Hinweis auf die DSGVO: Auf unserer Seite werden keine Dritt-Anbieter-Cookies verwendet und nur Daten erfasst, welche für das Minimum an Board-Funktionalität notwendig sind.
Bevor Sie sich registrieren oder das Board verwenden, lesen Sie bitte zusätzlich die DSGVO-Erklärung, welche in der Navigationsleiste verlinkt ist.

Kurzfassung der unserer Meinung nach wichtigsten DSGVO-Punkte:
Es kann vorkommen, dass Benutzer eigenverantwortlich Videos oder sonstige Medien in ihren Beiträgen verlinken, welche beim Aufruf der Forenseite als Teil der Seite samt zugehörigem Material mitgeladen werden. Sollten Sie dies nicht wünschen, verwenden Sie beim Benutzen des Forums einen Blocker wie z.B. uMatrix, welcher das Laden von Inhaltsblöcken von Fremd-URLs effektiv unterbinden kann.
Wir blenden keine Werbung ein und schränken die Inhalte in keinster Weise bei Benutzung von Addblockern ein. Dadurch ist die Grundfunktionalität des Forums auch bei vollständigem Blockieren von Drittanbieter-Inhalten stets gegeben.

Cookies werden unsererseits nur verwendet um das Einloggen des Benutzers für die Dauer der Forenbenutzung zu speichern. Es steht dem Benutzer frei die Option 'Angemeldet bleiben' zu verwenden, damit der Cookie dauerhaft gespeichert bleibt und beim nächsten Besuch kein erneutes Einloggen mehr notwendig ist.
EMail-Adressen werden für Kontakt bei wichtigen Mitteilungen und zur Widerherstellung des Passwortes verwendet. Die verwendeten IPs können von uns ohne externe Hilfsmittel mit keiner realen Person in Verbindung gebracht werden und werden nach spätestens 7 Tagen gelöscht. Diese IPs werden höchstens verwendet um Neuanmeldungen unerwünschter oder gesperrter Nutzer zu identfizieren und zu unterbinden. Wir behalten uns daher vor bei Verdacht, die Frist für die IP-Löschung auf maximal 14 Tage zu verlängern.
Unsere Webseite läuft auf einem virtuellen Linux-Server, welcher von einem externen Anbieter gehostet wird. Etwaige Verstöße der DSGVO-Auflagen seitens dieses deutschen Hosters können wir nicht feststellen und somit auch nicht verfolgen.
Wir halten Backups unserer Datenbanken, welche in regelmäßigen Abständen als Schutz vor Katastrophen, Hackerangriffen und sonstigen Ausfällen erstellt werden. Sollte ein Nutzer die Löschung seiner Daten wünschen, betrachten wir es als Unzumutbar die Backups auch von den Daten zu befreien, da es sich hierbei um eine mehrtägiges Unterfangen handelt - dies ist für eine Einzelperson beim Betrieb eines privaten Forums nicht zumutbar möglich ohne das Backup komplett zu löschen.
Sollten Sie etwas gegen die dauerhafte anonyme Speicherung ihrer EMail-Adresse, ihres Pseudonyms und ihrer Beiträge in einem Backup haben, sehen Sie von der Registrierung in diesem Forum ab. Für Mitglieder, welche vor dem 25.05.2018 registriert waren steht jedoch das Recht im Raum, eine Löschung der Datenbank-Backups zu beantragen.



Wenn dies Ihr erster Besuch hier ist, lesen Sie bitte zunächst die FAQs sowie die wesentlichen Regeln zur Benutzung des Forums.
Um an den Diskussionen teilnehmen zu können, müssen Sie sich zunächst registrieren.

Erdatmosphäre reicht bis zum Mond(Neuer Ansatz für Panspermie?

Galaxien, Sterne, Planeten...
Beobachtungen und Physik der Himmelskörper (außer Schwarzen Löchern)
Benutzeravatar
seeker
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 5821
Registriert: 26. Dez 2009, 10:29

Re: Erdatmosphäre reicht bis zum Mond(Neuer Ansatz für Panspermie?

