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Ode auf die Grosse Bärin

Galaxien, Sterne, Planeten...
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ralfkannenberg
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Ode auf die Grosse Bärin

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Mai 2021, 00:07

Hallo zusammen,

obgleich die Mythologie dahinter so grässlich ist, dass ich sie hier wiederzugeben nicht bereit bin, möchte ich heute ein Sternbild vorstellen, das wohl jeder kennt: den Grossen Wagen.

Obgleich der Grosse Wagen das bekannteste Sternbild ist ist es gar kein Sternbild, sondern Teil eines grösseren Sternbildes, nämlich des Grossen Bären oder mythologisch korrekt der Grossen Bärin.

Man mag sich darüber wundern, dass sowohl die Grosse Bärin als auch der Kleine Bär so lange Schwänze haben, während Bären ja gar keine langen Schwänze haben. Das vermag die Mythologie zu erklären: Zeus packte die beiden nämlich an ihren Schwänzchen und schleuderte sie ans Firmament und hat dabei offenbar so viel Kraft aufgewendet, dass ihre Schwänzchen in die Länge gezogen wurden.

Auch der Grund, warum diese beiden Sternbilder niemals untergehen wird von der Mythologie erklärt: Zeus' Ehefrau Hera hatte ja eine Intrige gegen die beiden Bären geschmiedet, die Zeus dadurch unterbinden konnte, dass er sie an das Firmament geschleudert hat, doch Hera fügte das nun so, dass sie niemals ein Bad nehmen konnten, sprich zum Bade in den Oceanos eintauchen konnten, sprich am Himmel niemals untergehen.

Nun wissen wir also, warum die Grosse Bärin und der Kleine Bär zirkumpolare Sternbilder sind und wir wissen auch, warum sie so lange Schwänze haben.

Die Grosse Bärin besteht aus verschiedenen Teilen und der bekannteste Teil ist also der Grosse Wagen. Gemeinhin denkt man, dass die sieben hellsten Sterne der Grossen Bärin die Sterne des Grossen Wagen bilden. Das ist aber nicht ganz richtig - der Grosse Wagen besteht aus den 6 hellsten Sternen der Grossen Bärin sowie deren 11.-hellsten Stern.

Drei dieser 6 hellsten Sterne erreichen beinahe die 1.Grösse und drei weitere erreichen die 2.Grösse, so dass die Grosse Bärin zu den wenigen Sternbildern gehört, die 6 Sterne 2.Grösse oder heller enthält. Der Zentauer hat 8 Sterne 2.Grösse oder heller, der Orion und der Skorpion haben 7 Sterne 2.Grösse oder heller und wäre das ehemalige Sternbild Schiff nicht in drei Teile aufgespalten worden, so hätte wir sogar ein Sternbild, welches 9 Sterne mindestens 2.Grösse hat, wobei ich grosszügig zähle, d.h. alle Sterne mit einer Helligkeit von 2.5xx noch zur zweiten Grösse zähle; ohne das hätten der Zentaur und der Skorpion ebenso wie der Grosse Wagen 6.Sterne 2.Grösse oder heller.

Diese Angaben sind ohne Gewähr, da ich nun nicht alle Sternbilder abgecheckt habe, aber ich wäre überrascht, wenn ich da ein Sternbild mit mindestens 6 Sternen 2.Grösse oder heller übersehen hätte.


Ein weiterer achter Stern der Grossen Bärin ist ebenfalls sehr einfach zu finden, obgleich er nur die 4.Grösse erreicht, das ist der prominente Augenprüfstern neben dem mittleren Deichselstern Mizar, der auch manchmal als "Reiterlein" bezeichnet wird, weil er quasi auf der Wagendeichsel reitet. Mizar ist zwar der bekannteste, aber keineswegs der hellste Stern des Grossen Wagen. Er ist aber ein Rekordhalter, denn er ist der erste Stern überhaupt, um den mit Hilfe eines Fernrohres ein Doppelstern-Partner entdeckt wurde.

Vorsicht: der Augenprüfstern Alkor ist nicht der Doppelsternpartner Mizar B von Mizar A, auch wenn Alkor und Mizar B ungefähr gleich hell sind. Auch wenn Mizar B hell genug wäre, von blossem Auge gesehen zu werden, so benötigt man dennoch ein Fernrohr, weil der Partnerstern so nahe am Hauptstern steht, dass dieser den Partnerstern von blossem Auge überstrahlt. Fernrohr-technisch sind die beiden ein einfaches Doppelstern-Paar. - Alkor indes kann man bei guter Sehkraft von blossem Auge neben - genauer: aus Wagensicht schrägt links oberhalb - von Mizar erkennen, deswegen wird er auch "Augenprüfstern" genannt.

