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Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

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Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 2. Feb 2021, 13:10

Hallo zusammen,

die irregulären Kleinmonde unseres Sonnensystems werden meistens nicht weiter beachtet, obgleich sie eigentlich ein sehr interessantes Forschungsgebiet sind.

Meiner Einschätzung nach ist es ihre Unübersichtlichkeit, weswegen sich kaum jemand mit ihnen beschäftigen möchte. Nehmen wir den Jupiter: man kennt derzeit 79 Jupitermonde.

Vier von ihnen sind reguläre Monde, nämlich Io, Europa, Ganymed und Kallisto, die man auch im Feldstecher sehen kann - Io und Europa in etwa so gross wie der Erdmond, Ganymed und Kallisto in etwa so gross wie der innerste Planet Merkur. Allerdings sieht die Massenbilanz anders aus: der Merkur hat als Gesteinsplanet eine höhere Dichte und deswegen mehr Masse als jeder Mond unseres Sonnensystems, insbesondere auch mehr Masse als die beiden grösseren Monde Ganymed und Titan (grösster Saturnmond und zweitgrösster Mond unseres Sonnensystems). Zudem haben sich Io und Europa innerhalb der stabilen Eisgrenze (im Link Kapitel 2.3) gebildet und haben eine höhere Dichte als alle anderen regulären Monde unseres Sonnensystems, etwa so hoch wie die Dichte unseres Erdmondes, der allerdings als Kollisionsmond kein regulärer Mond ist, so dass die Masse der vier grossen Jupitermonde ähnlicher ist als ihr Grössenunterschied vermuten liesse.

Vier weitere Monde des Jupiters sind reguläre Kleinmonde, die sich innerhalb der Io-Bahn bewegen. Von der Erde aus konnten bislang erst 3 solche regulären Kleinmonde unseres Sonnensystems entdeckt werden, der erste von ihnen im Jahre 1892, also vor gut hundert Jahren, das ist der fünfte Jupitermond Amalthea. Die Amalthea ist der einzige von der Erde mit heutigen Fernrohren beobachtbare reguläre Kleinmond des Jupiters. Die übrigen wurden bei den Vorbeiflügen der Voyager-Sonden entdeckt und können mit dem Hubble Space Teleskop ebenfalls aufgefunden werden. Reguläre Kleinmonde sind deswegen sehr schwierig von der Erde aus zu finden, weil sie klein sind und so nahe an ihrem Mutterplaneten stehen, dass sie von diesem überstrahlt werden. Die Amalthea ist der viertgrösste reguläre Kleinmond unseres Sonnensystems.

Ein Mond heisst regulär, wenn er eine "kalte" Umlaufbahn hat, das bedeutet, dass die Umlaufbahn "nicht angeregt" ist, konkret eine sehr geringe Bahnneigung bezüglich der Äquatorialebene seines Mutterplaneten und eine sehr kleine Exzentrizität hat, das heisst also, dass die Umlaufbahnen regulärer Monde fast kreisförmig sind und nahezu in der Äquatorialebene ihres Mutterplaneten verlaufen. Eine Ausnahme hierzu bildet der drittgrösste Saturnmond Japetus, dessen Umlaufbahn stärker geneigt ist, allerdings ist er auch der am weitesten von seinem Mutterplaneten entfernte reguläre Mond unseres Sonnensystems.

Die regulären Monde haben vermutlich aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte eine reguläre Umlaufbahn, während die regulären Kleinmonde aufgrund der sehr starken Gezeitenkräfte in so grosser Nähe zu ihrem Mutterplaneten in eine reguläre Umlaufbahn gelangt sind.


Bis jetzt habe ich nur von regulären Jupitermonden geschrieben und wir haben gesehen, dass der Jupiter 4 reguläre Monde (Io, Europa, Ganymed und Kallisto) sowie 4 reguläre Kleinmonde (Amalthea und drei weitere) hat.


Die übrigen 71 Jupitermonde sind irreguläre Monde.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 2. Feb 2021, 13:28

Hallo zusammen,

nun werde ich ein bisschen persönlich, aber manchmal lernt man seine eigene Persönlichkeit erst viele viele Jahre, ja Jahrzehnte später besser kennen.

Ich habe mich nämlich schon in meiner Kindheit für die Monde unseres Sonnensystems interessiert, aber als Kind natürlich anders als man das als Erwachsener tut.

In meiner Kindheit kannte man noch gar nicht so viele Monde in unserem Sonnensystem, das waren neben dem Erdmond die beiden kleinen Marsmonde, dann 12 Jupitermonde, 10 Saturnmonde, 5 Uranusmonde sowie 2 Neptunmonde, das macht zusammen 32 Monde.

Als Kind haben mich nur der Durchmesser sowie ihre Reihenfolge um ihren Mutterplaneten interessiert und natürlich als Kind - je grösser desto besser ! So war es in meiner Kindheit tatsächlich eine "wichtige" Frage, wer denn der grösste Mond vom "best of the rest" ist: die Grossen, das waren ersatunlicherweise unser Erdmond (5), die vier grossen Jupitermonde Io (4), Europa (6), Ganymed (1) und Kallisto (3), der grosse Saturnmond Titan (2) sowie der retrograde Neptunmond Triton (7). Die Nummern geben die Reihenfolge bezüglich ihres Durchmessers an. Sieben Stück insgesamt; ok, es war damals noch nicht ganz klar, ob Titan grösser ist als Ganymed oder nicht, weil man nicht wusste, wie dick die Atmosphäre vom Titan ist. Dass Io ein knallbunter Vulkanmond ist und Europa unter einem Eismantel steckt wusste man damals auch noch nicht. Damals wusste man auch noch nicht, dass der Pluto kleiner als der Erdmond ist.

Doch der Rest ? Man schätzte die Saturnmonde Rhea und Japetus sowie die beiden Uranusmonde Titania und Oberon auf Durchmesser zwischen 1400 und 1800 km, aber genauer wusste man es nicht.

Aber damit konnte ich leben.

Nur: mit den Jupitermonden VI-XII kam ich nicht klar und ich weigerte mich hartnäckig, diese als vollwertige Monde anzuerkennen: sie waren so klein, obgleich ihr Planet sehr gross war und die Reihenfolge ihrer Abstände zum Jupiter war mir ebenfalls völlig unklar. Zudem hatten die entweder gar keine Namen oder mehrfach ändernde Namen - kurz und gut: out of scope !!


Erst vor 2 Jahren wurde mir klar, was das Problem war und welch' faszinierende Welt mir in all' den Jahren entgangen ist. Nicht dass das weiter schlimm war - es gab genügend andere Themen, mit denen ich mich beschäftigt habe. - Ein weiteres Problem war, dass ich aus meiner Kindheit andere Namen in Erinnerung hatte, aber ok, da ich mich nicht weiter mit ihnen beschäftigt hatte, hatte ich sicherlich deren Namen einfach nur falsch in Erinnerung, zumal ich die ohnehin nicht auswendig gelernt hatte. Also kein Poseidon, keine Hestia, keine Hera, kein Pan ... - und an die Namen der übrigen drei konnte ich mich ohnehin nicht mehr erinnern.


In diesem Thread nun wollen wir uns mit ihnen und ihren Geschwistern beim Saturn, beim Uranus und beim Neptun beschäftigen.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 2. Feb 2021, 19:04

Hallo zusammen,

um die Geschichte der irregulären Monde, die ja die grosse Mehrzahl aller Monde, besser verstehen zu können, ist es meines Erachtens unabdingbar, vorgängig die Entdeckungs-Geschichte der Monde unseres Sonnensystems zu verstehen.

An sich gibt es da einige wenige Meilensteine.

1. das Jahr 1610: die Galilei’schen Jupitermonde
Die grosse Bedeutung der Entdeckung der vier grossen Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto durch Galileo Galilei im Jahre 1610, die jeder Laie sehr einfach im Feldstecher selber anschauen kann, brauche ich vermutlich nicht gesondert hervorzuheben, sei dennoch daran erinnert, dass diese Entdeckung das Ende des Ptolemäischen Weltbildes zur Folge hatte, denn diese 4 Monde, anfangs noch als "Planeten" bezeichnet, bewegten sich offensichtlich nicht um die Erde und hätten im alten Weltbild die Sphären des Jupiters durchschlagen, oder etwas derber formuliert, "kaputtgemacht". Wobei man auch schon Kometen beobachtet hatte, welche ebenfalls diese Sphären hätten durchschlagen müssen. Es ist allerdings nicht Thema dieses Threads, welche Erkenntnisse alle dazu beitrugen, das geozentrische Weltbild durch das heliozentrische Weltbild abzulösen.

Zwar hatte schon Nikolaus Kopernikus ein Weltbild mit der Sonne im Mittelpunkt vorgeschlagen, doch hatte dieses den grossen Nachteil, dass es die Annahme tätigte, das sich die Planeten auf Kreisbahnen um die Sonne bewegen, mit dem Ergebnis, dass die Vorhersagen des heliozentrischen Weltbildes bezüglich Planetenpositionen deutlich schlechter waren als die Vorhersagen anhand des bestehenden geozentrischen Weltbildes. Erst Johannes Kepler gelang es, diese angenommenen Kreisbahnen dahingehend zu verallgemeinern, dass es sich um Ellipsenbahnen handelt, und Isaac Newton war es dann vorbehalten, die Keplerschen Gesetze als exakte Lösungen des Zweikörper-Problems herzuleiten. Allerdings wirken auch andere Körper auf die Bahnen der Planeten ein, so dass streng genommen kein Zweikörper-Problem vorliegt, so dass es also zu Bahnstörungen kommt, zudem enthält Newtons Mechanik auch noch nicht die Grundsätze der allgemeinen Relativitätstheorie, die sich vor allem in der Abweichung der Periheldrehung des sonnennächsten Planeten Merkur manifestiert.


