisation, die in der Lage ist so etwas zu tun, dieses auch früher oder später tun wird.
Diese Annahme hängt freilich stark davon ab, bei wie vielen lebenstragenden Planeten auch eine Zivilisation auftritt.
Sollte das häufig der Fall sein ist b) wahrscheinlicher, sollte das praktisch nie auftreten ist a) wahrscheinlicher - immer unter der Voraussetzung, dass solche Infizierungen überhaupt machbar sind/auftreten können.

Grüße
seeker
Ich hoffe du merkst selbst, das deine Analogie mit der Schraube und dem Cern sich auf einer ganz anderen Ebene abspielt und nicht wirklich in die Diskussion passt.

Wenn Leben von wo anders eingeimpft wurde, z.B. durch Bakterien oder komplexere Systeme, dann besteht das Problem der Lebensentstehung dennoch, nämlich auf den Ursprungsplaneten, dieser Lebensformen. Es löst das Problem also auch nicht. Irgendwie muss das Leben entstehen können und ich denke das mit genügend Zeit und den richtigen Verhältnissen es auch entstehen kann. Wie weiß ich nicht, aber das wir es wissen ist keine Voraussetzung dafür, das es funktionieren kann. Und irgendwie muss es ja funktionieren.

Gruß
Rick

positronium
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 2832
Registriert: 2. Feb 2011, 20:13

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von positronium » 13. Jun 2013, 14:51

seeker hat geschrieben:Du darfst nicht vergessen, dass es für Handlungen nicht immer unbedingt logische Gründe gibt.

Nur ein Beispiel für eine plausible aber nicht direkt logische Motivation:
...
Ein größerer und bedeutenderer Grabstein ist kaum vorstellbar!
Ja, damit hast Du Recht!

Benutzeravatar
seeker
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 5549
Registriert: 26. Dez 2009, 10:29

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von seeker » 13. Jun 2013, 15:51

rick hat geschrieben:Ich hoffe du merkst selbst, das deine Analogie mit der Schraube und dem Cern sich auf einer ganz anderen Ebene abspielt und nicht wirklich in die Diskussion passt.
Nein, merke ich überhaupt nicht. Vielleicht hast du mich missverstanden?
rick hat geschrieben:Wenn Leben von wo anders eingeimpft wurde, z.B. durch Bakterien oder komplexere Systeme, dann besteht das Problem der Lebensentstehung dennoch, nämlich auf den Ursprungsplaneten, dieser Lebensformen. Es löst das Problem also auch nicht. Irgendwie muss das Leben entstehen können und ich denke das mit genügend Zeit und den richtigen Verhältnissen es auch entstehen kann. Wie weiß ich nicht, aber das wir es wissen ist keine Voraussetzung dafür, das es funktionieren kann. Und irgendwie muss es ja funktionieren.
Das ist prinzipiell richtig. Letztlich ist der Dreh- und Angelpunkt dabei, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein habitabler Planet aus sich heraus Leben entwickelt.

Ich habe deshalb das hier geschrieben:
seeker hat geschrieben:Falls sich herausstellen sollte, dass die Wahrscheinlichkeit für das von-alleine-Auftreten von Leben selbst auf habitablen Planeten äußerst gering ist, dass z.B. nur einer von 100.000 auch tatsächlich rechtzeitig (innerhalb der habitablen Zeitspanne) von ganz alleine Leben entwickelt, dann würde die Infizierungshypothese plötzlich viel wahrscheinlicher sein, als die These, dass jeder lebenstragende Planet dieses auch selbst entwickelt hat.
Folgendes Szenario als Beispiel:
Es gebe vor 4 Mrd Jahren 1 Million habitable Planeten, die alle auch 4 Mrd Jahre (also bis heute) habitabel bleiben.
Gleichzeitig sei die Wahrscheinlichkeit für das spontane Entstehen von Leben derart, dass innerhalb der gegebenen Zeitspanne (bis heute) W = 1/1 Mio pro Planet sei, dass also auf höchtens einem davon Leben zu erwarten wäre (denn wenn man 1 Mio Planeten hat steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer). Nehmen wir weiterhin an, wir würden dennoch heute (4 Mrd Jahre später) auf 50% davon Leben finden.