So helligkeitsschwach ist der Augenprüfstern übrigens nicht: von den üblichen 6 sichtbaren Plejadensternen sind nur derer 4 heller als der Augenprüfstern.

Auch der kastennächste Deichselstern, er heisst Alioth, hat einen "Augenprüfstern", der allerdings etwas weiter von Alioth entfernt ist als Alkor von Mizar entfernt ist; dieser Stern heisst 78 Ursae Maioris und erreicht die 5.Grösse. Obgleich er nicht so hell ist kann er auch von Laien aufgrund seiner Nähe zu Alioth gegebenenfalls unter Zuhilfenahme eines kleinen Feldstechers ganz einfach gefunden werden.


Nun kennen wir dank des Grossen Wagen bereits 9 Sterne am Sternhimmel, nämlich die 7 Sterne des Grossen Wagen sowie den Augenprüfstern und den "Augenprüfstern von Alioth", dem kastenseitigen Deichselstern.

Ob es didaktisch sinnvoll ist sei dahingestellt, denoch stelle ich einen weiteren 10.Stern vor, den auch die meisten kennen; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne vom unteren zum oberen Kastenstern ungefähr 5x weiter und geht dann aus Wagensicht ein bisschen nach rechts, so gelangt man zum Polarstern. Dieser erreicht ebenfalls die 2.Grösse und steht am Ende der Deichsel des Kleinen Wagen.

Der obere hintere Kastenstern heisst übrigens Dubhe und wird im englischen "Dubih" ausgesprochen. Für seinen Namen gibt es eine kleine Merkregel: Frank Sinatra tanzt zusammen mit der Grossen Bärin um den Polarstern und singt "Dubi Dubi Dubi".


Und wenn wir schon dabei sind: wenn man von der Deichsel des Grossen Wagen einen Bogen zum Polarstern zieht, so kommt man unterwegs bei zwei nebeneinander stehenen Sternen vorbei, von denen der hellere ebenfalls die 2.Grösse erreicht, das sind die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen. Bei normalen Sichtbedingungen kann man vom Kleinen Wagen nur diese drei Sterne sehen; der schwächere der beiden ist übrigens so hell wie der schwächste Stern des Grossen Wagen.

Noch eine Sternwanderung kann ich Euch zumuten: verlängert man die beiden hinteren Kastensterne des Grossen Wagen 5x vom unteren zum oberen Kastenstern, so gelangt man aus Wagensicht noch etwas nach rechts gehend zum Polarstern; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen vom stärkeren zum schwächeren, also parallel der Deichsel des Grossen Wagen entlang, etwa 3x, so gelangt man zum zweithellsten Stern des Sternbildes Drache, das ist eta Draconis. Dieser Stern erreicht beinahe die 2.Grösse und ist somit etwas heller als der schwächste Stern des Grossen Wagen und der schwächere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen. Man kann diese "Route" nutzen, um via des hellsten Drachensternes zur hellen Wega zu gelangen, aber das machen wir ein anderes Mal.


Freundliche Grüsse, Ralf


EDIT 3.5.2020, 11:23 Uhr: "Reiterlein" als zusätzlicher Name des Augenprüfsterns Alkor ergänzt
Zuletzt geändert von ralfkannenberg am 3. Mai 2021, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Ode auf die Grosse Bärin

Beitrag von belgariath » 3. Mai 2021, 11:04

Den Trick zu eta Draconis zu gelangen, habe ich noch nicht gekannt.

Gibt es nicht auch so einen Reiter auf dem Großen Wagen? Ist das eventuell Alkor?
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Re: Ode auf die Grosse Bärin

Beitrag von seeker » 3. Mai 2021, 11:07

Oh, schön, eine neue Ode! :) :well: :g-star:
Grüße
seeker


Kritisches Denken bedeutet nicht, sich einseitig nur aus kritischen Quellen zu versorgen und die dortigen Darstellungen unkritisch zu übernehmen. Viele überschätzen ihre eigene Medienkompetenz massiv. Dies wird von Verführern ausgenutzt.