2. Die Jahre 1655-1684: die Entdeckung aller in einem Amateurfernrohr beobachtbaren Monde
Zurück zu den Galilei’schen Jupitermonden. In den nächsten Jahrzehnten gelang es mit verbesserten Fernrohren, weitere Monde unseres Sonnensystems zu entdecken, konkret 45 Jahre später im Jahre 1655 den grossen Saturnmond Titan, den zweitgrössten Mond unseres Sonnensystems, der fast so gross ist wie Ganymed, beide deutlich grösser als der innerste Planet Merkur, jedoch aufgrund ihrer geringeren Dichte weniger massereich als jener. Der Entdecker war Christiaan Huygens, der mit seinem selbstgebauten Fernrohr auch erkannt hat, dass es sich bei den seltsamen "Ohren" des Saturn um feine Ringe handelte.

Mit den damals weltbesten verfügbaren Teleskopen gelang es dann Giovanni Domenico Cassini, in den Folgejahren vier weitere Saturnmonde zu entdecken, nämlich im Jahre 1671 den drittgrössten Saturnmond Iapetus und ein Jahr später den zweitgrössten Saturnmond Rhea. Beide sind weniger als halb so gross wie der Erdmond, ja auch weniger als halb so gross wie der Jupitermond Europa. - Im Jahre 1684 gab er die Entdeckung zweier weiterer Saturnmonde bekannt, nämlich der Tethys und der Dione, die beide etwa ein Drittel so gross wie der Erdmond sind.

Das sind auch schon alle Monde, die heutzutage ein Amateurastronom mit einem Fernrohr beobachten kann, d.h. im Jahre 1684 waren alle Monde unseres Sonnensystems bekannt, die heutzutage einem Amateurastronomen zugänglich sind. Wir befinden uns nun zeitlich knapp 100 Jahre vor der Entdeckung des Planeten Uranus und fast 120 Jahre vor der Entdeckung der ersten Planetoiden unseres Sonnensystems.


3. Die Jahre 1781-1789: die Ära des grossen Fernrohrbauers Wilhelm Herschel - Uranus, die ersten Uranus- und weitere Saturnmonde
Der nächste Meilenstein lautet Wilhelm Herschel. Vielen Leuten ist er vermutlich lediglich als Entdecker des Planeten Uranus (1781) bekannt, eines Planeten, den man bei guter Sehkraft sogar mit blossem Auge sehen kann. Was nach einer gewissen Zufälligkeit aussieht war aber wohlverdient, war Wilhelm Herschel doch während einer Ära der weltbeste Teleskopbauer überhaupt, und würde man Herschel als Entdecker des Uranus reduzieren, so würde das dem Wirken und der Bedeutung dieses herausragenden Astronomen in keinster Weise gerecht. Nachdem man Monde um den Jupiter und den Saturn bedurfte es sicherlich keiner grossen Genialität, auch beim Uranus mit dem weltbesten Teleskop nach Monden zu suchen. Dort wurde er sechs Jahre später auch fündig und entdeckte im Jahre 1787 die beiden grössten Uranusmonde Titania und Oberon, zudem entdeckte er zwei Jahre später im Jahre 1789 auch die beiden Saturnmonde Mimas und Enceladus. Zwar glaubte Herschel, vier weitere sehr schwer erkennbare Uranusmonde entdeckt zu haben, doch konnte niemand diese Beobachtungen prüfen, weil nur er über ein so leistungsstarkes Teleskop verfügte.

Erst 60 Jahre später gelang mit der nächsten Generation Fernrohre von William Lassell der Nachweis, dass es diese vier sehr schwachen Uranusmonde nicht gibt. - Wir befinden uns nun zeitlich gut 10 Jahre vor der Entdeckung der ersten Planetoiden unseres Sonnensystems.


4. Die Jahre 1846-1851: William Lassell – grosser Neptunmond Triton und mit 2 Ausnahmen Abschluss der Entdeckung aller regulären (Gross-)Monde
60 Jahre später … - wir gelangen nun in die Neuzeit und schreiben das Jahr 1846: das Jahr der Entdeckung des Planeten Neptun nach Berechnungen aus den Bahnstörungen des Planeten Uranus durch den französischen Mathematikers Urbain Le Verrier vom deutschen Astronomen Johann Gottfried Galle. Zu dieser Zeit waren auch schon immerhin 5 Planetoiden bekannt, die Ceres, Pallas, Juno, Vesta sowie die nur 1 Jahr zuvor entdeckte Astraea (nicht zu verwechseln mit dem Jupitermond Adastrea), so dass der Neptun damals als 13.Planet geführt wurde. Nur 17 Tage (Tage, nicht Jahre !) nach seiner Entdeckung wurde auch der grosse Neptunmond Triton von William Lassell, dem nun weltweit besten Fernrohrbauer, entdeckt. Ein Jahr später entdeckte er den Saturnmond Hyperion, gab aber diese Entdeckung nicht rechtzeitig bekannt, so dass andere Astronomen der Entdeckerruhm zuteil wurde, dafür entdeckte er nochmals 3 Jahre später im Jahre 1851 zwei weitere Uranusmonde, nämlich Ariel und Umbriel, und konnte dabei auch nachweisen, dass Herschels vier schwache Uranusmonde nicht existierten.

Damit ist der nächste grosse Meilenstein erreicht: im Jahre 1851 waren mit Ausnahme je eines inneren Uranus- und Neptunmondes alle regulären (Gross-)Monde unseres Sonnensystems entdeckt.


5. Die Jahre 1877-1892: Marsmonde Phobos und Deimos sowie Entdeckung des ersten regulären Kleinmondes, des 5.Jupitermondes Amalthea
Die nächsten Mondentdeckungen erfolgten gut 25 Jahre später im Jahre 1877, als die Entdeckung der schon lange vermuteten Marsmonde Phobos und Deimos gelang, zweier kleiner Monde, die jedoch mit 12 km und 20 km Durchmesser sehr viel kleiner als die bis anhin entdeckten Monde waren, die mindestens 350 km Durchmesser erreichen. Da die Erde einen und der Jupiter vier Monde hat vermutete mancher Gelehrter, dass der dazwischenliegende Planet Mars zwei Monde haben sollte; dass diese dann aber so klein ausfallen würden hatte man wohl nicht erwartet.

Nur wenige Jahre später wurde im Jahre 1892 mit der Amalthea ein fünfter Jupitermond entdeckt, mit knapp 200 km Durchmesser zwar sehr viel grösser als die beiden zuvor entdeckten Marsmonde, aber doch kleiner als alle anderen bekannten Monde unseres Sonnensystems.


6. Mondentdeckungen ab dem Jahre 1899: die Ära der irregulären Monde
Betrafen alle bisherigen Mondentdeckungen Trabanten, die verhältnismässig nahe an ihrem Mutterplaneten stehen und sogenannte "kalte" oder wenigstens "kühle" Umlaufbahnen haben, so sollte nun ein völlig neuer Typ Monde in den Fokus der Entdecker gelangen, ein Typ Monde, der die überwältigende Mehrheit aller Monde unseres Sonnensystems bildet und auf hochgeneigten Bahnen bis fast 60° (prograd) oder -60° (retrograd) ihre Mutterplaneten umlaufen, die sich weiter von ihrem Mutterplaneten entfernen können als der innerste Planet Merkur von der Sonne entfernt ist.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Frank » 2. Feb 2021, 19:33

Hier noch zur Ergänzung, da die Seite sehr viele tolle Bilder zu den Monden liefert.
Allerdings ist bei mir ab Metis eine Größe erreicht(unter 100 Km) wo ich mich weigere von Monden zu sprechen.
Bei Phobos und Deimos hört es dann ganz auf. Für mich ist der Mars ohne Monde.......

https://astrokramkiste.de/monde
Mit freundlichen Grüßen

Frank

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Diagnostiker » 2. Feb 2021, 19:40

@ Frank

Dann hat der Mars eben Möndchen. ;)

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Frank » 2. Feb 2021, 19:59

Diagnostiker hat geschrieben:
2. Feb 2021, 19:40
@ Frank

Dann hat der Mars eben Möndchen. ;)
Nicht mal das....... :lol: :beer:
Mit freundlichen Grüßen

Frank

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Diagnostiker » 2. Feb 2021, 20:13

Mondileinchen?

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 2. Feb 2021, 20:21

Frank hat geschrieben:
2. Feb 2021, 19:33
Bei Phobos und Deimos hört es dann ganz auf. Für mich ist der Mars ohne Monde.......
Hallo Frank,

vielleich twollen wir uns das mal ein bisschen anders anschauen: nehmen wir für den Moment an, der kleinere der beiden, also Deimos, sei ein Jupitermond. Der Jupiter hätte dann 80 Monde.

Nicht nachschauen: auf welchem Platz bezüglich des Durchmessers würdest Du Deimos vermuten ?

(1) schlechteste 10%, also Platz 73/80
(2) schlechteste 20%, also Platz 65/80
(3) bester der zweiten Hälfte, also Platz 41/80
(4) "best of the rest" ohne erstes Viertel, also Platz 21/80
(5) irgendwo zwischen Platz 16/80 und 20/80
(6) irgendwo zwischen Platz 11/80 und 15/80
(7) who the f...is Ganymed - Deimos for No.1 !