In dem Fall würden die Wahrscheinlichkeiten klar dafür sprechen, dass das Leben auf diesen 500.000 belebten Planeten von ganz wenigen oder nur einem Ursprungsplaneten stammt.

Der Punkt ist:
Wir wissen heute noch nicht, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Planet unter guten oder gar optimalen Bedingungen aus sich heraus Leben entwickelt.
Daher ist die Klärung dieser Frage von herausragender Bedeutung: Erst wenn sie geklärt ist, können wir vernünftig bewerten, ob Leben auf einem belebten Planeten i.d.R. auf diesem Planeten selbst entstanden ist oder von woanders her migriert ist.
Bis zu diesem Tag sollte die Migrationshypothese wie auch die These der direkten Entstehung als Möglichkeit ernst genommen werden.

Grüße
seeker
Grüße
seeker


Mache nie eine Theorie zu DEINER Theorie!
Denn tut man das, so verliert man zumindest ein Stück weit seine Unvoreingenommenheit, Objektivität.

Benutzeravatar
gravi
Site Admin
Beiträge: 6070
Registriert: 26. Nov 2005, 18:55
Wohnort: Münchhausen

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von gravi » 13. Jun 2013, 19:40

Komme leider schon etwas spät zu der Diskussion - es ist ja bereits Vieles gesagt.
Zu 100% kann man nicht abstreiten, dass Leben aus dem Universum (also von irgend woher) zu uns kam. Immerhin gibt es ja Funde von Meteoriten, auf denen man glaubte Versteinerungen von Einzellern zu sehen (was sich aber wohl nicht bewahrheitete). Immerhin ist es nicht auszuschließen.

Aber: wie andere auch sehe ich keinen Grund dafür, weshalb intelligente Wesen Bakterien oder Viren in den Weltraum senden sollten (auch wenn sie beneidenswerte Multimilliardäre sind :wink: ). Eher sollten intelligente Wesen höllisch vorsichtig sein, wenn sie andere Planeten/Himmelskörper aufsuchen, um diese nicht mit irgendwelchen Keimen zu impfen. Immerhin könnte es ja bereits irgendwo entwickeltes Leben geben, für das solche Keime absolut tödlich wären. Wir kennen das ja aus der eigenen Geschichte...

Darüber hinaus wäre eine Impfung eines Planeten wie der Erde ein höchst unwahrscheinliche Angelegenheit. Nicht nur von der Anzahl der Sternsysteme in der Galaxis - die Keime müssten ja auch zur rechten Zeit eintreffen, um auf habitable Bedingungen zu treffen. Pech, wenn sie gerade in einen Vulkan fielen...(nur mal als Beispiel). Ich glaube, hierzu sind noch viel mehr Zufälle erforderlich als die notwendigen, die bis zu uns heute führten.

Gruß
gravi
Unser Wissen ist ein Tropfen. Was wir nicht wissen, ist ein Ozean.
Sir Isaac Newton

Benutzeravatar
seeker
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 5549
Registriert: 26. Dez 2009, 10:29

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von seeker » 14. Jun 2013, 09:41