Beitrag von seeker » 20. Apr 2019, 20:06

ATGC hat geschrieben:
18. Apr 2019, 19:19
Man muss bei solchen Planspielen berücksichtigen, dass eine Wolkenformation weitaus dynamischer ist und in die dritte Dimension hineinwirkt, während eine Meeresküste oder ein Geothermalfeld Gelegenheiten bietet, wo in Ruhe etwas hochwachsen und sich entwickeln kann, bevor die nächste Komplexitätsstufe erreicht wird.
...
Ich denke da eher in "sowohl-als-auch" statt in "entweder-oder".
Ich halte es für plausibel, dass man besser das "Gesamtsystem Erde" mit all seinen komplexen Wechselwirkungen, Kreisläufen und Vorgängen betrachten sollte, um dem Geheimnis der Lebensentstehung auf die Spur zu kommen, statt sich allzu reduktiv nur auf einzelne Subsysteme (wie die Vorgänge in irgendwelchen schlammigen Pfützen oder Küstenstreifen) zu konzentrieren.
Heißt: Wenn man die Atmosphärenprozesse mit einbezieht erhält man vielleicht ein besserer Bild: Vielleicht haben die Tröpfchen-Prozesse auch nicht allein das Leben hervorgebracht, aber einen wichtigen Beitrag geleistet.
Immerhin hat man, wenn man "Tröpfchen-Chemiereaktoren" hat, eine Unzahl mehr an separierten "Reaktionsgefäßen", wo die Natur alles Mögliche in unterschiedlichen Varianten ausprobieren kann, als wenn man nur Küstenstreifen und Pfützen hat.

Interessant ist hier m.E. auch, dass die noch "tote" Urerde insgesamt ein höheres Komplexitätsniveau besessen haben muss als der erste auf dieser Bühne dann entstandene lebendige Organismus. Vielleicht kann man es sogar ungefähr so sehen, dass es an der Stelle eine Art 'Komplexitätstransfer' vom Großen ins Kleine gegeben hat.

Allgemein interessiert mich hier die Uratmosphäre vor 3,5 Mrd Jahren. Soweit ich gefunden habe bestand die damals hauptsächlich aus Wasserdampf und CO2.
Irgendwann ist es kühl genug geworden, sodass ein großer Teil des Wassers auskondensieren konnte und so die Meere bildete. Kurz danach finden wir schon die ersten Lebensspuren*. Zu der Zeit muss es immer noch recht heiß gewesen sein, mit entsprechend viel Wasserdampf in einer daher dichten Atmosphäre und entsprechender Wolkenbildung. Sehr viele Staubpartikel durch sehr starken Vulkanismus dürften noch hinzukommen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass unter diesen Bedingungen irgendwo das Sonnenlicht ungestört bis zum Erdboden durchgedrungen sein kann, eher würde ich hier eine durchgehend dicht geschlossene Staub- und Wolkendecke erwarten, ähnlich wie bei der Venus.
Meine Frage lautet: Wie viel UV kann unter solchen Bedingungen auch nur bis in die tiefere Troposphäre vordringen? Viel kann das doch nicht gewesen sein? Außerdem haben wir noch Helium, Methan, Ammoniak, CO und H2S in der Atmosphäre. Ich kenne nun leider die UV-Absorptionsspektren dieser Moleküle nicht, aber hochtransparent werden die für UV auch nicht sein.

*: Das ist m. E. außerordentlich wichtig. Wie kann das sein? Was kann man daraus schließen?
Ich sehe unter der Voraussetzung, dass das Leben auf der Erde entstanden ist, hauptsächlich zweierlei:
Entweder ist die Chance auf Lebensentstehung sehr viel größer als pessimistische Annahmen nahelegen oder das Zeitfenster dafür ist sehr eng, was dann bedeuten würde "entweder ensteht es gleich oder gar nicht" - und dann hätten wir halt auch da extremes Glück gehabt.
Irgendwo wird mir dabei unwohl, so dermaßen viele richtig verkettete Glücksfälle zu benötigen... Wenn die Wahrscheinlichkeiten irgendwann allzu klein erscheinen, fängt man an darüber nachzudenken, was man evtl. noch gänzlich nicht verstanden oder übersehen hat...
Grüße
seeker


Mache nie eine Theorie zu DEINER Theorie!
Denn tut man das, so verliert man zumindest ein Stück weit seine Unvoreingenommenheit, Objektivität.

Benutzeravatar
ATGC
wohnt hier!
wohnt hier!
Beiträge: 393
Registriert: 13. Jul 2017, 15:33
Wohnort: zu Hause

Re: Erdatmosphäre reicht bis zum Mond(Neuer Ansatz für Panspermie?