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Herr5Senf » 2. Feb 2021, 21:42

Beim Jupiter weit weg im "Chaos" lassen sich mit der heutigen Optik ;look Monde ab 800 m Durchmesser entdecken.
Die IAO vergibt Namen an Monde erst ab 1 km Durchmesser, eine andere einschlägige Definition für Monde gibt es nicht.
Vera-Rubin könnte ab 2022 vermutete 600 Mondileinchen aufspüren.

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Frank » 3. Feb 2021, 11:19

Herr5Senf hat geschrieben:
2. Feb 2021, 21:42
Beim Jupiter weit weg im "Chaos" lassen sich mit der heutigen Optik ;look Monde ab 800 m Durchmesser entdecken.
Die IAO vergibt Namen an Monde erst ab 1 km Durchmesser, eine andere einschlägige Definition für Monde gibt es nicht.
Vera-Rubin könnte ab 2022 vermutete 600 Mondileinchen aufspüren.
Ich muss nicht mit jedem Brocken im Sonnensystem per du sein ;j
Mit freundlichen Grüßen

Frank

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Feb 2021, 12:24

Frank hat geschrieben:
3. Feb 2021, 11:19
Herr5Senf hat geschrieben:
2. Feb 2021, 21:42
Beim Jupiter weit weg im "Chaos" lassen sich mit der heutigen Optik ;look Monde ab 800 m Durchmesser entdecken.
Die IAO vergibt Namen an Monde erst ab 1 km Durchmesser, eine andere einschlägige Definition für Monde gibt es nicht.
Vera-Rubin könnte ab 2022 vermutete 600 Mondileinchen aufspüren.
Ich muss nicht mit jedem Brocken im Sonnensystem per du sein ;j
Hallo zusammen,

tatsächlich stossen wir hier an ein weiteres Problem: diese Monde werden entdeckt, bestätigt und gehen dann wieder verloren.

Ein neues grösseres Projekt mit besseren Instrumenten hat dann die grosse "Ehre", diese verlorenen Monde wieder zu entdecken und mit den damals entdeckten Monden zu identifizieren, was aufgrund der starken Bahnstörungen der irregulären Monde in denen Apojovum-Bereich durch die Sonne alles andere als einfach ist.

Das Problem ist übrigens nicht neu, ich erlaube mir, aus der immer wieder sehr lesenswerten Arbeit "The Satellites of Jupiter" aus dem Jahre 1939 von Seth B. Nicholson, dem Entdecker von 4 irregulären Jupitermonden, zu zitieren:
Satellites VIII and IX are so far from Jupiter that their motions are greatly disturbed by the gravitational attraction of the sun and their paths around Jupiter are far from closed curves. The computation of their positions is therefore a difficult task and it has been necessary to observe them frequently to prevent their being lost.

Wer übrigens nur die Grossen mag kommt auch auf seine Kosten, denn auf den ersten 4 Seiten zitiert er die Notizen und Skizzen Galileo Galileis, die er ins Englische übersetzt hat.

Und vielleicht hat man dann noch Lust, doch weiter zu lesen ... - wobei meine Begeisterung nicht von dieser Arbeit motiviert wurde, sie gehört aber sicherlich zu den astronomischen Arbeiten, die ich ohne jedes Wenn und Aber zur Lektüre empfehle.


Eine kleine Anekdote zum letzten Gedanken dieser Arbeit:
Many have asked what the new satellites are to be named. They will be known only by the numbers X and XI, written in Roman numerals, and usually prefixed by the letter J to identify them with Jupiter. The four satellites discovered by Galileo were once named but they are more commonly referred to as satellites I, II, III, and IV than by their names, Io, Europa, Ganymede, and Callisto. The satellites of Mars, Saturn, Uranus, and Neptune all have names, although the name of Neptune’s satellite, Triton, is not generally used. When Barnard discovered the fifth satellite of Jupiter many names were proposed for it but none was adopted. Barnard thought that, since the names of the four bright satellites were so little used, the new satellite should simply be called the Fifth Satellite. His suggestion was followed and a similar custom has prevailed for all those discovered since. This is a very convenient custom, especially since so many have been found, which makes it possible to foretell the name of the next, if another should be discovered. It will be J XII.
Was Seth Nicholson damals nicht wissen konnte: er war auch der Entdecker von J XII, der heute "Ananke" heisst.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Feb 2021, 16:32

Hallo zusammen,

wollen wir an die Entdeckung des fünften Jupitermondes Amalthea im Jahre 1892 anknüpfen. Wir schreiben nun das Jahr 1899.

Man kennt aktuell:
1 Erdmond
2 Marsmonde
5 Jupitermonde
8 Saturnmonde
4 Uranusmonde
1 Neptunmond


Nach Auswertung von Fotoplatten wurde, was an sich keine grosse Überraschung mehr sein konnte, im Jahre 1899 ein weiterer Saturnmond gefunden, er war der erste per Fotoplatte gefundene Mond unseres Sonnensystems. Bis dahin war man der Ansicht, dass das geübte menschliche Auge der Fotoplatte weit überlegen sei.

Der neue Mond erhielt den Namen Phoebe und nach genauerer Analyse seiner Bahn wurde klar, dass er sich weit vom Saturn weg bewegen kann - bis zu über 40-fachem Mondabstand - und dass seine Umlaufbahn retrograd ist, das bedeutet, dass sie rückläufig ist und sich somit andersherum als die übrigen Saturnmonde bewegt. Nach dem grossen Neptunmond Triton war somit ein zweiter Mond im Sonnensystem gefunden, der nicht wie die Planeten und die regulären Monde eine prograde Umlaufbahn aufweist.

Da man den grossen Neptunmond Triton trotz seiner retrograden Bahn aufgrund seiner grossen Nähe zu seinem Mutterplaneten - Triton ist vom Neptun ungefähr gleich weit entfernt wie der Erdmond von der Erde entfernt ist, nicht zu den irregulären Monden zählt, ist die Phoebe mit gut 200 km Durchmessern der zweitgrösste bekannte irreguläre Mond unseres Sonnensystems. Der grösste bekannte irreguläre Mond unseres Sonnensystems - ich greife hier einige Jahrzehnte vor - ist der zweitentdeckte Neptunmond Nereide; sie ist aber fast doppelt so gross und sie ist möglicherweise ein während des Einfangs vom Triton nach aussen geschleuderter ehemaliger regulärer Mond des Neptun. Dafür spricht auch die sehr hohe Exzentrizität seiner Umlaufbahn, die die höchste eines Mondes in unserem Sonnensystem ist, sowie der Umstand, dass die Nereide der irreguläre Mond ist, der am nächsten an seinen Mutterplaneten gelangt.

In der folgenden Darstellung folge ich der üblichen Konvention, dass Triton trotz seiner retrograden Umlaufbahn aufgrund seiner Nähe zum Neptun kein irregulärer Mond ist, aber dass Nereide ein irregulärer Mond ist.


Fünf Jahre später wurde im Jahre 1904 auch ein weiterer Jupitermond entdeckt, das war die Himalia (J VI, früher auch Hestia). Auch ihre Umlaufbahn reicht weit vom Jupiter weg, wie beim irregulären Saturnmond Phoebe ebenfalls gut 40-mal weiter als der Erdmond von der Erde entfernt ist, ist aber im Gegensatz zur Umlaufbahn der Phoebe prograd. Wenige Tage nach der Entdeckung gelang es auch, die Himalia direkt zu beobachten. Der zweitentdeckte irreguläre Mond unseres Sonnensystems ist etwas kleiner als die Phoebe und der drittgrösste bekannte irreguläre Mond unseres Sonnensystems.

Was gar nicht selten in der Astronomie passiert: bei der Überprüfung der Negative der Fotoplatten, die die Himalia zeigen, wurde ein Jahr später im Jahre 1905 ein weiterer Jupitermond entdeckt, das war die Elara (J VII, früher auch Hera). Sie ist etwa halb so gross und damit immerhin der grösste zweitgrösste irreguläre Mond unseres Sonnensystems, somit also der fünftgrösste irreguläre Mond unseres Sonnensystems. Die Bestimmung ihrer Umlaufahn gestaltete sich als sehr schwierig und lange Zeit wusste man nicht, ob sie prograd oder retrograd war, wobei die übrigen Bahnparameter ihrer Umlaufbahn denjenigen der Himalia verblüffend ähnlich waren. Ich zitiere den Entdecker der beiden Monde, den US-amerikanischen Astronomen Charles Dillon Perrine, hierzu:
Like the sixth satellite, the orbit of the seventh is inclined at an angle of about 30° to the plane of Jupiter’s equator. The direction of motion, however, appears to be opposite to that of the sixth (and the five inner satellites). Should this prove to be the case, these two bodies will form an extremely interesting pair; for in that case their orbit-planes almost coincide in space.

The disturbing action of the Sun on these two satellites will be very great.
Nun, diese Annahme hat sich nicht bestätigt, was aber der Interessantheit dieses Paares keinen Abbruch tat und auch der Grund war, warum ich in meiner Kindheit mit solchen Monden nicht klarkam: sie haben fast dieselbe Umlaufbahn und heutzutage vermutet man, dass sie einen gemeinsamen Ursprung haben. Und für die Wissenschaft war natürlich der Umstand von grossem Interesse, dass in ihren jupiterfernsten Punkten der Schwerkraft-Einfluss der Sonne nicht mehr vernachlässigbar war.

Das wurde noch "schlimmer", als drei Jahre später im Jahre 1908 ein weiterer Mond des Jupiter entdeckt wurde, etwas kleiner als die Elara, aber mit einer weit vom Jupiter weg hinausführenden Bahn, im entferntesten Punkt fast 100x weiter vom Jupiter entfernt als der Mond von der Erde entfernt ist, das ist ungefähr halber Merkurabstand von der Sonne. Das war die Pasiphae (J VIII, früher Poseidon) und ihre Umlaufbahn ist wie diejenige von Triton und der Phoebe retrograd, d.h. die Pasiphae war der dritte bekannte Mond unseres Sonnensystems mit retrograder Umlaufbahn. Auch Pasiphae gehört zu den Top 10 irregulärer Monde unseres Sonnensystems.