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Re: Ode auf die Grosse Bärin

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Mai 2021, 11:44

belgariath hat geschrieben:
3. Mai 2021, 11:04
Den Trick zu eta Draconis zu gelangen, habe ich noch nicht gekannt.
Hallo belgariath,

ich habe Jahre gebraucht, ehe ich endlich einmal eine halbwegs brauchbare Regel gefunden habe, wie man vom Grossen Wagen zur hellen Wega gelangt.

An sich kann man die Wega ja an ihrer Helligkeit erkennen und wenn man sich nicht sicher ist, sucht man den "Drachenkopf-Rhombus", den man im Gegensatz zum umständlichen Sternbild Drache, der sich da irgendwie mit unscheinbaren Sternen zwischen den beiden Wagen oder Bären durchwindet, einfach finden kann, zumal er mit Ettanin auch einen Stern 2.Grösse und mit Alwaid einen Stern beinahe 2.Grösse hat. Die anderen beiden Ecken dieser Raute sind Grumium, ein Stern beinahe 3.Grösse, sowie etwas weiter entfernt iota Herculi, der ebenfalls beinahe die 3.Grösse erreicht. Diese Raute hat ein typischen Aussehen und ist einfach auffindbar. Vorsicht aber: in Sternkarten wird anstelle von iota Herculi der Drachenstern Kuma dargestellt, der aber nicht so hell ist und von blossem Auge entsprechend unauffällig. Statt der figürlichen aber sternbildübergreifenden Drachenkopf-Raute hat man dann ein unfigürliches Drachenkopf-Trapez. Wenigstens ist Kuma ebenso wie epsilon Lyrae ein einfaches Doppelsternsystem, welches bei hervorragender Sehkraft von blossem Auge aufgelöst werden kann, also viel einfacher als das Reiterlein beim mittleren Deichselstern Mizar.

Aber für Sternwanderungen von blossem Auge ist Kuma im Gegensatz zu iota Herculi denkbar ungeeignet.

Nun muss man es nur noch irgendwie schaffen, von eta Draconis zur Drachenkopf-Raute zu gelangen und dann wird einem die helle Wega auf dem goldenen Tablett serviert. Wer sich in dem Sternenwirrwarr des Drachen nicht verliert kann hierfür die beiden Nachbarsterne von eta Draconis zuhilfe nehmen, das sind Aldhibah und Edasich - beide so hell wie der schwächste Wagenstern und der schwächere hintere Kastenstern des Kleinen Wagen. Andererseits sind auch bei schlechten Sichtbedingungen die beiden hellsten Sterne der Drachenkopf-Raute, das sind Ettanin und Alwaid, typisch genug, dass man direkt von eta Draconis zu ihnen springen und dann weiter zur hellen Wega gelangen kann.

Ich möchte an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass ich aufgrund des Sternenwirrwarrs des Drachen den Kometen West im Jahre 1986 verpasst habe. Nicht dass der Komet in der Nähe des Drachen gestanden wäre, aber im Sternatlas war der Drache nach dem Kleinen Bären das zweite vorgestellte Sternbild und ich habe mich daran verloren und meine Einarbeitung in den Sternhimmel an dieser Stelle (wieder einmal) abgebrochen.

Der Hauptstern (aber nicht hellste) Stern des Drachen Thuban ist übrigens ebenfalls sehr einfach auffindbar, das werde ich in meinem nächsten Beitrag dann vorstellen.

belgariath hat geschrieben:
3. Mai 2021, 11:04
Gibt es nicht auch so einen Reiter auf dem Großen Wagen? Ist das eventuell Alkor?
Genauso ist es :)

Ich habe es im Eingangsbeitrag ergänzt. Ich habe gerade in der Wikipedia gelesen, dass dieser Stern in Südwest-Deutschland auch als "Deichselreiter" bezeichnet wird; obgleich ich dort aufgewachsen bin habe ich das nicht gewusst.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die Grosse Bärin

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Mai 2021, 12:10

seeker hat geschrieben:
3. Mai 2021, 11:07
Oh, schön, eine neue Ode! :) :well: :g-star:
Hallo seeker,

das war schon lange geplant, aber wegen zahlreicher Diskussionen im Kontext mit Risikokompetenz und diversen Corona-Überlegungen immer wieder verschoben. Zudem ist diese Ode im Gegensatz zu den beiden anderen eher trivial und fast schon als allererster Einstieg in den Sternhimmel geeignet.


Freundliche Grüsse, Ralf

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