gravi hat geschrieben:Aber: wie andere auch sehe ich keinen Grund dafür, weshalb intelligente Wesen Bakterien oder Viren in den Weltraum senden sollten (auch wenn sie beneidenswerte Multimilliardäre sind :wink: ). Eher sollten intelligente Wesen höllisch vorsichtig sein, wenn sie andere Planeten/Himmelskörper aufsuchen, um diese nicht mit irgendwelchen Keimen zu impfen. Immerhin könnte es ja bereits irgendwo entwickeltes Leben geben, für das solche Keime absolut tödlich wären. Wir kennen das ja aus der eigenen Geschichte...
Ja, das ist auch logisch gedacht. Du kannst aber nicht ausschließen, dass irgendein reicher Querkopf irgendwann ganz anders darüber denken wird als du heute.
Das ist der Punkt: Wenn genügend Zeit vorhanden ist, wird es geschehen.
Ganz ähnlich verhält es sich mit Dingen wie der der Entwicklung der Atombombe und der Gentechnik. Glaubst du ernsthaft, dass nicht irgendwann irgendwer einen Menschen klonen wird?
Der Mensch handelt eben gemeinhin nicht ethisch/logisch. Er baut sich i.d.R. vielmehr seine logische/ethische Begründung grad so zusammen, wie es ihm in den Kram oder die Ideologie passt...
In der Motivation sehe ich daher kein Problem. Was machbar ist, wird auch irgendwann gemacht werden.
gravi hat geschrieben:Darüber hinaus wäre eine Impfung eines Planeten wie der Erde ein höchst unwahrscheinliche Angelegenheit. Nicht nur von der Anzahl der Sternsysteme in der Galaxis - die Keime müssten ja auch zur rechten Zeit eintreffen, um auf habitable Bedingungen zu treffen. Pech, wenn sie gerade in einen Vulkan fielen...(nur mal als Beispiel). Ich glaube, hierzu sind noch viel mehr Zufälle erforderlich als die notwendigen, die bis zu uns heute führten.
Hier geht es um die Machbarkeit und da hast du Recht: Ein solches Vorhaben könnte sich bei näherer Betrachtung (für zumindest lange Zeit) als undurchführbar herausstellen, auch wenn es mir beim ersten Drübersehen eigentlich leicht machbar erscheint.
Man müsste mal näher untersuchen/ausrechnen , was genau nötig wäre, wenn man z.B. 100 vielversprechende Systeme im Umkreis von sagen wir mal 50 Lichtjahren mit einer akzeptablen Trefferquote infizieren wollte. Sicherlich reicht es da nicht aus, wenn man einen Planeten nur mit einem Keim treffen würde. Es sollten schon ein paar 1000 bis Millionen Keime pro Planet sein - und ja, zum richtigen Zeitpunkt. Das schöne ist allerdings, dass kleine Staubpartikel, in einem Sonnensystem verteilt, langsam und stetig von den Planeten aufgesogen werden: Sie haben keine dauerhaft stabile Umlaufbahnen.

Noch ein Wort zur Wahrscheinlichkeit der direkten Lebensentstehung auf der Erde:

Was mir dabei öfters sauer aufstößt ist, dass allenhalben so getan wird, wie rick das beschrieben hat:
rick hat geschrieben:Heute gibt es doch einige Theorien, die die Entstehung des Lebens aus einfachsten Molekülen vorhersagen. Das Buch von Richard Dawkins "The Selfish Gene" stellt eine / mehrere Theorien ziemlich anschaulich und gut dar.
Lediglich der experimentelle Nachweiß fehlt soweit wie ich das verstanden habe.
Wenn ich mich nicht täusche, gab es auch Ende der 50 Jahre Experimente, in denen diese "Ursuppe" nachgebildet wurde und unter bestimmten Bedingungen gelagert wurde. Und vor ein paar Jahren hat man festgestellt, das sich inzwischen mehrere Aminosäuren gebildet haben. Welche unter anderen Grundbausteine für komplexere Gebilde sind.
Da wird ja gerade so getan, als wäre das alles schon klar und man müsste nur noch letzte unbedeutende Details klären. (Dem ist nicht so!)
Es wird allzuoft (nicht zuletzt über Berichte in den Medien und über Bücher) die Botschaft transportiert, dass man ja nur flüssiges Wasser, ein paar organische Moleküle und eine Energiequelle und viel Zeit brauche um dann vollautomatisch Leben zu erhalten.
In die Köpfe der Menschen wird also die Vorstellung eingepflanzt, dass die Wahrscheinlichkeit für die spontane Entstehung von Leben auf habitablen Planeten sehr hoch sei.
Dafür (für diese Wahrscheinlichkeitsbewertung) gibt es aber bei näherer und objektiver Betrachtung heute noch überhaupt keinen vernünftigen Grund!

Warum ist das so?

