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Vor 15 Jahren: Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten im Sonnensystem

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ralfkannenberg
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Vor 15 Jahren: Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten im Sonnensystem

Beitrag von ralfkannenberg » 15. Sep 2020, 12:56

Hallo zusammen,

vor wenigen Tagen jährte sich am 30.August die Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten in unserem Sonnensystem:

Discovery of a planetary-sized object in the scattered Kuiper belt (M.E. Brown, C.A. Trujillo, D.L. Rabinowitz

Seit der Entdeckung der ersten Kuipergürtel-Planetoiden (KBO) im Jahre 1992 wurden immer mehr von denen entdeckt, solche mit immer weiter hinaus tragenden Umlaufbahnen sowie immer grössere Exemplare. Zur Jahrtausendwende kannte man zwei KBO (Varuna und Ixion), die sogar grösser als der zweitgrösste zu diesem Zeitpunkt bekannte Planetoid waren und ...


... im Jahre 2002 gelang mit der Entdeckung des Quaoar erstmals die Entdeckung eines Planetoiden, welcher grösser als der bis anhin grösste und zuerst entdeckte Planetoid Ceres war. Der US-amerikanische Astronom hatte sich zum Ziel gesetzt, einen weiteren Planeten "Xena" im Sonnensystem zu finden und führte zu diesem Zweck eine systematische Himmelsdurchmusterung durch, wie man sie letztmals in den 1920'iger und 1930'iger Jahren getätigt hatte, welche damals nebst zahlreichen weiteren Entdeckung auch zur Entdeckung des 9.Planeten Pluto geführt hatte. Der Grund für diese gross angelegte Suche waren Bahnstörungen des Planeten Uranus, die durch die Entdeckung des Planeten Neptun im Jahre 1846 nicht vollständig hatten behoben werden können.

Aus diesem Grunde gab es immer wieder Versuche, einen weiteren "zehnten" Planeten im Sonnensystem aufzuspüren, der den Namen Transpluto hatte und in den Astronomiebüchern meiner Kindheit auch Erwähnung fand. Trotz allerlei interesanter Ansätze blieb die Suche nach diesem transplutonischen Planeten erfolglos und nach dem Vorbeiflug der Voyager 2 Raumsonde an den Planeten Uranus und Neptun konnten die Massen der beiden Planeten so genau bestimmt werden, dass kein weiterer Planet mehr erforderlich war, ihre Umlaufbahnen zu erklären.

Mike Brown indes verfolgte einen anderen Ansatz: statt eines transplutonischen Planeten suchte er durch die zahlreichen Entdeckungen im Kuipergürtel motiviert nach einem weiteren transneptunischen Planeten und mit der Entdeckung des Quaoar war ihm nun quasi der Durchbruch gelungen - grösser als die Ceres bekam er den Arbeitsnamen "Mini-Xena", also "Mini-zehnter Planet"; Quaoar ist etwa halb so gross wie der Pluto.

Schon zwei Jahre später wurde die Entdeckung zweier noch etwas grösserer Planetoiden veröffentlicht, nämlich der Sedna, deren hochelliptische Bahn mit einem Perihel fast doppelt so weit draussen als jedes andere bekannte Mitglied unseres Sonnensystems für einen Körper dieser Grösse eine Sensation war, sowie des Orcus, und natürlich stellte sich auch die Weltöffentlichkeit die Frage, wie lange es noch dauern würde, ehe ein wirklich plutogrosser "Planetoid" entdeckt werden würde.

Und am 30.August 2005 war es dann soweit: die Entdeckungen des 10.Planeten 2003 UB313 - das ist die Eris, sowie zweier weiterer Planetoiden, die ungefähr 2/3 der Grösse des Pluto erreichen, wurden bekanntgegeben, letztere waren die Haumea und Makemake.

Innert drei Jahren wurde also die Entdeckung des 10.Planeten sowie die Entdeckung von 5 Planetoiden grösser als Ceres, allesamt in der 1000 km-Klasse, bekanntgegeben.