Beitrag von ATGC » 27. Apr 2019, 20:10

Hallo seeker,

ich war eine Weile nicht da, so dass ich mich erst jetzt wieder hier einfinde, um auf Deinen Beitrag einzugehen.
Ich denke da eher in "sowohl-als-auch" statt in "entweder-oder".
Das geht mir genauso, aber in Bezug auf das Zusammenfinden der notwendigen Komponenten zu einem funktionierenden Gesamtsystem lege ich mich durchaus auf eine mineralische Unterlage mit periodischen Trocken-Nass-Zyklen fest, da mir alle anderen vorgeschlagenen Alternativen (z.B. submarine Schlote) nicht plausibel genug erscheinen, um die notwendigen Prozesse hin zu einer sich wechselseitigen Stabilisierung als Gesamtsystem bewerkstelligen zu können.
Ich halte es für plausibel, dass man besser das "Gesamtsystem Erde" mit all seinen komplexen Wechselwirkungen, Kreisläufen und Vorgängen betrachten sollte, um dem Geheimnis der Lebensentstehung auf die Spur zu kommen, statt sich allzu reduktiv nur auf einzelne Subsysteme (wie die Vorgänge in irgendwelchen schlammigen Pfützen oder Küstenstreifen) zu konzentrieren.
Die Berücksichtigung des Kontextes steht hierbei außer Frage. Ich weise in diversen Diskussionen ebenfalls stets darauf hin, dass der Kontext den Ausschlag gibt, ob ein bestimmtes Reaktionssystem eine bestimmte Funktion hat oder nicht. Problematisch in Bezug auf die Entstehung des Lebens ist jedoch, dass wir die konkreten Kontexte aus der Beschaffenheit des heutigen Lebens nicht rekonstruieren können. Wir können uns hier nur schwach und ungenau annähern, aber die konkreten Umgebungsbedingungen, die den Ausschlag gegeben haben, ob aus einem chemischen Reaktionssystem ein Organismus wurde oder ob es in Richtung höherer Entropie wieder in seine Subsysteme niedrigerer Komplexität zerfiel, lassen sich nicht mehr bestimmen.
Vielleicht haben die Tröpfchen-Prozesse auch nicht allein das Leben hervorgebracht, aber einen wichtigen Beitrag geleistet.
Das ist möglich, da sich in den Tröpfchen u.a. auch die Bestandteile aus den atmosphärischen Miller-Urey-Rektionen gelöst haben dürften, die wasserlöslich sind - also u.a. auch Aminosäuren, die sich eventuell mit ebenfalls vorhandenen Teer-Klümpchen verbunden haben und somit zugleich mit diesem Material auf die mineralischen Unterlagen der Erdoberfläche gelangt sein konnten (u.a. auf Tonmineralien, die sich als Sediment in ufernahen Gebieten anreicherten).
Immerhin hat man, wenn man "Tröpfchen-Chemiereaktoren" hat ...
Na ja, als "Reaktoren" würde ich die Tröpfchen eher nicht bezeichnen. Passender ist vielleicht "Filtermaterial", weil die wasserlöslichen Bestandteile aus der Atmosphäre herausgefiltert und dann an der Erdoberfläche konzentriert werden, wo sie dann in den "Reaktoren" der Mineralschichten zu größerer Komplexität hochwachsen können und im Zuge des Austausches über diverse Strömungen von Flüssen in Gezeitennähe sich mit anderen Molekülen zu noch komplexeren Gebilden vernetzen konnten, die dann mehr und mehr ortsfest und diverser wurden.
Interessant ist hier m.E. auch, dass die noch "tote" Urerde insgesamt ein höheres Komplexitätsniveau besessen haben muss als der erste auf dieser Bühne dann entstandene lebendige Organismus.
Sagen wir mal so: Die Auswahl an Molekülen und chemischen Reaktionen war global gesehen weitaus reichhaltiger als die, die sich später in einem Organismus vorgefunden hat, aber das Komplexitätsniveau der Urerde war schon deutlich niedriger als das, was man in einem Organismus vorfindet. Was auf der Urerde in die "Breite" verstreut vorlag, musste im Organismus in die "Höhe" sortiert werden - also in die verschiedenen Hierarchieebenen, die sich vertikal rückkoppelten, um das Gesamtsystem stabil zu erhalten. Darin sehe ich den qualitativen Unterschied zum System Urerde, welches solche vertikalen Rückkopplungen - wenn überhaupt - nur lokal und vereinzelt aufwies.