Einen Grund sehe ich hier:

Es gibt (vor allen Dingen in den USA) im Hintergrund eine Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Kreationismus.
Wenn die Wissenschaft bei diesem Streit Oberwasser behalten will (was ich ja sehr befürworte), ist es für sie sehr wichtig plausibel erklären zu können, wie das Leben von alleine entstanden ist/sein kann.
Dabei ist es freilich wenig hilfreich, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten für das spontane Entstehen von Leben auf einem unbelebten Planeten pessimistischer sieht als unbedingt nötig.
D.h.: Zumindest in der öffentlichen Darstellung (und auch bei Autoren wie Herrn Dawkins) geht wegen diesem Streit ein Stück weit die Objektivität verloren, was zu übertrieben optimistischen Darstellungen auf der einen Seite und zu übertrieben pessimistischen Darstellungen auf der anderen Seite führt, wenn es um diese Wahrscheinlichkeit geht.

Damit keine Missverständnisse aufkommen:
Selbstverständlich muss das Leben irgendwo, irgendwann von alleine entstanden sein. Fraglich ist für mich nur, in wie vielen Fällen es auch auf dem Planeten entstanden ist, auf dem man es dann vorfindet - und das hängt eben essentiell von dem wahren (und noch unbekannten) Wert der obigen Wahrscheinlichkeit ab.


Grüße
seeker
Grüße
seeker


Mache nie eine Theorie zu DEINER Theorie!
Denn tut man das, so verliert man zumindest ein Stück weit seine Unvoreingenommenheit, Objektivität.

Benutzeravatar
gravi
Site Admin
Beiträge: 6070
Registriert: 26. Nov 2005, 18:55
Wohnort: Münchhausen

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von gravi » 14. Jun 2013, 19:47

Wie gesagt, zu 100% kann niemand ausschließen, dass Leben zur Erde von irgendwo außerhalb kam. Mag sein, dass es irgendwo da draußen Querdenker gibt, die meinen das Universum mit ihren Sporen übersäen zu müssen.
Es bleibt aber nur eine sehr, sehr vage Spur.

Irgendwo und irgendwie muss das Leben aber gestartet sein, das ist ja unzweifelhaft. Bei den unsäglichen Möglichkeiten, die allein unsere Galaxis bietet und dem Wissen, dass es eigentlich überall im Kosmos die gleichen Bedingungen gibt (sprich Elemente, Moleküle, die auf Staubteilchen synthetisiert werden usw.) bleibe ich doch bei meiner Überzeugung, dass wir aus einem Urkeim entstanden sind, der auch hier irgendwann entstand.
Ich bin auch davon überzeugt, dass es der Wissenschaft einmal gelingen wird, den Vorgang der Lebensentstehung nachzuvollziehen. Ebenso, wie wir das Higgs fanden und vlt. auch noch Schwarze Minilöcher erzeugen werden.

Gruß
gravi
Unser Wissen ist ein Tropfen. Was wir nicht wissen, ist ein Ozean.
Sir Isaac Newton

Benutzeravatar
ATGC
übernimmt bald das Forum
übernimmt bald das Forum
Beiträge: 295
Registriert: 13. Jul 2017, 15:33
Wohnort: zu Hause

Re: Kontamination der Galaxis mit Lebenssporen möglich?

Beitrag von ATGC » 20. Jul 2017, 11:58

Die Idee einer absichtlichen Kontamination von potenziell habitablen Planeten mit Mikroben geht auf das Jahr 1971 zurück. Im September dieses Jahres fand in Bjurakan (Armenien) die erste internationale CETI-Konferenz statt. Am Rande dieses Treffens unterhielten sich Francis Crick und Leslie Orgel über die Idee, dass das Leben auf der Erde möglicherweise durch Außerirdische gezielt auf die Erde gebracht worden ist. Aus dieser Idee machten sie einen Artikel, der 1973 in der Zeitschrift "Icarus" erschienen ist:

http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/do ... 1&type=pdf

Später weitete Crick diese Idee auf Buchformat aus und veröffentlichte "Life itself" im Jahr 1981 (auf deutsch unter dem Titel "Das Leben selbst" im Jahr 1983 erschienen):

https://www.amazon.de/Leben-selbst-Ursp ... 3492027997

Heute gibt es sogar eine Panspermia-Society:

http://www.panspermia-society.com/

Diese Gesellschaft möchte das irdische Leben retten, wenn es auf der Erde zum Schlimmsten kommt. Das Buch von Michael Noah Mautner "Seeding the Universe with Life" kann man hier lesen:

http://www.astro-ecology.com/PDFSeeding ... 05Book.pdf

Zur angesprochenen Thematik der Panspermie als solcher: Unabhängig davon, ob sie bewusst herbeigeführt wurde oder sich zufällig ereignet hat (was ich allerdings heftig bezweifle!), erklärt das nichts über die Entstehung des Lebens als solchem. Es wurde hier ja schon angemerkt, dass die Frage, wie das Leben auf der Erde begonnen hat, nur in eine unbestimmte Ferne verlagert wird, wo man über die Ausgangsbedingungen für die Entstehung von Leben nur spekulieren kann. Ein Erkenntnisgewinn bietet diese Hypothese leider nicht, so dass man schlecht darauf wissenschaftliche Untersuchungen aufbauen kann.

Selbst wenn das Leben tatsächlich einst über Panspermie auf die Erde gelangt ist, dürfte es schwer sein, dies auch nachzuweisen, da die Bedingungen auf der Urerde ebenfalls günstig genug gewesen sein müssen, dass Leben hier entstanden sein könnte. Anderenfalls wären die importierten Mikroben schwerlich hier sesshaft geworden und hätten sich schwerlich über drei Milliarden Jahre hinweg über Evolution zu Mehrzellern und schließlich Menschen entwickelt, die in der Lage sind, über solche Fragen auf wissenschaftlicher Grundlage nachzudenken. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Hypothese also wertlos, weil nicht falsifizierbar.

Der sinnvollere Weg scheint mir daher der zu sein, die Panspermie-Hypothese außen vor zu lassen und stattdessen zu untersuchen, welche Bedingungen hinreichend gewesen sein mussten, damit Leben entstehen kann - egal auf welchem Himmelskörper. Und daran anschließend wäre zu prüfen, ob solche Bedingungen auf der Urerde vorgelegen haben oder nicht.

Die Entstehung des Lebens verlief in mehreren Etappen, von denen die wichtigsten folgende waren:

1. Bildung und Anreicherung von Monomeren.

2. Bildung und Anreicherung von Polymeren.

3. Bildung und sukzessive Komplexitätszunahme von Reaktionsnetzwerken.

4. Bildung und Reproduktion von Kompartimenten.

5. Kopplung von Reaktionsnetzwerken und Kompartiment-Reproduktion über molekulare Replikatoren.

6. Reproduktion von Funktionsmolekülen für das Reaktionsnetzwerk mit Hilfe der molekularen Replikatoren.

7. Reproduktion des Gesamtkompartiments - einschließlich des darin befindlichen Reaktionsnetzwerks - nach Art eines koordinierten Teilungsprozesses.

Über die ersten vier Etappen sind wir im Großen und Ganzen recht gut im Bilde. Monomere (also z.B. Aminosäuren und RNA-Basen) entstehen relativ unkompliziert aus CH4, NH3, H2O und H2S unter Energiezufuhr in der Atmosphäre sowie in hydrothermalen Schloten. Die frühe Atmosphäre war zwar nicht so stark reduzierend wie von Miller und Urey angenommen, aber in der Nähe vulkanischer Ausgasungen waren lokal auch Anreicherungen von reduzierenden Gasen möglich - u.a. in geothermalen Feldern, aber auch in untermeerischen Schloten.

Polymere bedürfen der Abführung von Reaktionswasser und dürften daher bevorzugt in Regionen abgelaufen sein, wo zeitweilig das Land trocken fiel. Aber auch reaktive Thioester in den hydrothermalen Schloten waren zur Wasserbindung in der Lage, so dass auch dort Polymerisationen als Kondensationsreaktionen ablaufen konnten.