Der Entdecker Mike Brown hat nun etwas gar vollmundig angekündigt, dass mit hunderten weiteren Neuentdeckungen von Planeten zu rechnen sei:

Discovery of a candidate inner Oort cloud planetoid (Michael E. Brown, Chadwick Trujillo, David Rabinowitz)
suggesting a population of ∼100 objects on similar orbits. Moreover, if the population is nearly isotropic, ∼5 more such objects must be observable in the current sky, with a total population of 500.
Die Folgen dieser vollmundige Ankündigung und der ein Jahr später erfolgten Entdeckung des 10.Planeten Eris, der Haumea und der Makemake sind bekannt: die Internationale Astronomische Union (IAU) trat im Jahre 2006 zusammen und nach einem etwas verunglückten ersten Versuch wurde dem Planeten Pluto sowie dem 10.Planeten Eris der Planetenstatus aberkannt.

Ein Jahr später wurde noch der grosse Planetoid Gonggong, der ungefähr so gross wie die Makemake ist, entdeckt, seitdem aber wurden keine weiteren Planetoiden über 1000 km Durchmesser und schon gar keine weiteren plutogrossen Mitglieder unseres Sonnensystems entdeckt.

Etwas erfolgreicher war man bei der Entdeckung weiterer Sedna-artiger KBO - hier kennt man bis heute drei Exemplare, jedoch sind die beiden anderen, 2012 VP113 und Leleakuhonua, deutlich kleiner als die Sedna.

Die grosse Inflation der Planeten ist also in den ersten 14 Jahren ausgeblieben, d.h. hätte die IAU nicht so schnell gehandelt, so hätte unser Sonnensystem heute eben 10 Planeten. Wobei die Frage, ob es sinnvoll ist, 2000 km grosse Himmelskörper in einem Planetoidengürtel als "Planeten" zu bezeichnen, natürlich durchaus gerechtfertigt ist und letztlich historische Gründe hat, war man doch im Entdeckungsjahr des Pluto 1930 davon ausgegangen, dass dieser ungefähr 40000 km gross ist. Wäre damals die Makemake nicht in einer sternreichen Region gestanden, so wäre sie damals aufgrund ihrer Helligkeit wohl ebenfalls entdeckt worden, mit einem geschätzten Durchmesser von ungefähr 30000 km wäre auch sie zweifelsohne als Planet klassifiziert worden, d.h. auch in diesem Falle hätte unser Sonnensystem dann bis auf weiteres 10 Planeten gehabt, und mit der Entdeckung der Eris sowie der Haumea und Gonggong wären dann bis heute noch drei weitere solche Planeten hinzugekommen.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Vor 15 Jahren: Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten im Sonnensystem

Beitrag von Frank » 16. Sep 2020, 12:45

ralfkannenberg hat geschrieben:
15. Sep 2020, 12:56

Die grosse Inflation der Planeten ist also in den ersten 14 Jahren ausgeblieben, d.h. hätte die IAU nicht so schnell gehandelt, so hätte unser Sonnensystem heute eben 10 Planeten.
Wahrscheinlich noch mehr, oder?
ralfkannenberg hat geschrieben:
15. Sep 2020, 12:56
Wobei die Frage, ob es sinnvoll ist, 2000 km grosse Himmelskörper in einem Planetoidengürtel als "Planeten" zu bezeichnen, natürlich durchaus gerechtfertigt ist und letztlich historische Gründe hat, war man doch im Entdeckungsjahr des Pluto 1930 davon ausgegangen, dass dieser ungefähr 40000 km gross ist.
Ich würde geschichtlich gewachsene Strukturen zukünftig beibehalten.
Und Planeten dürfen nicht kleiner als Merkur sein, Umlaufzeiten bis 100 Jahre . Dann fällt alles ab Pluto nämlich weg. :wink:



Wobei ein Neptun großer Geselle, der ja auch immer mal wieder auftaucht im Netz, inzwischen nachweisbar sein.
Wie ist deine Meinung zu größeren Objekten bis hin zu einem braunen Zwerg soweit draußen?
Ich bin der Meinung das man einen BZ, also 15-75 Jupitermassen, schon allein an der Sonne gravitativ messen könnte(Eiern um den gemeinsamen Schwerpunk)
Mit freundlichen Grüßen