Im Großen und Ganzen stellt die Urerde nur ein Durchlaufsystem dar, wo die Energie der Sonnenstrahlung und die Energie der Erdwärme die Atmosphäre aufheizen, bis sie sich mit dem umgebenden Raum in ein thermisches Gleichgewicht eingepegelt hat. Die dabei stattfindenden chemischen Reaktionen in der Atmosphäre sowie in Hydrosphäre und auf der Erdoberfläche stellen nur Begleiterscheinungen dieses Durchlaufprozesses dar.

Die Biosphäre als Ganzes ist zwar ebenfalls nur eine Begleiterscheinung dieses Prozesses, aber die in der Biosphäre vorhandenen und sie konstituierenden Organismen stellen - jedes für sich und alle gemeinsam in ihren ökologischen Beziehungen - eine Form von Rückkopplungen dar, die gewisse Entscheidungsspielräume zulässt (am augenfälligsten bei den Tieren, aber schon Mikroben sind nicht einfach nur passiv vor sich hintreibende "Reaktoren", sondern aktiv auf Umweltreize reagierende "Wesen", die den Umgebungsbedingungen nicht vollends "hilflos" ausgeliefert sind).

Solche Entscheidungsspielräume fehlen auf der Urerde als Ganzes, daher scheint mir die Überlegung nicht recht passend zu sein, dass das "Komplexitätsniveau" größer gewesen sei, wenn damit lediglich die Vielfalt an Auswahlmöglichkeiten gemeint ist, auf deren Basis sich die biologische Evolution entwickeln und entfalten konnte, indem sie zu einer begrenzten Auswahl führte, die sich dann als biochemische Grundausstattung der Organismen etablierte.
Allgemein interessiert mich hier die Uratmosphäre vor 3,5 Mrd Jahren.
Ich würde sogar noch weiter zurückgehen. Erste vage Hinweise, dass es bereits vor über 4 Milliarden Jahren auf der Erde flüssiges Wasser gegeben hat, eröffnen ein größeres Zeitfenster, wo etwas hätte hochwachsen können, was dann später das LHB überdauert hat. Eventuell war die Atmosphäre damals noch stärker reduzierend - zumindest waren die Bedingungen auf der Urerde damals stärker reduzierend, weil infolge des stärkeren Meteoritenflusses die Kraterböden mit vulkanischen Aktivitäten versehen sein dürften, was dann wieder stärker reduzierende Gase und Lösungen an die Reaktionsräume heranbrachte, in denen sich die Miller-Urey-Produkte anreicherten.
Kurz danach finden wir schon die ersten Lebensspuren*.
Wobei die nach wie vor alles andere als sicher sind. Aber selbst wenn - das belegt, dass das Leben frühzeitig entstanden ist, was bedeuten könnte, dass es später nicht mehr hätte entstehen können, weil sich ab einer bestimmten Zeit nicht mehr die nötigen reduzierenden Bedingungen hätten einstellen können, die man für die Produktion von Aminosäuren und anderen "potenten" Molekülen benötigt.
Wie viel UV kann unter solchen Bedingungen auch nur bis in die tiefere Troposphäre vordringen?
Na ja, die oberen Wolkenschichten dürften mit UV gesättigt worden sein. Je tiefer man kommt, um so "trüber" wird es - aber eben auch um so heißer, falls die Erdoberfläche noch nicht kühl genug geworden ist. Ich habe da aber jetzt auch kein Zahlenmaterial zur Verfügung, wie tief der UV-Eintrag gereicht haben mag. Vielleicht finde ich anderswo noch mal etwas.
Entweder ist die Chance auf Lebensentstehung sehr viel größer als pessimistische Annahmen nahelegen oder das Zeitfenster dafür ist sehr eng, was dann bedeuten würde "entweder entsteht es gleich oder gar nicht" - und dann hätten wir halt auch da extremes Glück gehabt.
Oder auch beides: Die Chance der spontanen Lebensentstehung unter den vorgefundenen Bedingungen auf der Urerde ist hoch und das Zeitfenster ist eng, so dass im Effekt eine seltene Lebensentstehung resultiert.

Oder aber: Die Chance ist gering und das Zeitfenster ist eng, was den selben Effekt nach sich zieht.

Ebenso dies: Die Chance ist gering und das Zeitfenster ist weit, so dass Leben nur selten entsteht.