Reaktionsnetzwerke entstehen immer dann, wenn eine permanente Energiezufuhr als Durchfluss gesichert ist. Das können Wärmeflüsse sein, aber auch Strahlungseinflüsse, die sich in einer Energiesenke verlieren. Neben der Sonneneinstrahlung, die neben UV-Strahlung auch Wärmestrahlung lieferte, waren es insbesondere vulkanische Aktivitäten, die Energie lieferten, aber auch radioaktive Zerfälle lieferten Energie, die angezapft werden konnte, um chemische Nichtgleichgewichtssysteme aufzubauen, welche sich im Schutz von Sedimenten und Gezeitenwechseln mit Hilfe von Gradienten sukzessive zu größerer Komplexität entwickeln konnten.

Kompartimente in Gestalt von kleinen Bläschen entstanden spontan aus Proteinoiden - also auf trockenem Untergrund angetrockneten Aminosäuremischungen, die danach wieder ins Wasser gelangten - oder aus Lipiden, die als Film auf der Wasseroberfläche trieben und sich bei Wellenschlag spontan zu Membranstrukturen anordneten, die dann auch teilungsprozesse durchliefen, sobald sie eine bestimmte Größe überschritten hatten. Nehmen wir an, dass sich erste Stoffwechselsysteme auf einem Gesteinsuntergrund entwickelten (was für das Zustandekommen der Chiralität der verwendeten Monomere von Bedeutung gewesen sein könnte!), dann könnten auch hier Lipidvesikel dazu beigetragen haben, dass die Stoffwechselkomponenten vor zu rascher Auflösung durch heranströmendes Wasser geschützt waren, indem sie sich als Film auf den Gesteinsuntergrund auflagerten.

Bis hierhin gibt es also keine größeren Schwierigkeiten, sich das Zustandekommen der ersten Zellen zu erklären. Ab dann wird es allerdings schwierig. Hier wurden verschiedene Konzepte entwickelt, die man als RNA-Welt und Prä-RNA-Welt zusammenfassen kann. RNA eignet sich als Replikator und als Enzym, so dass sie zwei fundamentale Funktionen von Zellen abdecken kann. Allerdings hat die Sache einen Haken. Zum einen kann sich RNA nicht zu langgestreckten Genomen zusammenlagern, weil sie sich ab einer bestimmten Länge in Sekundär- und Tertiärstrukturen verknäuelt, so dass sie als Genom nach Art der DNA nicht in Frage kommt. Zum anderen kann sich RNA nicht beliebig replizieren ohne RNA mit Replicase-Funktion, die ihrerseits einer Replicase bedarf, um reproduziert zu werden.

Darüber hinaus ist das Spektrum der Enzymfunktionen, die RNA als Ribozym einnehmen kann, nicht besonders breit gefächert. Da es auf eine Kopplung zwischen Stoffwechsel und Kompartiment-Reproduktion ankommt, muss RNA aber ein breites Reaktionsspektrum abdecken, um die benötigten Komponenten, aus denen sich der Stoffwechsel konstituiert, kontinuierlich bereitzustellen.

Daraus ergeben sich zwei Schwachpunkte: Zum einen besteht die Gefahr, dass sich eine RNA-Replicase nur noch selbst repliziert, ohne andere Ribozyme zu replizieren. Dann hätten wir einen regulatorischen Kurzschluss, der nach und nach alle Ressourcen bindet, bis das System kollabiert. Zum anderen stellt die Präsenz der RNA-Chemie in einem Stoffwechselsystem, welches neben RNA noch andere Komponenten enthält, die in das Stoffwechselgeschehen involviert sind (u.a. kurzkettige Peptide, die ihrerseits katalytische Funktionen besetzen können, aber auch Fettsäuren, Glycerol und diverse Saccharide), eine energetische Bürde dar, die das Gesamtsystem eher bremst als beschleunigt.

Auf Dauer würde sich eine RNA-Welt folglich von selbst totlaufen, wenn nicht die Etappe 6 gelingt - also das Finden eines Mechanismus', der die benötigten Funktionsmoleküle - i.e.S. Enzyme - permanent liefert, so dass eine größere Stabilität des Gesamtsystems über längere Zeit hinweg erreicht wird. Die dabei produzierten Moleküle können ihrerseits dazu beitragen, dass der Reproduktionsmechanismus effizienter und zunehmend genauer und weniger störungsanfällig abläuft, so dass gangbare Sequenzen zunehmend besser konserviert werden, was dann wieder rückkoppelt usw. usw. Das wäre dann das, was Eigen und Schuster als Hyperzyklus beschrieben haben, der von selbst zu größerer Komplexität hochwächst, sobald die Fehlerschwelle, die zum Kollaps des Systems führen würde, einmal unterschritten worden ist.