Frank

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Re: Vor 15 Jahren: Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten im Sonnensystem

Beitrag von ralfkannenberg » 16. Sep 2020, 13:46

Frank hat geschrieben:
16. Sep 2020, 12:45
ralfkannenberg hat geschrieben:
15. Sep 2020, 12:56
Die grosse Inflation der Planeten ist also in den ersten 14 Jahren ausgeblieben, d.h. hätte die IAU nicht so schnell gehandelt, so hätte unser Sonnensystem heute eben 10 Planeten.
Wahrscheinlich noch mehr, oder?
Hallo Frank,

äh, nein - ich wüsste nicht, welche noch als Planet in Frage kämen. Die anderen "Grossen" sind grosse Planetoiden, aber auch nach Prä-2006-Vorstellung keine Planeten.

Frank hat geschrieben:
16. Sep 2020, 12:45
ralfkannenberg hat geschrieben:
15. Sep 2020, 12:56
Wobei die Frage, ob es sinnvoll ist, 2000 km grosse Himmelskörper in einem Planetoidengürtel als "Planeten" zu bezeichnen, natürlich durchaus gerechtfertigt ist und letztlich historische Gründe hat, war man doch im Entdeckungsjahr des Pluto 1930 davon ausgegangen, dass dieser ungefähr 40000 km gross ist.

Ich würde geschichtlich gewachsene Strukturen zukünftig beibehalten.
Und Planeten dürfen nicht kleiner als Merkur sein, Umlaufzeiten bis 100 Jahre . Dann fällt alles ab Pluto nämlich weg. :wink:
Warum Merkur ? Das ist doch willkürlich. Zudem sind der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan grösser als der Merkur, und auch der Jupitermond Kallisto "verfehlt" grössenmässig den Merkur nur um wenige Kilometer.

Frank hat geschrieben:
16. Sep 2020, 12:45
Wobei ein Neptun großer Geselle, der ja auch immer mal wieder auftaucht im Netz, inzwischen nachweisbar sein.
Ich habe das selber vor Jahren einmal durchgerechnet und da stehen einem die Haare zu Berge. Alles weiter weg als der Saturn (!!!) ist keineswegs einfach zu entdecken: die Helligkeit nimmt mit der 4.Potenz zum Abstand ab.

Wenn man sich einmal die Top 10 der hellsten KBO anschaut, dann sind da nur die ganz grossen (über 1000 km, aber keine Sednoiden) sowie nahe Zentauren (über 200 km) und ganz nahe JFC (über 80 km) vertreten.

Es ist hier weniger die Grösse als vielmehr die Nähe, die "matters". Bei einem gegenwärtigen Abstand von 200 AU findet man mit den heutigen Methoden vermutlich gar nichts mehr, vielleicht noch einen Jupiter. Die genauen Zahlen müsste ich nachrechnen.

Aber was ich bei diesem Nachrechnen gelernt habe: alles weiter weg als der Saturn (10 AU) ist helligkeitsmässig betrachtet weit weg. Man lernt da etwas Demut, wenn man es mal selber nachrechnet und zu derartig ernüchternden Ergebnissen kommt, und wundert sich nicht mehr, wenn die Entdeckungen im Kuipergürtel so schleppend vorankommen und jahrelange Auswertungen benötigen.

Frank hat geschrieben:
16. Sep 2020, 12:45
Wie ist deine Meinung zu größeren Objekten bis hin zu einem braunen Zwerg soweit draußen?
Ich bin der Meinung das man einen BZ, also 15-75 Jupitermassen, schon allein an der Sonne gravitativ messen könnte(Eiern um den gemeinsamen Schwerpunk)
Ich habe keine Meinung dazu. Selbst ein marsgrosser Planetoid im Abstand von 80 AU könnte bei den Himmelsdurchmusterungen übersehen worden sein, wenn er sich zum Beobachtungszeitraum in einer sternreichen Region aufgehalten hat. Die Eris ist ~95 AU entfernt.