Man sieht das Problem: Man kann aus dem Einzelfall Erde keine validen Schlussfolgerungen ziehen, was die Entstehungswahrscheinlichkeit von Leben betrifft, und aus der Beschaffenheit des Lebens sowie seiner molekularen Grundbausteine lassen sich keine Schlussfolgerungen ableiten, die sich für die Bestimmung bzw. Abschätzung der Entstehungswahrscheinlichkeit des Lebens verwerten ließen.
Wenn die Wahrscheinlichkeiten irgendwann allzu klein erscheinen, fängt man an darüber nachzudenken, was man evtl. noch gänzlich nicht verstanden oder übersehen hat ...
Ja, und dann landet man bei den konkreten Kontexten, die zu einem konkreten Zusammenwirken konkreter Prozesse mit konkreten Molekülen geführt haben, die wir jedoch rückblickend nicht mehr rekonstruieren können, so dass wir hier in einer prinzipiell gegebenen Ungewissheit stecken bleiben.

Viele Grüße!

Benutzeravatar
seeker
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 5821
Registriert: 26. Dez 2009, 10:29

Re: Erdatmosphäre reicht bis zum Mond(Neuer Ansatz für Panspermie?

Beitrag von seeker » 7. Mai 2019, 13:23

ATGC hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:10
Das geht mir genauso, aber in Bezug auf das Zusammenfinden der notwendigen Komponenten zu einem funktionierenden Gesamtsystem lege ich mich durchaus auf eine mineralische Unterlage mit periodischen Trocken-Nass-Zyklen fest, da mir alle anderen vorgeschlagenen Alternativen (z.B. submarine Schlote) nicht plausibel genug erscheinen, um die notwendigen Prozesse hin zu einer sich wechselseitigen Stabilisierung als Gesamtsystem bewerkstelligen zu können.
Vielleicht ist das aber immer noch zu einfach gedacht. Mineralische Unterlagen mit periodischen Trocken-Nass-Zyklen sind keine abgeschlossenen Systeme, dürfen sie nicht sein. Und es reicht evtl. nicht aus sich alle anderen Prozesse auf der damaligen Erde, insbesondere die Kreisläufe, als reine "Grundmateriallieferanten" für das o.g. Substrat vorzustellen. Auch auf schon höheren Komplexitätsniveaus könnte das "rechte Verzahnen" hier wichtig sein.
Es könnte z.B. Kreisläufe vom Schlamm in die Atmosphäre und wieder zurück gegeben haben, vielleicht auch in die nächste "Brutstätte" und umgekehrt und auch auf vielerlei anderen Wegen.
Und die Sache mit den Tröpfchen im Wasser (Koazervate) ist auch eine interessante, auch wenn das wieder etwas anderes ist:
https://www.mpi-cbg.de/de/presse/presse ... rotocells/
ATGC hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:10
Das ist möglich, da sich in den Tröpfchen u.a. auch die Bestandteile aus den atmosphärischen Miller-Urey-Rektionen gelöst haben dürften, die wasserlöslich sind - also u.a. auch Aminosäuren, die sich eventuell mit ebenfalls vorhandenen Teer-Klümpchen verbunden haben und somit zugleich mit diesem Material auf die mineralischen Unterlagen der Erdoberfläche gelangt sein konnten (u.a. auf Tonmineralien, die sich als Sediment in ufernahen Gebieten anreicherten).
Ja. Nur ist das evtl. nicht die ganze Geschichte (s.o.).
ATGC hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:10
Interessant ist hier m.E. auch, dass die noch "tote" Urerde insgesamt ein höheres Komplexitätsniveau besessen haben muss als der erste auf dieser Bühne dann entstandene lebendige Organismus.
Sagen wir mal so: Die Auswahl an Molekülen und chemischen Reaktionen war global gesehen weitaus reichhaltiger als die, die sich später in einem Organismus vorgefunden hat, aber das Komplexitätsniveau der Urerde war schon deutlich niedriger als das, was man in einem Organismus vorfindet. Was auf der Urerde in die "Breite" verstreut vorlag, musste im Organismus in die "Höhe" sortiert werden - also in die verschiedenen Hierarchieebenen, die sich vertikal rückkoppelten, um das Gesamtsystem stabil zu erhalten. Darin sehe ich den qualitativen Unterschied zum System Urerde, welches solche vertikalen Rückkopplungen - wenn überhaupt - nur lokal und vereinzelt aufwies.