Diese drei Monde beinhalten 93% der Masse aller irregulären Jupitermonde, wobei 80% auf die Himalia, 10% auf die Elara und 3% auf die Pasiphae entfallen.


Sechs Jahre später wurde im Jahre 1914 ein weiterer irregulärer Jupitermond entdeckt, der die Mond-Entdeckungen zu Beginn des 20.Jahrhunderts abschloss, das war die Sinope (J IX, früher Hades). Sie ist knapp 2/3 so gross wie die Pasiphae und ihre Bahn verläuft sehr ähnlich wie die Bahn der Pasiphae. Erneut zwei Monde, die fast dieselbe Umlaufbahn haben und möglicherweise einen gemeinsamen Ursprung haben. Zumindest beim Jupiter hat es den Anschein, dass irreguläre Monde in Gruppen vorkommen und bis ins Jahr 1914 kannte man zwei solcher Gruppen: eine innere prograde Gruppe mit der Himalia und der Elara sowie eine äussere, über doppelt so weit entfernte retrograde Gruppe mit der Pasiphae und der Sinope. Die Sinope hat ungefähr ein Viertel der Masse der Pasiphae.


Es ist übrigens kein Zufall, dass der Name der beiden ersten Geliebten des Jupiters mit einem -"a" endet und der Name der beiden nachgenannten Geliebten mit einem -"e", denn die seit 1975 gültige Konvention sieht vor, dass prograde irreguläre Jupitermonde nach einer Geliebten Zeus’ benannt werden, deren Name mit einem -"a" endet, und retrograde irreguläre Jupitermonde nach einer Geliebten Zeus’ benannt werden, deren Name mit einem -"e" endet.


Ich fasse zusammen:
Ab dem Jahre 1899 sind die meisten Mondentdeckungen in unserem Sonnensystem solche irregulärer Monde und im Zeitraum zwischen 1899 und 1914 wurden ausschliesslich irreguläre Monde unseres Sonnensystems entdeckt. Der erste von ihnen war die Phoebe im Jahre 1899, sie ist gut 200 km gross und hat eine retrograde Umlaufbahn.

In den folgenden Jahren wurden auch vier irreguläre Jupitermonde entdeckt, zwei von ihnen, die Himalia und die Elara, auf einer prograden Umlaufbahn, und zwei von ihnen, die Pasiphae und die Sinope, auf einer doppelt so weit entfernten retrograden Umlaufbahn, fast hundertmal weiter entfernt als der Erdmond von der Erde entfernt ist und etwa doppelt so weit entfernt wie die Phoebe vom Saturn entfernt ist.

Alle diese 5 Monde haben übrigens Umlaufbahnen, die ungefähr 30° (prograd) bzw. -30° (retrograd) gegen die Äquatorialebene ihres Mutterplaneten geneigt sind.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Herr5Senf » 3. Feb 2021, 19:25

eine etwas verworrene Diskussion bei unseren Nachbarn Entfernungsgrenze eines Mondes von seinem Planeten
https://www.raumfahrer.net/forum/smf/in ... #msg501187

kann man da was helfen?

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Feb 2021, 20:03

Herr5Senf hat geschrieben:
3. Feb 2021, 19:25
kann man da was helfen?
Hallo Herr Senf,

vielleicht hilft ein Abschnitt der Wikipedia-Seite über den Marsmond Phobos weiter:
Die Bahnebene von Phobos ist nur 1,08° gegen die Äquatorebene seines Planeten geneigt. Im Unterschied zu Deimos liegt die Umlaufbahn von Phobos innerhalb der für die Gezeitenkräfte kritischen Roche-Grenze des Mars und nähert sich dem Planeten immer mehr. Der Abstand reduziert sich in einem Jahrhundert um 1,8 Meter, so dass der Trabant in etwa 50 Millionen Jahren abstürzen würde. Es wird jedoch vermutet, dass er durch die immer stärker werdenden Gezeitenkräfte vorher auseinanderbricht und einen Ring um den Planeten bilden wird, wie die Ringe um Saturn.
:wn:

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Feb 2021, 22:39

ralfkannenberg hat geschrieben:
3. Feb 2021, 16:32
Nach Auswertung von Fotoplatten wurde, was an sich keine grosse Überraschung mehr sein konnte, im Jahre 1899 ein weiterer Saturnmond gefunden, er war der erste per Fotoplatte gefundene Mond unseres Sonnensystems. Bis dahin war man der Ansicht, dass das geübte menschliche Auge der Fotoplatte weit überlegen sei.

Der neue Mond erhielt den Namen Phoebe und nach genauerer Analyse seiner Bahn wurde klar, dass er sich weit vom Saturn weg bewegen kann - bis zu über 40-fachem Mondabstand - und dass seine Umlaufbahn retrograd ist, das bedeutet, dass sie rückläufig ist und sich somit andersherum als die übrigen Saturnmonde bewegt.
Hallo zusammen,

der neunte Saturnmond Phoebe wurde vom US-amerikanischen Astronomen William Henry Pickering entdeckt, und im Jahre 1905 wurde er mit dem Lalande-Preis geehrt.

In der Laudatio wird die Verleihung wie folgt begründet:
Professor W. H. Pickering, of the University Observatory, has been awarded the Lalande prize by the academy of Science in Paris. This prize is for the discovery of the ninth and tenth satellites of Saturn. Professor Pickering discovered the former in 1898, and the latter last march. These were the first satellites ever discovered by means of photography.
Hoppla ... - "dieser Preis ist für die Entdeckung des neunten und zehnten Satelliten des Saturn."

Wenn wir nachschlagen, dann sehen wir, dass der 10. Saturnmond erst im Jahre 1966 vom französischen Astronomen Audouin Charles Dollfus entdeckt wurde und nicht im Jahre 1904 von Professor Pickering.

Was ist denn da schief gelaufen ?

Nun, die älteren von uns werden sich vielleicht noch erinnern, dass in den Tabellen mit den Saturnmonden in den Astronomiebüchern unserer Kindheit auch ein 10.Mond namens Themis aufgeführt war. Auf ihrer allerdings geneigten Umlaufbahn hätte Themis die Umlaufbahnen des Titan und von Hyperion gekreuzt, ihr Durchmesser wäre etwas kleiner als derjenige der Phoebe gewesen.

Allerdings ist es nicht gelungen, die Themis je wiederzufinden, dennoch hielt sie sich noch lange Zeit hartnäckig in den astronomischen Lehrbüchern als 10. Saturnmond. Zumindest war dieser Mond, den es gar nicht gibt, daran beteiligt, dass ihr Entdecker mit dem Lalande-Preis geehrt wurde.


Noch ein kleines Detail: die Entdeckung erfolgt ja früher als die Bekanntgabe der Entdeckung. In der Regel wird aber als Entdeckungsjahr das Jahr genannt, in welchem die Entdeckung veröffentlicht wurde.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 4. Feb 2021, 11:59

Hallo zusammen,

nun schreiben wir das Jahr 1914.

Man kennt aktuell:
1 Erdmond
2 Marsmonde
9 Jupitermonde
9 Saturnmonde - damals glaubte man, noch einen 10.Mond Themis zu kennen
4 Uranusmonde
1 Neptunmond


Erneut vergingen über zwei Jahrzehnte, ehe die nächsten Mondentdeckungen gelangen. Es waren dies die letzte Mondentdeckungen vor Beginn der Raumfahrt-Ära, wobei die ersten 4 Mondentdeckungen während der Raumfahrt-Ära ebenfalls klassisch gelangen.

Begeben wir uns ins Jahr 1938, das ist 8 Jahre nach der Entdeckung des damals als Planet kategorisierten Pluto, da wurden zwei weitere irreguläre Jupitermonde entdeckt, nämlich die Lysithea (J X, früher Demeter) sowie die Carme (J XI, früher Pan). Die Lysithea ist knapp 40 km gross und gehört zur inneren und prograden Himalia-/Elara-Gruppe und die Carme ist 45 km gross und gehört zur äusseren und retrograden Pasiphae-Gruppe und ist deren zweitgrösstes Mitglied. Neuen Untersuchungen zufolge bildet die Carme eine eigene Untergruppe zur Pasiphae-Gruppe. - Beide Monde wurden wie auch schon die Sinope 24 Jahre zuvor von Seth Nicholson entdeckt. Der frühere Name "Pan" der Carme wird heute für einen kleinen inneren regulären Saturnmond verwendet.

Zehn und elf Jahre später gelangen dem niederländischen Astronomen Gerard Kuiper, nach dem auch der Kuipergürtel, das ist der äussere Planetoidengürtel unseres Sonnensystems, benannt ist, zwei bedeutsame Mondentdeckungen: zunächst entdeckte er im Jahre 1948 den letzten von der Erde aus entdeckbaren regulären (Gross-)Mond unseres Sonnensystems, das ist der Uranusmond Miranda.