Ansonsten bin ich tendentiell eher der Meinung, dass es den "Planeten Nine" nicht gibt, da seine Anwesenheit inkonsistent zur Anzahl der bisher entdeckten extremen KBO mit Perihelen bei 45 AU bis ~50 AU ist, und sich auch die Umlaufbahnen der Sednoiden vermutlich mit dem dort beschriebenen Mechanismus erklären lassen, d.h. zum Nachweis lediglich noch die Rechenpower fehlt.


Mike Brown hat es meiner Einschätzung nach bis heute nicht verwunden, dass man ihm die Entdeckung seines von der Community längst anerkannten zehnten Planeten Eris weggenommen hat, auch wenn er sich darin gefällt, sich als "Plutokiller", also dem einzigen anderen von einem Amerikaner entdeckten Planeten, zu positionieren. Das sieht man schon daran, dass er sich beharrlich weigert, einzuräumen, dass die Eris etwas kleiner als der Pluto ist - auf seiner Homepage ist die Eris nach wie vor 1 km grösser. Dabei kennt man die Grösse des Pluto spätestens seit dem Vorbeiflug der New Horizons-Sonde nun wirklich ziemlich genau. Um diese Aberkennung zu kompensieren klammert er sich nun am "Planeten Nine" fest. - Ja, da spricht einiges für den Planeten Nine, doch hat Michele Bannister im Entdeckungspaper der 2013 SY99 nicht nur gezeigt, dass man diese Umlaufbahnen auch anders erklären kann, sondern noch viel schlimmer ein inkonsistentes Ergebnis hergeleitet.


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Re: Vor 15 Jahren: Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten im Sonnensystem

Beitrag von ralfkannenberg » 17. Sep 2020, 09:51

ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
Wenn man sich einmal die Top 10 der hellsten KBO anschaut, dann sind da nur die ganz grossen (über 1000 km, aber keine Sednoiden) sowie nahe Zentauren (über 200 km) und ganz nahe JFC (über 80 km) vertreten.
Hallo zusammen,

das gilt nicht nur für Sednoiden, auch der über 1000 km grosse Quaoar mit knapp 42 AU Perihelabstand verfehlt die Top 10 ziemlich deutlich (Platz 30).

Ja selbst der grösste Zentaur Chariklo liegt nur auf Platz 15, da sein Perihel geringfügig jenseits der Saturnbahn liegt. Allerdings ist bezüglich der Grösse das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn (523727) 2014 NW65 liegt auf Platz 10 und sein Perihel liegt ebenfalls geringfügig jenseits der Saturnbahn; meines Wissens wurde an ihm noch keine detaillierte Grössenbestimmung vorgenommen.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Vor 15 Jahren: Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten im Sonnensystem

Beitrag von Frank » 17. Sep 2020, 10:23

ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46

äh, nein - ich wüsste nicht, welche noch als Planet in Frage kämen. Die anderen "Grossen" sind grosse Planetoiden, aber auch nach Prä-2006-Vorstellung keine Planeten.
Ich meinte eigentlich, dass man Sedna ,Orcus und Eris ja auch hätte dazu zählen können und dann wäre man schnell bei 12 Planeten. :wink:
ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46

Warum Merkur ? Das ist doch willkürlich. Zudem sind der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan grösser als der Merkur, und auch der Jupitermond Kallisto "verfehlt" grössenmässig den Merkur nur um wenige Kilometer.
Das meinte ich mit historisch gewachsen und Monde kreisen und ihren Planeten und mit ihm um die Sonne. Merkur ist der innerste(bekannte Planet) und so etabliert.
Es an alleinig an der Größe festmachen zu wollen ist natürlich Humbug.Merkur ist aber aus der Geschichte heraus als Planet gewachsen.
Beispiel.
Die Aare, der wohl größte Fluss in der Schweiz, mündet in den Rhein. Obwohl die Aare an der Mündung mehr Wasser mitbringt als der Rhein, bleibt der Rhein der Hauptstrom und behält den Namen weiterhin. Hydrologisch gesehen mündet der Rhein aber in die Aare und wäre somit berechtigt den Namen weiter zu führen. Das ist geschichtlich aber Quatsch.
Genauso sehe ich es bei den Planeten.
ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
Ich habe das selber vor Jahren einmal durchgerechnet und da stehen einem die Haare zu Berge. Alles weiter weg als der Saturn (!!!) ist keineswegs einfach zu entdecken: die Helligkeit nimmt mit der 4.Potenz zum Abstand ab.
Das ist wohl war, aber deine Zwergplaneten hat man ja auch entdeckt und somit sollte es bei einem Eisriesen, der ja auch gravitativ ganz anders auf seine Umgebung wirkt, als die von dir erwähnten "Stoppelhoppser" vielleicht auch gelingen. :wink:

ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
Ich habe keine Meinung dazu. Selbst ein marsgrosser Planetoid im Abstand von 80 AU könnte bei den Himmelsdurchmusterungen übersehen worden sein, wenn er sich zum Beobachtungszeitraum in einer sternreichen Region aufgehalten hat. Die Eris ist ~95 AU entfernt.

Ansonsten bin ich tendentiell eher der Meinung, dass es den "Planeten Nine" nicht gibt, da seine Anwesenheit inkonsistent zur Anzahl der bisher entdeckten extremen KBO mit Perihelen bei 45 AU bis ~50 AU ist, und sich auch die Umlaufbahnen der Sednoiden vermutlich mit dem dort beschriebenen Mechanismus erklären lassen, d.h. zum Nachweis lediglich noch die Rechenpower fehlt.
15-75 Jupitermassen sind da aber eine andere Hausnummer als marsgross....... :wink:
Im Grunde bin ich aber deiner Meinung und lehne es ab, mich mit einem Doppelsternsystem (Sonne+Brauner Zwerg) zu befassen. Allerdings wäre ein solcher Brocken im Abstand von 0,5 bis 1 Lichtjahr unmöglich zu entdecken, weil er halt auch ein finsterer Geselle ist. Seine Masse würde aber schon ausreichen(so ab 30-50 Jupitermassen), je nachdem wie nah er der Oortschen Wolke käme, um hier schon für Verwirrung zu sorgen und das eine oder andere "Unglück" Richtung Sonnensystem zu schicken. :sp:

ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
Mike Brown hat es meiner Einschätzung nach bis heute nicht verwunden, dass man ihm die Entdeckung seines von der Community längst anerkannten zehnten Planeten Eris weggenommen hat, auch wenn er sich darin gefällt, sich als "Plutokiller", also dem einzigen anderen von einem Amerikaner entdeckten Planeten, zu positionieren. Das sieht man schon daran, dass er sich beharrlich weigert, einzuräumen, dass die Eris etwas kleiner als der Pluto ist - auf seiner Homepage ist die Eris nach wie vor 1 km grösser. Dabei kennt man die Grösse des Pluto spätestens seit dem Vorbeiflug der New Horizons-Sonde nun wirklich ziemlich genau. Um diese Aberkennung zu kompensieren klammert er sich nun am "Planeten Nine" fest. - Ja, da spricht einiges für den Planeten Nine, doch hat Michele Bannister im Entdeckungspaper der 2013 SY99 nicht nur gezeigt, dass man diese Umlaufbahnen auch anders erklären kann, sondern noch viel schlimmer ein inkonsistentes Ergebnis hergeleitet.
Man unterschätzt gerne den Einfluss, den menschliche Befindlichkeiten auf ihr Verhalten, Charakter und letztlich ihre Arbeit haben. :roll:
Mit freundlichen Grüßen

Frank

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Re: Vor 15 Jahren: Bekanntgabe der Entdeckung eines 10.Planeten im Sonnensystem

Beitrag von ralfkannenberg » 17. Sep 2020, 13:28

Frank hat geschrieben:
17. Sep 2020, 10:23
ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
äh, nein - ich wüsste nicht, welche noch als Planet in Frage kämen. Die anderen "Grossen" sind grosse Planetoiden, aber auch nach Prä-2006-Vorstellung keine Planeten.
Ich meinte eigentlich, dass man Sedna ,Orcus und Eris ja auch hätte dazu zählen können und dann wäre man schnell bei 12 Planeten. :wink:
Hallo Frank,

na ja, dann hättest Du die beiden grössten sowie den 6.-grössten und 7-grössten KBO dabei. Warum nicht auch den 3.-, 4.-, 5.- und 8.-grössten KBO, also die Makemake, Haumea, Gonggong und den Quaoar ? - Die sind ebenfalls alle grösser als 1000 km im Durchmesser.