Ich denke da nicht so sehr nur in Chemie, ich denke in komplex verschachtelten Prozessen, auch teilweise physikalisch-mechanische Prozesse und Kontexte. Der Punkt ist: Das Eine kann sich prinzipiell im Anderen sozusagen abbilden. Wenn du z.B. eine komplexe Chemie-Apparatur aufbaust, dann sind die Moleküle und chemischen Prozesse (die können auch zyklisch-rückgekoppelt sein), die darin am Ende enstehen in gewisser Weise eine Abbildung des Gesamtapparates bzw. Gesamtprozesses + Setting, darin liegt sozusagen eine Art "Strukturübertragung". In der Richtung denke ich jedenfalls nach, weil mir das als eine vielleicht interessante Sichtweise erscheint.
ATGC hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:10
Im Großen und Ganzen stellt die Urerde nur ein Durchlaufsystem dar, wo die Energie der Sonnenstrahlung und die Energie der Erdwärme die Atmosphäre aufheizen, bis sie sich mit dem umgebenden Raum in ein thermisches Gleichgewicht eingepegelt hat. Die dabei stattfindenden chemischen Reaktionen in der Atmosphäre sowie in Hydrosphäre und auf der Erdoberfläche stellen nur Begleiterscheinungen dieses Durchlaufprozesses dar.
Ja. Aber das ist hier nicht der Punkt. Das ist nur die Grundvoraussetzung im "ganz großen Bild". Die verschlungenen Details darin sind zweifellos entscheidend.
ATGC hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:10
Solche Entscheidungsspielräume fehlen auf der Urerde als Ganzes, daher scheint mir die Überlegung nicht recht passend zu sein, dass das "Komplexitätsniveau" größer gewesen sei, wenn damit lediglich die Vielfalt an Auswahlmöglichkeiten gemeint ist, auf deren Basis sich die biologische Evolution entwickeln und entfalten konnte, indem sie zu einer begrenzten Auswahl führte, die sich dann als biochemische Grundausstattung der Organismen etablierte.
Ja, in der Form wie beim Leben ist/war das sicher nicht der Fall. In den Details und teilweise, sozusagen als Vorstufen solcher Reaktionsfähigkeit, ist das aber m. E. plausibel: Viele ineinandergreifende, tief verschlungene Prozesse und Kreisläufe, die durchaus aufeinender reagieren und sich wechselseitig beeinflussen, viele davon sensitiv-deterministisch-chaotische Systeme (solche Systeme sind oft Strukturbildner). Wenn man sich dabei eine damals noch tote Urerde vorstellt, dann kann man schon erahnen, dass selbst so eine Erde ohne Biosphäre, insgesamt, mit all ihrer Unzahl an miteinander teil-verbundenen Kreisläufen/Prozessen eine ungeheuer komplexe Bühne dargestellt haben muss.
Und s.o.: Vielleicht hat sich dabei einfach auch etwas sozusagen "von oben nach unten abgebildet", das meiste davon sicher Müll, ja, aber dann kam vielleicht irgendwann der entscheidende Zufallstreffer, der so gesehen gar kein reiner Zufall war.
Ich weiß nicht, ob das so war und wie man das genau erforschen muss, aber wie gesagt denke ich in der Richtung nach.
ATGC hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:10
Man sieht das Problem: Man kann aus dem Einzelfall Erde keine validen Schlussfolgerungen ziehen,
Ja. Zumindest noch nicht, man bräuchte mehr Fälle zum Vergleich (-> Weltraumforschung, ...). Aber immerhin kann man sich doch wundern... und manchmal ist so eine Spur dann auch die richtige.
ATGC hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:10
Ja, und dann landet man bei den konkreten Kontexten, die zu einem konkreten Zusammenwirken konkreter Prozesse mit konkreten Molekülen geführt haben, die wir jedoch rückblickend nicht mehr rekonstruieren können, so dass wir hier in einer prinzipiell gegebenen Ungewissheit stecken bleiben.
Sagen wir mal so: Ja. Dennoch dürfen wir schon noch hoffen auch hier immer wieder mal noch kleine Schritte voran zu kommen. Vielleicht findet man auch eines Tages einen plausiblen (zur Urerde passenden) Weg im Labor Leben komplett aus toter Materie zu erzeugen. Damit wäre nicht nachgewiesen, dass es bei uns so war, klar. Aber immerhin wäre damit ein Weg gezeigt, wie es gewesen sein könnte. Vielleicht erhalten wir auch eines Tages die notwendigen Vergleichsdaten aus der Weltraumforschung. Das kann noch lange dauern, ja, aber ganz unmöglich ist auch das nicht.
Aus der Komplexitätsforschung erhoffe ich mir auch neue Einsichten.
Grüße
seeker


Mache nie eine Theorie zu DEINER Theorie!
Denn tut man das, so verliert man zumindest ein Stück weit seine Unvoreingenommenheit, Objektivität.

Antworten