Und im Jahre 1949 entdeckte er den bereits erwähnten grössten irregulären Mond unseres Sonnensystems, das ist der nach dem Triton, der aufgrund seiner Nähe zum Neptun nicht zu den irregulären Monden gerechnet wird, zweitentdeckte Neptunmond Nereide. Die Nereide umläuft die Sonne übrigens auf einer prograden Umlaufbahn. Allerdings gibt es Zweifel, ob die Nereide tatsächlich ein irregulärer Mond ist: sie ist grösser als die anderen irregulären Monde und ihre Bahn ist nur geringfügig zur Äquatorialebene des Neptun geneigt. Zudem ist die sehr hohe Exzentrizität ihrer Umlaufbahn die höchste eines Mondes in unserem Sonnensystem, gleichzeitig ist die Nereide der irreguläre Mond, der am nächsten an seinen Mutterplaneten heran gelangt. Möglicherweise ist sie ein während des Einfangs vom Triton nach aussen geschleuderter ehemaliger regulärer Mond des Neptun.

Nochmals 3 Jahre später gelang erneut Seth Nicholson im Jahre 1951 die Entdeckung eines zwölften Jupitermondes, nämlich der Ananke (J XII, früher Adastrea); sie ist mit gut 30 km Durchmesser etwas kleiner als die Sinope und gehört ebenfalls zur Pasiphae-Gruppe, wo sie neben der Carme eine weitere eigene Untergruppe bildet. Der Name "Adastrea" wird heute für einen inneren regulären Kleinmond des Jupiters verwendet.


Werfen wir nun kurz einen Blick auf die zu Beginn der Raumfahrt-Ära bekannten 12 Jupitermonde:
Die Jupitermonde I bis IV, also Io, Europa, Ganymed und Kallisto, sind die vier grossen im Feldstecher beobachtbaren galileischen Jupitermonde. Innerhalb der Bahn von Io befindet sich der viel kleinere fünfte Jupitermond Amalthea. Die übrigen 7 Monde sind irreguläre Monde, von denen 3 zur inneren prograden Himalia-/Elara-Gruppe gehören und 4 zur äusseren retrograden Pasiphae-Gruppe. Als Kind wusste ich das nicht und konnte keine Ordnung in diese 7 Jupitermonde bringen, obgleich die Ordnung mit den beiden Gruppen eigentlich ganz einfach ist.

Bitte beachtet, dass ich in Abweichung zur Konvention die Himalia-Gruppe als "Himalia-/Elara-Gruppe" bezeichne; das mache ich deswegen, weil die beiden namensgebenden Monde Himalia und Pasiphae sowie die Elara zusammen 93% der Masse aller irregulären Jupitermonde einnehmen, mit der Himalia 80%, der Elara 10% und der Pasiphae 3%.


Das waren also die bekannten Monde unseres Sonnensystems, als ich als Kind mich erstmals mit ihnen beschäftigt habe. Es sind auch gerade die Monde, die vor Beginn der Raumfahrt-Ära entdeckt waren.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Frank » 4. Feb 2021, 12:58

Jetzt muss ich mich aber im Namen aller bedanken, für deine Mühe die du hier machst. :sup:
Mit freundlichen Grüßen

Frank

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 5. Feb 2021, 00:37

Frank hat geschrieben:
4. Feb 2021, 12:58
Jetzt muss ich mich aber im Namen aller bedanken, für deine Mühe die du hier machst. :sup:
Hallo Frank,

bis jetzt war es erst ein Spiel, d.h. die nahrhaften Sachen kommen erst noch. Ich will das aber mundgerecht servieren, damit es verdaulich bleibt.

In meinem nächsten Beitrag gibt es nach langer Zeit wieder einen Mond, der über 1000 km gross ist, sowie einen, der zu aller Überraschung aus zwei co-orbitalen Monden besteht. Dann noch zwei weitere irreguläre Monde, beide um den Jupiter, und als Extra-Bonbon drei weitere reguläre Kleinmonde, die von den Voyager-Sonden bei ihrem Vorbeiflug am Jupiter entdeckt wurden. Die von Dir verschmähte Metis ist da auch dabei.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 5. Feb 2021, 00:49

Hallo zusammen,

nun schreiben wir das Jahr 1966.

Man kennt aktuell:
1 Erdmond
2 Marsmonde
12 Jupitermonde
9 Saturnmonde
5 Uranusmonde
2 Neptunmonde


Das war auch die Situation, die sich mir in meiner Kindheit darstellte. Seit der letzten Mondentdeckung waren 15 Jahre vergangen und die Welt verfolgte mit Spannung seit fast 10 Jahren die ersten Raumsonden und Astronauten und Kosmonauten, und es würden nur noch 3 Jahre bis zur ersten Mondlandung vergehen. Allerdings waren die Raumsonden zu dieser Zeit noch nicht so fortgeschritten, dass ihnen bereits Mondentdeckungen gelungen wären, so dass die ersten 4 Mondentdeckungen während der Raumfahrt-Ära ebenfalls klassisch gelangen.

Aus sowohl didaktischen als auch aus persönlichen Gründen werde ich auch die ersten drei durch ein Raumschiff entdeckten Monde in diesem Beitrag vorstellen, zum einen passen sie zeitlich sehr gut in diese Darstellung und zum anderen kann dann den unübersichtlichen Mondentdeckungen durch die beiden Voyager-Sonden beim Saturn, Uranus und Neptun, die ebenso wie beim Jupiter ohnehin ausschliesslich reguläre Kleinmonde betreffen, ein eigener Beitrag gewidmet werden. Des Weiteren werde ich eine Mondentdeckung aus dem Jahre 1977 ebenfalls erst in diesem nachfolgenden Beitrag ansprechen, weil diese im Jahre 1977 erst eine Vermutung war, die dann durch die Voyager-Sonden bestätigt werden konnte.

Somit werde ich in diesem Beitrag 7 Mondentdeckungen vorstellen, von denen aber nur 2 irreguläre Monde betreffen. Dafür gibt es auch einen Mond zu bestaunen, der die grösste Mondentdeckung seit dem Jahr 1846, als der grosse Neptunmond Triton entdeckt wurde, war. Ok, die beiden 5 Jahre später entdeckten Uranusmonde Ariel und Umbriel sind praktisch gleich gross, aber seitdem war kein so grosser Mond mehr in unserem Sonnensystem entdeckt worden.


Die Astronomen hatten sich nun langsam damit abgefunden, dass es den 10.Saturnmond Themis nicht gibt, als im Jahre 1966 ein weiterer Saturnmond entdeckt wurde, dessen Bahn innerhalb derjenigen von Mimas verläuft. Wie der fünfte Jupitermond Amalthea innerhalb der Io-Bahn handelt es sich bei diesem Mond, der den Namen Janus erhielt, ebenfalls um einen regulären Kleinmond. Janus ist geringfügig grösser als die Amalthea und der zweitgrösste bekannte reguläre Kleinmond unseres Sonnensystems. Allerdings hatte dieser Mond sehr ungewöhnliche Bahneigenschaften und eine Analyse im Jahre 1977 ergab, dass sich diese seltsamen Bahneigenschaften am besten dadurch erklären liessen, dass sich auf dessen Bahn nicht nur ein Mond, sondern derer zwei so genannte co-orbitale Monde befinden, eine Vermutung, die beim drei Jahre später erfolgten Vorbeiflug der Voyager-Sonden bestätigt werden konnte. Welcher aber bei den seit 1966 erfolgten Beobachtungen welcher war lässt sich heutzutage nicht mehr eruieren.

Als nächstes wurden zwei weitere irreguläre Jupitermonde entdeckt: im Jahre 1974 entdeckte der US-amerikanische Astronom Charles T. Kowal zunächst die Leda, mit gut 20 km Durchmesser etwas kleiner als die Ananke, sowie ein Jahr später im Jahre 1975 die Themisto, die mit fast 10 km Durchmesser fast so gross wie der kleinere Marsmond Deimos ist. Leider ging die Themisto wieder verloren, wurde aber im Jahre 2000 wiederentdeckt. - Die Leda gehört wie die 1938 entdeckte Lysithea zur Himalia-/Elara-Gruppe und die Themisto bildet eine eigene etwas näher umlaufende prograde Gruppe irregulärer Jupitermonde.

Die Analyse des co-orbitalen Partnermondes vom Saturnmond Janus überspringen wir nun ebenso wie die Entdeckung des ersten Zentauren Chiron, beides im Jahre 1977, wurde doch nur ein Jahr später im Jahre 1978 der grosse Plutomond Charon entdeckt, der wie die Saturnmonde Tethys und Dione sowie die Uranusmonde Ariel und Umbriel etwa 1200 km Durchmesser hat und das Ende der Planetenschaft des heutigen Zwergplaneten Pluto einläutete, da man anhand der Umlaufzeit von Charon auf die Masse vom Pluto schliessen konnte. Der grosse Plutomond Charon ist somit etwa ein Drittel so gross wie der Erdmond und erst im Jahre 2005 konnte wieder ein vergleichbar grosser, etwas kleinerer Mond um den damals noch als 10.Planeten vorgeschlagenen heutigen Zwergplaneten Eris entdeckt werden.

Während Janus, Leda, Themisto und Charon allesamt klassisch entdeckt wurden, erfolgten die drei nächsten Mondentdeckungen ein Jahr später im Jahre 1979 bei den Vorbeiflügen der Voyager-Sonden am Jupiter. Dabei stellte sich heraus, dass sich innerhalb der Io-Bahn ausser der Amalthea noch 3 weitere reguläre Kleinmonde aufhalten, von denen einer, die Thebe, immerhin rund 100 km gross ist und sich ausserhalb der Amalthea bewegt. Metis, immerhin fast 50 km gross, ist der innerste der vier bekannten regulären Kleinmonde des Jupiters, und die Adastrea ist mit gut 16 km Durchmesser etwa ein Drittel so gross, ihre Bahn verläuft nur geringfügig ausserhalb derer der Metis.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 8. Feb 2021, 00:47

Hallo zusammen,

nun schreiben wir das Jahr 1979.