Hier haben wir die "Darwinsche Schwelle", wo das Prinzip Mutation/Selektion erstmalig einsetzt und Sequenzen wechselseitig durch zwei verschiedene Molekülklassen repräsentiert werden. Problematisch ist hierbei, dass wir nicht wissen, wie sich das ursprünglich erstmalig organisiert hat, obwohl es vom Prinzip her klar ist, was da geschehen sein muss. Peptide und Nucleinsäuren (also RNA) beeinflussten sich wechselseitig, aber es war eben nicht abzusehen, dass sie sich in ihrer Reproduktion ebenfalls wechselseitig zu einem System organisieren, welches zugleich organisatorisch mit einem hierarchisch höheren System verwachsen blieb, ohne es durch Verselbstständigung in den Kollaps zu führen. Hier stehen wir also tatsächlich vor einer Schwelle, die experimentell derzeit nicht zu überbrücken ist.

Jenseits dieser Schwelle ist dann die Einbeziehung des Gesamtsystems in die organisierte Reproduktion. Erst nachdem dies gelungen war, konnten sich einzelne Zellen aus dem Gesamtsystem abkoppeln und fortan isoliert evolvieren. Auch das liegt noch jenseits aller Möglichkeiten der experimentellen Modellierung im Labor.

Zum Ablauf dieser sieben Etappen mussten hinreichend lange hinreichend komplexe Rahmenbedingungen gegeben sein, die die allmählich hochwachsenden Systeme mit Energie, mit Rohstoffen und mit periodischen Rhythmen versorgte, so dass Stoff- und Konzentrationsgradienten entstehen konnten, die nach Art eines Durchflussreaktors ein Fließgleichgewicht aufbauten, in welchem dann die beschriebene chemische Evolution stattfinden und in eine biologische Evolution münden konnte. Derzeit spricht nichts dagegen, dass auf der Urerde solche Bedingungen für mehrere Hundert Millionen Jahre gegeben waren. Älteste Indizien sprechen für das Vorhandensein von Wasser auf der Erdoberfläche bereits vor 4,4 Milliarden Jahre - also etwa 100 Millionen Jahre nach der Mondentstehung.

Das LHB ereignete sich vor etwa 3,9 Milliarden Jahren, so dass bis dahin etwa 500 Millionen Jahre Zeit gewesen wäre, dass Organismen entstanden sind und u.a. thermophile Mikroben hervorgebracht haben, die dann nach dem LHB in Gestalt von LUCA (den man sich nicht als Einzelzelle vorstellen darf!) den Ausgangspunkt für die weitere Evolution gestellt haben. Dieses Szenario würde das relativ schnelle Erscheinen von Organismen nach dem LHB erklären, wenn die Befunde von Isua wirklich auf Organismen zurückzuführen sind (C-12-Anreicherung im Gneis). Aber auch eine Lebensentstehung nach dem LHB wäre nicht ausgeschlossen, da wie ausgeführt eine RNA-Welt nicht lange hätte überdauern können, wenn sie sich selbst überlassen geblieben wäre. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Etappen 6 und 7 ereignen, ist nicht vorab kalkulierbar, so dass es kein Widerspruch ist, wenn Leben relativ schnell entstanden ist. Ein zu spätes Einsetzen von Etappe 6 hätte in beiden Szenarien dazu geführt, dass die Stoffwechselsysteme kollabiert wären. Und dann wären wir nicht hier ...

Aus der Retrospektive ist es daher sogar notwendig, dass Leben schnell entstand. Und das führt uns dann wieder zu der Mutmaßung, dass eine schnelle Lebensentstehung auf eine gelenkte Panspermie zurückgeführt werden müsse. Nein, muss es nicht. Es ist plausibler, dass das Leben hier auf der Erde entstanden ist.

Antworten