Man könnte als Indikator auch den Logarithmus nehmen; da gibt es einen kontinuierlichen Teil, d.h. grob gesprochen, KBO aller Grössenkategorien, sowie den diskreten Teil; man sieht das sehr schön, wenn man die absoluten Helligkeiten gegen den Nummer in der nach absoluter Helligkeit sortierten Liste aufträgt, z.B. hier, wobei diese Liste aus mir unbekannten Gründen derzeit den Pluto (H=-0.7) und die Eris (H=-1.1) nicht anzeigt und einige Doppelnennungen hat. Dennoch sieht schon das Auge ganz gut den Übergang vom diskreten zum kontinuierlichen Teil bei H ~ +3.0.

Frank hat geschrieben:
17. Sep 2020, 10:23
ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
Warum Merkur ? Das ist doch willkürlich. Zudem sind der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan grösser als der Merkur, und auch der Jupitermond Kallisto "verfehlt" grössenmässig den Merkur nur um wenige Kilometer.
Das meinte ich mit historisch gewachsen und Monde kreisen und ihren Planeten und mit ihm um die Sonne. Merkur ist der innerste(bekannte Planet) und so etabliert.
Es an alleinig an der Größe festmachen zu wollen ist natürlich Humbug.Merkur ist aber aus der Geschichte heraus als Planet gewachsen.
Ich meinte Dein Kriterium, dass ein künftiger Planet grösser als der Merkur sein müsse – das ist willkürlich: wäre der Merkur nur mondgross, so wäre er historisch ebenfalls als Planet klassifiziert worden und ein neu zu entdeckender Planet kann nun wirklich nichts dafür, wenn er zwar kleiner als der Merkur, aber grösser als der Mond wäre.

Rein pragmatisch würde ich die Grenze bei ~2000 km festmachen. Da passen Pluto und Eris bequem in eine solche Planetendefinition hinein und die grossen KBO der 1000 km-Klasse sind zwar gross, aber eben keine Planeten, sondern sehr grosse Planetoiden. Aber ja – auch diese 2000 km sind willkürlich und wäre die Makemake 1930 nicht in einer sternreichen Region gestanden und somit entdeckt worden, so wäre diese pragmatische Grenze eben bei ~1400 km gelegen.

Frank hat geschrieben:
17. Sep 2020, 10:23
ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
Ich habe das selber vor Jahren einmal durchgerechnet und da stehen einem die Haare zu Berge. Alles weiter weg als der Saturn (!!!) ist keineswegs einfach zu entdecken: die Helligkeit nimmt mit der 4.Potenz zum Abstand ab.
Das ist wohl war, aber deine Zwergplaneten hat man ja auch entdeckt und somit sollte es bei einem Eisriesen, der ja auch gravitativ ganz anders auf seine Umgebung wirkt, als die von dir erwähnten "Stoppelhoppser" vielleicht auch gelingen. :wink:
Ja, aber diese KBO (Zwergplaneten müssen von der IAU als solche genehmigt werden) standen ja viel näher. Zudem hat man schon oft versucht, anhand der Umlaufbahnen leichterer Körper auf die Existenz eines zusätzlichen Planeten zu schliessen, was aber noch nie zu einer Entdeckung geführt hat. Der grösste Einfluss stammt vom Neptun und den Umlaufbahnresonanzen sowie den Kozai-Resonanzen und dann eben dieser über Jahrmillionen hin wirkenden "Diffusion der Grossen Halbachsen", die in der vorgenannten Arbeit von Michele Bannister et al. und in der Arbeit von Scott Sheppard et al. beschrieben sind.

Frank hat geschrieben:
17. Sep 2020, 10:23
ralfkannenberg hat geschrieben:
16. Sep 2020, 13:46
Ich habe keine Meinung dazu. Selbst ein marsgrosser Planetoid im Abstand von 80 AU könnte bei den Himmelsdurchmusterungen übersehen worden sein, wenn er sich zum Beobachtungszeitraum in einer sternreichen Region aufgehalten hat. Die Eris ist ~95 AU entfernt.