Man kennt aktuell:
1 Erdmond
2 Marsmonde
17 Jupitermonde
10 Saturnmonde
5 Uranusmonde
2 Neptunmonde
1 Plutomond

Somit sind nun 38 Monde um Planeten bekannt, der Pluto galt damals ja noch als Planet.

Ich habe bewusst den "Cut" in das Jahr 1979 gelegt, obwohl er eigentlich besser ins Jahr 1978 gepasst hätte, dann hätten wir sauber die Prä-Voyager-Ära abgedeckt, andererseits haben die Vorbeiflüge am Jupiter "nur" 3 kleine Geschwisterchen der Amalthea, allesamt ebenfalls innerhalb der Io-Bahn, hervorgebracht, so dass es mir didaktisch sinnvoller scheint, diese drei Entdeckungen regulärer Kleinmonde zeitlich vorzuziehen.

Natürlich haben die Vorbeiflüge am Jupiter viel mehr hervorgebracht und zumindest aus meiner persönlichen Sicht eine völlig unerwartete Farbenpracht und Vielfalt der vier grossen Galilei’schen Jupitermonde zutage gefördert, mit der überhaupt nicht hatte gerechnet werden können.

Die Vorüberflüge am Saturn, am Uranus und am Neptun sowie weitere bodengestützte Beobachtungen werden zwischen 1980 und 1990 noch 24 weitere Mondentdeckungen zutage fördern, so dass die Zahl der bekannten Monde in so kurzer Zeit von 38 Monden um 24 Monde auf 62 Monde ansteigen wird. Allerdings sind diese 24 Mondentdeckungen in der Zeit von 1980 bis 1989 insofern themenfremd, als dass es sich nicht um irreguläre Monde handelt, sondern um einen den letzten noch ausstehenden regulären (Gross-)Mond sowie im Wesentlichen um reguläre Kleinmonde, die man noch ein bisschen besser kategorisieren kann.


Wir wollen noch nochmals die bis im Jahr 1979 bekannten Monde Review passieren lassen.

1. Erde
Der Erdmond ist weder ein regulärer noch ein irregulärer Mond, sondern man vermutet heutzutage, dass er ein Kollisionsmond ist, der aus der Kollision zweier Proto-Erden, also lange bevor es die "heutige" Erde gab, entstanden ist.


2. Mars
Der Mars hat zwei Monde Phobos und Deimos, die allerdings sehr klein sind. Man wird später auch zwei vergleichbar grosse bzw. kleine Monde um den Planetoiden (87) Sylvia finden und es ist naheliegend, dass es sich in beiden Fällen um eingefangene Planetoiden handelt. Aufgrund ihrer Nähe zum Mutterkörper, d.h. zum Mars bzw. zur Sylvia, haben diese Monde aufgrund der starken Gezeitenkräfte nur sehr gering geneigte Bahnen sehr geringer Exzentrizität, also "kalte" Umlaufbahnen. Müsste ich sie klassifizieren würde ich sie am ehesten den regulären Kleinmonden zuordnen.

Geradezu wie ein Witz mutet es an, dass der Entdecker des ersten Sylvia-Mondes ein wohlbekannter Astronom ist, nämlich Mike Brown, der Entdecker aller >1000 km grossen Planetoiden im Kuipergürtel mit Ausnahme des schon 1930 entdeckten früheren Planeten Pluto, dafür ist er auch der Entdecker der Eris, des früheren kurzzeitigen 10.Planeten. Derzeit hat sich Mike Brown einen Namen gemacht, weil er zusammen mit einem Forscherkollegen einen "Planeten Neun" vorhergesagt hat, der 10-20 Mal weiter von der Sonne entfernt sein soll als der Neptun.


3. Jupiter
Am bekanntesten sind die vier grossen Galilei’schen Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto, von denen die beiden ersten etwa so gross wie der Erdmond und die beiden äusseren etwa so gross wie der Planet Merkur sind. Io und Europa haben sich innerhalb der stabilen Eislinie gebildet und sind deswegen Monde sehr hoher Dichte und ähnlich aufgebaut wie erdähnliche Planeten. Die vier grossen Galilei’schen Jupitermonde kann man im Feldstecher beobachten.

Um Missverständnissen vorzubeugen: die Europa gilt in manchen populärwissenschaftlichen Darstellungen wegen ihres Eispanzers und ihres grossen vermuteten Ozeans aus flüssigem Wasser unter ihrer Oberfläche als Paradebeispiel für einen Eismond; sie ist aber ebenso wie Io von ihrer Zusammensetzung her wie ein erdähnlicher Planet aufgebaut.

Innerhalb der Io-Bahn wurde im Jahre 1892 ein fünfter Jupitermond entdeckt, der aber sehr viel kleiner ist und ein regulärer Kleinmond ist. Beim Vorüberflug der Voyager-Sonden am Jupiter im Jahre 1979 wurden drei weitere solche Monde entdeckt, nämlich Metis und Adastrea innerhalb und Thebe ausserhalb der Amaltheabahn.

Die übrigen im Jahre 1979 bekannten Jupitermonde sind irreguläre Kleinmonde, die sich drei Gruppen zuordnen lassen. Die Himalia, Elara, Lysithea und Leda gehören zur prograden Himalia-Elara-Gruppe und die Pasiphae, Sinope, Carme und Ananke zur äusseren retrograden Pasiphae-Gruppe. Innerhalb der Himalia-Elara-Gruppe wurde auch noch ein Vertreter einer weiteren prograden Gruppe entdeckt, das ist die Themisto, die jedoch verloren gegangen ist und im Jahr 2000 wiederentdeckt wurde.

Die drei grössten irregulären Jupitermonde Himalia, Elara und Pasiphae enthalten 93% der Masse aller irregulären Jupitermonde, wobei 80% auf die Himalia, 10% auf die Elara und 3% auf die Pasiphae entfallen. Diese drei irregulären Jupitermonde gehören zu den 10 grössten irregulären Monden unseres Sonnensystems, die man bis zum Jahr 2004 entdeckt haben wird.


4. Saturn
Der grösste Saturnmond Titan ist grösser als der Merkur und fast so gross wie der Jupitermond Ganymed, allerdings haben beide Monde weniger Masse als der viel dichtere Merkur. Als einziger Mond unseres Sonnensystems ist der Titan von einer dichten, undurchsichtigen Atmosphäre umgeben, weswegen manche Autoren der Meinung sind, dass hier geeignete Bedingungen für Leben, welches auf anderen Grundlagen als das uns bekannte Leben aufgebaut ist, vorherrschen könnten. Allerdings sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es auf dem Titan etwa -180°C kalt ist.

Vier weitere Saturnmonde können mit einem Amateurfernrohr beobachtet werden, dass sind die Rhea und Japetus sowie die Tethys und die Dione. Die vier Gailiei’schen Jupitermonde sowie die Saturnmonde Titan und Rhea, Japetus sowie Tethys und Dione sind die einzige Monde unseres Sonnensystems, die mit einem Amateurfernrohr beobachtet werden können und es überrascht nicht, dass sie auch die zuerst entdeckten Monde sind und ab dem Jahre 1684 bekannt waren.

Der innerste im Jahre 1979 bekannte Mond ist Janus, der zweitgrösste bekannte reguläre Kleinmond unseres Sonnensystems, geringfügig grösser als der fünft-entdeckte Jupitermond Amalthea. Janus’ seltsame Bahneigenschaften konnten im Jahre 1977 dadurch erklärt werden, dass hier zwei co-orbitale Monde sich dieselben beiden Umlaufbahnen teilen, eine These, die ein drei Jahre später beim Vorüberflug der Voyager-Sonden bestätigt werden konnte. Die Saturnmonde Mimas, Enceladus, Tethys, Dione, Rhea, Titan, Hyperion und Japetus sind die regulären Monde des Saturn, wobei die Rolle der Hyperion umstritten und wohl noch unverstanden ist. Zudem kennt man seit 1895 auch schon den irregulären Saturnmond Phoebe, die ihren Mutterplaneten in grossem Abstand umläuft.

Besonders erwähnenswert ist der zweite reguläre (Gross-)Mond des Saturn, die etwa 500 km grosse Enceladus, wird bei ihr doch ähnlich wie beim allerdings über sechsmal grösseren Jupitermond Europa ein grosser Ozean unter ihrer Oberfläche vermutet, der flüssiges Wasser enthalten dürfte. Nahe Vorüberflüge von Raumsonden konnten Geysir-artige Ausbrüche fotografieren.


5. Uranus
Der Uranus ist doppelt so weit von der Erde entfernt wie der Saturn, das ist viermal so weit wie der Jupiter. In dieser Entfernung stehen reguläre Monde von der Erde aus gesehen sehr nahe am Mutterplaneten und sind gar nicht einfach zu beobachten und insbesondere Amateurastronominnen und Amateurastronomen nicht zugänglich. Die im Jahre 1979 bekannten 5 Uranusmonde sind ausnahmslos reguläre Monde, nämlich Miranda, Ariel, Umbriel, Titania und Oberon. Reguläre Kleinmonde kann man in Uranusentfernung nur mit Sonden-Vorbeiflügen oder mit dem Hubble Weltraumteleskp entdecken, oder evtl. auch bei einer Sternentdeckung. Die Rotationsachse des Uranus ist um über 90° geneigt, so dass der Uranus auf seiner Bahn gewissermassen "rollt", auch das Mondsystem ist um denselben Wert geneigt.