Ansonsten bin ich tendentiell eher der Meinung, dass es den "Planeten Nine" nicht gibt, da seine Anwesenheit inkonsistent zur Anzahl der bisher entdeckten extremen KBO mit Perihelen bei 45 AU bis ~50 AU ist, und sich auch die Umlaufbahnen der Sednoiden vermutlich mit dem dort beschriebenen Mechanismus erklären lassen, d.h. zum Nachweis lediglich noch die Rechenpower fehlt.
15-75 Jupitermassen sind da aber eine andere Hausnummer als marsgross....... :wink:
Korrekt, aber wenn schon ein so naher immerhin marsgrosser Planetoid übersehen worden sein könnte, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit da, dass in grösseren Abständen grössere Planetoiden oder auch Planeten übersehen worden sind. Kommt bei den weiter entfernten Körpern sehr erschwerend hinzu, dass sie sich langsamer bewegen, d.h. selbst wenn man sie helligkeitsmässig sehen kann werden sie für einen Hintergrundstern gehalten. Schon die Eris konnte nur mit einigen Tricks entdeckt werden, mit dem Preis, dass sich dann bei der Auswertung auch zahlreiche "false positves" befinden, also Kandidaten, die gar keine KBO sind, die man dann also manuell anschauen und aussortieren muss.

Frank hat geschrieben:
17. Sep 2020, 10:23
Im Grunde bin ich aber deiner Meinung und lehne es ab, mich mit einem Doppelsternsystem (Sonne+Brauner Zwerg) zu befassen. Allerdings wäre ein solcher Brocken im Abstand von 0,5 bis 1 Lichtjahr unmöglich zu entdecken, weil er halt auch ein finsterer Geselle ist. Seine Masse würde aber schon ausreichen(so ab 30-50 Jupitermassen), je nachdem wie nah er der Oortschen Wolke käme, um hier schon für Verwirrung zu sorgen und das eine oder andere "Unglück" Richtung Sonnensystem zu schicken. :sp:
Wie gesagt, man weiss es nicht. Zudem kann auch eine nahe Sternpassage für Unordnung in der Oortschen Wolke sorgen und so selten sind nahe Sternpassagen nun auch wieder nicht, wenn man astronomische Zeitskalen betrachtet.

Frank hat geschrieben:
17. Sep 2020, 10:23
Man unterschätzt gerne den Einfluss, den menschliche Befindlichkeiten auf ihr Verhalten, Charakter und letztlich ihre Arbeit haben. :roll:
Hier sehe ich ein grosses Problem, werde aber als Verschwörungstheoretiker oder Troll abgetan, wenn ich dieses Thema in Internetforen anspreche – beigelegte Links wie denjenigen, in welchem sich Mike Brown für die Beibehaltung des Pluto als Planeten und die Aufnahme seiner Eris als Planeten stark macht, liest ohnehin niemand. Und er hat das auch tatsächlich ganz geschickt gemacht, indem er sich als "Plutokiller" positioniert, der schon immer der Meinung war, dass weder der Pluto noch die Eris Planeten sein sollten. Er hat da den Zeitgeist richtig erkannt und schnell die Seiten gewechselt. Aber nun ist er eben nur noch der König der Zwergplaneten – 7 der 8 bekannten KBO über 1000 km Durchmesser hat er bzw. sein Team entdeckt, aber er war ausgezogen, einen weiteren Planeten zu entdecken. Und als Entdecker von 7 der 8 "Grossen" ist sein Ruf auch gut genug, dass er mit seiner Planet Nine-Vorhersage ernst genommen wird. Es stört mich auch nicht, dass er diese auffallende Gruppierung gewisser Bahnelemente der extremen KBO in einem Paper festgehalten hat - ganz im Gegenteil, so etwas ist Forschung, aber es stört mich, dass er andere Erklärungsversuche, die das Phänomen klassisch zu erklären versuchen, konsequent kleinredet. Ebenso wie er konsequent die Eris grösser als den Pluto angibt, obgleich er seine Seite regelmässig updated.


Freundliche Grüsse, Ralf

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