Dass man bis ins Jahr 1979 beim Uranus als einzigem der Gasplaneten keine irregulären Monde gefunden hatte führten einige Forscherinnen und Forscher darauf zurück, dass der vermutete Einschlag eines grossen Körpers, der die Uranusachse so sehr stark geneigt hat, zur Folge hatte, dass der Uranus keine irregulären Monde hat. Tatsächlich bedurfte es der Entwicklung und des Einsatzes der neuen CCD-Sensoren-Technologie, um im Gegenteil herauszufinden, dass der Uranus ganz ähnlich wie der Jupiter sogar über ein reiches System vergleichbar grosser irregulärer Monde verfügt. Deren Entdeckungsgeschichte und die zugrundeliegende Methodik wird eines der Hauptthemen dieses Threads sein, wenn wir in den Jahren 1997 und 1999 angekommen sein werden. Es wäre schade, jetzt schon vorgreifen zu wollen. Nur soviel: in der Liste der grössten irregulären Monde unseres Sonnensystems werden wir auf den Plätzen 4 und 6 zwei irreguläre Uranusmonde kennenlernen.


6. Neptun
Der Neptun ist noch weiter entfernt als der Uranus und bis ins Jahr 1979 waren erst zwei Neptunmonde bekannt, nämlich der grosse eingefangene Neptunmond Triton, der grösser als die beiden Zwergplaneten Pluto und Eris das derzeit grösste bekannte Mitglied des Kuipergürtels ist. Triton ist der mit Abstand grösste bekannte retrograde Mond unseres Sonnensystems. Triton ist einer der wenigen geologisch aktiven Monde unseres Sonnensystems, die anderen sind die beiden inneren Galilei’schen Jupitermonde Io und Europa sowie die beiden Saturnmonde Enceladus und Titan.

Der andere im Jahre 1979 bekannte Neptunmond ist der grösste bekannte irreguläre Mond unseres Sonnensystems, das ist die Nereide. Allerdings ist umstritten, ob sie wirklich ein eingefangener Planetoid ist oder ein beim Einfang des Triton ein in die äusseren Bereiche des Neptun’schen Mondsystems heraus geschleuderter ehemaliger regulärer Neptunmond. Neben ihrer Grösse spricht auch die für irreguläre Monde nicht typische Umlaufbahn der Nereide für diese These.


7. Pluto
Der erst ein Jahr zuvor entdeckte Plutomond Charon ist eher ein Doppelplanet denn ein Mond und tatsächlich liegt beim Pluto-Charon-System der gemeinsame Schwerpunkt ausserhalb des Mutterkörpers. Man vermutet, dass Pluto und Charon in der Frühzeit des Sonnensystems eine nicht allzu heftige Kollision erlitten und seitdem gemeinsam um die Sonne wandern.


Freundliche Grüsse, Ralf


EDIT 8.2.2021, 09:56 Uhr: Ergänzungen/Korrekturen angebracht
EDIT 14.2.2021, 00:21 Uhr: Ergänzungen/Korrekturen angebracht
Zuletzt geändert von ralfkannenberg am 14. Feb 2021, 00:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 9. Feb 2021, 13:40

Hallo zusammen,

bis ins Jahr 1979 war die Situation der Monde in unserem Sonnensystem ja noch halbwegs überschaubar und auch übersichtlich, daran haben auch die Entdeckungen der Voyager-Sonden bei ihren Vorbeiflügen am Jupiter nichts geändert.

Doch ab ihren Vorbeiflügen am Saturn, am Uranus und am Neptun ist die Anzahl bekannter Monde innert rund 10 Jahren sprunghaft in die Höhe geschnellt, wobei kein einziger irregulärer Mond entdeckt werden konnte. Das hängt übrigens damit zusammen, dass sich irreguläre Monde weit von ihrem Mutterplaneten entfernt befinden, und zwar in Bereichen, in denen Raumsonden nicht vorbeifliegen und quasi auf Verdacht nach ihnen "suchen" können.

In dieser Zeit wurden also der letzte noch nicht entdeckte reguläre (Gross-)Mond entdeckt sowie 23 reguläre Kleinmonde. Wäre dies ein Thread über reguläre Kleinmonde unseres Sonnensystems, so wäre diese Zeit zweifelsohne als die goldene Entdeckerzeit dieser Monde zu bezeichnen, in diesem Thread jedoch sind sie themenfremd und werden deswegen nur sehr oberflächlich vorgestellt, mit dem primären Fokus, ein besseres Verständnis der Situation der Planetenmonde in unserem Sonnensystem zu erhalten, aber nicht mit dem Fokus, jeden einzelnen von ihnen vorzustellen.


In diesem Beitrag stelle ich die Neuentdeckungen am Planeten Saturn im Jahre 1980 vor.

So wurden beim Vorüberflug der Voyager-Sonden im Jahre 1980 nur 3 Monde entdeckt, die sich allesamt innerhalb der Janus-Bahn aufhalten; ein vierter von wurde bei der Auswertung der Datenfülle übersehen und konnte erst 10 Jahre später nach erdgebundenen Beobachtungen auf Voyager-Aufnahmen gefunden werden. Diese Monde haben Durchmesser zwischen 30 und 90 km. Bei diesen Monden handelt es sich um sogenannte "Schäferhundmonde" (Wikipedia: Schäfermonde), weil sie sich in den Bereichen der Ringe aufhalten und dort eine quasi ordnende Rolle einnehmen. Von innen nach aussen sind das die Monde Atlas, Prometheus und Pandora.

Zudem wurde der co-orbitale Partnermond des Janus nachgewiesen, dieser bekam den Namen Epimetheus und ist immerhin fast 120 km gross. Man kann zeigen, dass diese beiden Monde nie zusammenstossen, denn wenn einer der Monde sich auf der etwas tieferen und schnelleren Bahn von hinten dem anderen nähert, so bremst er ihn geringfügig ab und wird selber von ihm beschleunigt, so dass er auf die geringfügig obere Bahn gerät, während der abgebremste Mond nun auf de geringfügig tiefere Bahn gerät.

Zudem wurden von der Erde aus gesehen drei sogenannte Lagrange-Monde entdeckt, das sind Monde, die sich analog zu den Trojanern bei der Jupiterbahn 60° voraus oder 60° zurück um den Hauptkörper ihrer Umlaufbahn in stabilen Lagrange-Punkten aufhalten. Das allgemeine Dreikörper-Problem ist analytisch nicht lösbar, was auch zur Folge hat, dass die Bahnen der irregulären Monde regelmässig überprüft werden müssen, solange die Abweichungen noch klein sind, weil sie in ihren äusseren Bahnbereichen so stark den Schwerkrafteinflüssen der Sonne ausgesetzt sind, dass diese nicht mehr vernachlässigt werden können. Es gibt aber Spezialfälle, in denen das Dreikörper-Problem lösbar sind, beispielsweise in den Lagrange-Punkten, und zwei dieser Punkte befinden sich 60° vorlaufend zum Hauptkörper der Umlaufbahn sowie 60° hinterherlaufend zur Umlaufbahn des Hauptkörpers. Erstaunlicherweise sind es die beiden mittelgrossen regulären Monde Tethys und Dione, also Saturn III und Saturn IV, die solche Lagrange-Monde aufweisen, und im Jahre 1980 wurde zunächst einer von ihnen vorlaufend zur Dione und dann je einer von ihnen vorlaufend und rücklaufend zu Tethys gefunden. Diese Monde heissen Helene, Telesto und Calypso und haben 20 bis 40 km Durchmesser. Im Jahre 2004 wurde noch ein weiterer solcher Lagrange-Mond gefunden, dieser ist rücklaufend zur Dione, allerdings deutlich kleiner und nur wenige Kilometer gross.


Zusammenfassung:
Somit wurden im Jahr 1980 vier Schäferhundmonde mit Durchmessern zwischen 30 und 90 km gefunden, von denen einer aber erst 10 Jahre später als solcher erkannt wurde, das ist übrigens der durchaus "prominente" Raviolimond Pan, seine Umlaufbahn liegt etwas innerhalb der anderen drei. Ein fünfter aber deutlich kleinerer etwa 8 km grosser Mond wurde 25 Jahre später beim Vorbeiflug der Raumsonde Cassini entdeckt, das ist der Mond Daphnis, ihre Umlaufbahn verläuft zwischen derjenigen von Pan und Atlas.

Zudem erfolgte die Bestätigung, dass Janus tatsächlich einen co-orbitalen Partner hat, das ist der ungefähr 120 km grosse Mond Epimetheus. Er ist der grösste der im Jahre 1980 neu entdeckten Saturnmonde.

Und zudem konnten noch drei Lagrange-Monde auf den Umlaufbahnen von Tethys und Dione entdeckt werden, das sind Monde, die 60° vorauslaufend oder 60° hinterherlaufend sind, und man kann zeigen, dass deren Umlaufbahnen als exakte Speziallösungen des Dreikörper-Problems ebenfalls stabile Umlaufbahnen sind. Sie haben 20 bis 40 km Durchmesser; ein vierter aber deutlich kleinerer etwa 2.5 km grosser Mond wurde 24 Jahre später beim Vorbeiflug der Raumsonde Cassini entdeckt, das ist der Mond Polydeuces.


Bei all’ diesen Grössenangaben ist zu beachten, dass sich Eiskörper unter 400 km Durchmesser nicht im hydrostatischen Gleichgewicht befinden, d.h. dass ihre Masse nicht ausreichend ist, um sie aufgrund ihrer Schwerkraft in eine Kugelform zu zwingen. Entsprechend sind die Durchmesserangaben Durchschnittswerte, es gibt auch Achsen, die länger sind. Die regulären Monde indes sind grösser und befinden sich im hydrostatischen Gleichgewicht, wobei das ein Zufall ist, d.h. das Kriterium, ob ein regulärer (Gross-)Mond oder ein regulärer Kleinmond vorliegt, ist nicht das hydrostatische Gleichgewicht.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 11. Feb 2021, 14:11

Hallo zusammen,

obwohl es noch einige weitere reguläre Kleinmonde des Saturn gibt, die erst bei der Cassini-Mission 24 und 27 Jahre später von der Cassini-Raumsonde entdeckt werden werden – allesamt kleiner als 10 km im Durchmesser und mit Umlaufbahnen nicht innerhalb, sondern zwischen den beiden innersten regulären (Gross-)Monden Mimas und Enceladus des Saturn, werden wir uns jetzt nicht mit ihnen beschäftigen, sondern folgen der Voyager 2-Sonde nun weiter auf seiner Planeten-Reise. Der Voyager 1 ist am Saturn "abgebogen" und besuchte nach seinem Vorbeiflug am Saturn somit keine weiteren Planeten mehr.

Nun schreiben wir das Jahr 1980 und befinden uns zeitlich nach dem Vorbeiflug der beiden Voyager-Sonden am Saturn.

Man kennt aktuell:
1 Erdmond
2 Marsmonde
17 Jupitermonde
17 Saturnmonde
5 Uranusmonde
2 Neptunmonde
1 Plutomond

Somit sind nun 45 Monde um Planeten bekannt, der Pluto galt damals ja noch als Planet. Zwar gab es auf den Voyager-Aufnahmen des Saturn noch einen weiteren Mond, doch wurde dieser erst 10 Jahre später als solcher erkannt.

Im Jahre 1980 ergaben sich also 7 Mondentdeckungen am Planeten Saturn.

Drei Jahre später wurde bei einer Sternbedeckung zufällig ein dritter Neptunmond entdeckt, das ist die Larissa, der grösste reguläre Kleinmond unseres Sonnensystems.


Der Voyager 2 flog vom Saturn dann weiter zum Uranus, den er im Januar 1986 wenige Tage vor dem Unglück der Space Shuttle Challenger erreichte. Dort wurden dann 10 weitere Monde unseres Sonnensystems entdeckt, ausnahmslos reguläre Kleinmonde innerhalb der Miranda-Bahn, des innersten regulären (Gross-)Mondes des Uranus.

Der grösste von ihnen heisst Puck und wurde bereits am 30.Dezember 1985 beim Anflug auf den Uranus entdeckt. Er gehört zu den sechs grössten regulären Kleinmonden unseres Sonnensystems, die allesamt ungefähr 160 km gross sind und zu denen auch der fünfte Jupitermond Amalthea, der zehnte Saturnmond Janus sowie der 3 Jahre zuvor bei einer Sternbedeckung entdeckte Neptunmond Larissa gehören.

Der zweitgrösste der neu entdeckten Monde ist die nur 5 Tage später beim Anflug auf den Uranus entdeckte Portia, mit einem Durchmesser von etwa 135 km ist sie ebenfalls über 100 km gross und etwas grösser als Epimetheus, der co-orbitale Mond vom Saturnmond Janus.


Wie kann man nun diese 10 neuen Monde einer Leserschaft vorstellen, ohne dass wir eine langatmige Auflistung kleiner Monde erhalten ? Ich habe hierfür an eine Bundestagswahl gedacht, und stelle nun zunächst einmal diejenigen Monde vor, die bezüglich der Masse aller reguläre Kleinmonde des Uranus die 5%-Hürde nehmen.

Bei den irregulären Jupitermonden haben wir gesehen, dass 93% ihrer Gesamtmasse auf die drei grössten von ihnen entfallen; bei den regulären Kleinmonden des Uranus ist das nun etwas ausgewogener. Die beiden bereits vorgestellten Monde erlangen knapp 43.7% (Puck) und 25.6% (Portia).

Während Puck alleine in seiner Region ist, ist die Portia Mitglied einer ganzen Gruppe von Monden, deren Umlaufbahnen innerhalb derjenigen von Puck verlaufen, so dass sie sich also passende Koalitionspartner suchen kann. Reicht es für die Mehrheit ?

Der drittgrösste irreguläre Kleinmond des Uranus ist die Julia, deren Umlaufbahn nur wenig innerhalb derjenigen der Portia verläuft und die auch der nächst innere Uranusmond ist; mit fast 100 km Durchmesser trägt sie weitere gut 8.4% der Masse bei. Die Portia und die Julia wurden am selben Tag entdeckt. Die beiden haben zusammen 34% der Masse.

Zwischen den Umlaufbahnen der Portia und von Puck befindet sich die Belinda, mit ungefähr 90 km Durchmesser der viertgrösste irreguläre Kleinmond des Uranus, auch sie wird der Portia-Gruppe zugerechnet und wurde 10 Tage später entdeckt. Die Belinda trägt weitere fast 7.4% der Masse bei. Somit liegen wir schon bei 41.4%. Ob das reichen wird ?

Der fünftgrösste irreguläre Kleinmond des Uranus ist 80 km gross und schafft gerade noch die 5%-Hürde; das ist die Cressida, sie trägt gut 5.1% der Masse bei und ihre Umlaufbahn liegt innerhalb derjenigen der Juliet. Somit kommt die Portia-Gruppe auf 46.5% der Masse und erreicht damit die Mehrheit. Nun müsste man noch in unserem fiktiven "Uranus-reguläre-Kleinmonde-Parlament" die Sitze ausrechnen und dann könnte man feststellen, ob es auch für die absolute Mehrheit reicht. Die Cressida wurde sechs Tage nach der Portia und der Julia und vier Tage vor der etwas grösseren Belinda entdeckt.


Beim Anflug auf den Uranus wurden somit zwischen dem 30.Januar 1985 und dem 13.Januar 1986 fünf reguläre Kleinmonde des Uranus entdeckt, nämlich Puck und die Portia sowie Julia, Belinda und kurz zuvor schon die Cressida.

Nicht immer werden die Monde in der Reihenfolge ihrer Grösse entdeckt; so wurden am selben Tag wie die Belinda am 13.Januar 1986 auch der sechstgrösste und der siebtgrösste reguläre Kleinmond Rosalind und Desdemona des Uranus entdeckt. Rosalind ist ungefähr 72 km gross und Desdemona ungefähr 65 km.

Die Umlaufbahn der Rosalind verläuft zwischen denjenigen der Portia und der Belinda und die Umlaufbahn der Desdemona weiter innen zwischen denjenigen der Cressida und der Juliet. Rosalind trägt knapp 3.8% und Desdemona gut 2.7% zur Masse bei.


Die nächsten Mondentdeckungen fanden dann eine Woche später statt und betrafen die beiden innersten bekannten Monde des Uranus, nämlich die Cordelia ganz innen und die etwas grössere Ophelia. Beide Monde sind gut 40 km gross. Drei Tage später wurde noch ein etwas grösserer etwa 50 km grosser Mond entdeckt, das ist die Bianca und ihre Umlaufbahn ist die nächst äussere, d.h. zwischen der Ophelia und der Cressida. Diese 3 Monde tragen je rund 1% der Masse aller regulären Kleinmonde des Uranus bei, die Bianca mit 1.4% etwas mehr.


Man kennt heute noch drei weitere reguläre Kleinmonde des Uranus, die aber mit 20-30 km Durchmesser kleiner sind und 15 und 19 Jahre später entdeckt wurden.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Skeltek » 11. Feb 2021, 14:18

Kann man diesen Thread nicht irgendwie oben festtackern? Bin mit den Moderatorfunktionen nicht so vertraut
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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von Diagnostiker » 11. Feb 2021, 14:48

@ Skeltek

Eigentlich ist es eine Artkelserie. Vielleicht kann man sie auf der Hauptseite einbinden?

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Re: Ode auf die irregulären Monde unseres Sonnensystems

Beitrag von ralfkannenberg » 11. Feb 2021, 15:12

Diagnostiker hat geschrieben:
11. Feb 2021, 14:48
Eigentlich ist es eine Artkelserie. Vielleicht kann man sie auf der Hauptseite einbinden?
Hallo zusammen,

das würde ich nicht machen, dafür habe ich das viel zu spontan geschrieben. Zudem müsste es dann redaktionell überarbeitet werden. So ist es einfach nur ein zwangloser Thread, den man bei Interesse lesen kann und in dem man Fragen platzieren kann.

Zudem habe ich mich in den vergangenen Jahren zwar wieder vermehrt mit den Monden unseres Sonnensystems beschäftigt, das hat mir persönlich auch sehr viel gebracht, aber es wäre vermessen, dies zu einem meiner Spezialgebiete erheben zu wollen; diese befinden sich im Kuipergürtel und nicht bei den Planetenmonden.

Zudem bin ich immer noch im "Chronologie-Teil" und der nächste Beitrag über die Mondentdeckungen beim Planeten Neptun während des Vorbeifluges der Voyager 2-Sonde im Jahre 1989 wird auch noch dazu gehören. Wenigstens wird der didaktisch einfacher aufzubauen sein, mit dem letzten noch ausstehenden regulären (Gross-)Mond, drei der sechs grössten regulären Kleinmonde unseres Sonnensystems - ok, die Larissa war schon bei einer Sternentdeckung zufällig entdeckt worden, aber an sich erst im Rahmen des Voyager-Vorbeifluges seriös erkundet worden, und dann nur noch vier zwei weitere Monde, die kurz zu beschreiben sind.

Erst ab dem übernächsten ausführlicheren Beitrag von mir kommen wir dann zum eigentlichen Thema der irregulären Monde unseres Sonnensystems. Der liegt aber noch 11 Jahre in der Zukunft.


Freundliche Grüsse, Ralf


EDIT 12.2.2021, 16:15 Uhr: corrigenda

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