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Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

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Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von Skeltek » 3. Apr 2019, 15:47

Hi,

etwas perplex war ich als ich das vom Browser als News empfohlen bekam:
Lese gerade auf heise online, dass sich die Landesmediananstalt Bayern dazu entschlossen hat einem Youtube-Kanal das Betriebsrecht untersagen zu wollen. Auf den Streamer und seine Inhalte möchte ich hier wirklich nicht eingehen. Jedoch unabhängig vom Inhalt des betroffenen Kanals würde ich gerne feststellen, dass es meiner Meinung nach irgendwie die Grenze zur Sabotage unserer demokratischen Grundordnung herrscht, wenn eine Regierungsinstitution ein Forum, einen Youtube-Kanal oder sonstige Blogs anfängt als 'Rundfunk' einzustufen und damit eine Lizenzanforderung postuliert.

Heise Online - Landesmedienanstalt Bayern untersagt Livestreams weil sie politisch bilden

Bisher gab es nie etwas zu bemängeln, wenn Menschen ihre Meinung kundtun oder sich austauschen - egal ob auf einer Versammlung, einer Demo oder sonstwo. wie seht ihr das? Hat das Rundfunkgesetz eurer Meinung nach überhaupt noch eine Berechtigung in unserer Zeit? Kann allein die Anzahl der Zuhörer darüber entscheiden, ob man Dinge ansprechen/verkünden darf oder nicht? Da könnten auch wissenschaftliche Seiten davon betroffen werden, denn diese würden durch Aufklärung und Umweltdiskussionen ja sicherlich auch zur 'politischen Meinungsbildung' auf hohem Niveau und bei einer größeren Audienz beitragen, wenn man mal den relevanten ausdruck der Medienanstalt verwenden würde.

Kann die politischer Meinungsaustausch und ähnliches untersagt werden, wenn es zu viel Einfluss auf die Meinungsbildung hat?

Viele Grüße, Skel
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ralfkannenberg
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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von ralfkannenberg » 3. Apr 2019, 16:51

Skeltek hat geschrieben:
3. Apr 2019, 15:47
Auf den Streamer und seine Inhalte möchte ich hier wirklich nicht eingehen.
Hallo Skel,

aber genau das sollten wir tun, denn solche Typen wie dieser "Drachenlord" sind es, die die Freiheit des Internets mit ihrem irren Ansichten, die sie ungestraft verbreiten können, kaputt machen.

Regeln und Gesetze braucht man nicht einzuführen, um die Anständigen, die sich zu benehmen wissen und deren Wertesystem völlig ausreichend ist, ein gutes Miteinander zu gewährleisten, einzuschränken.

Man muss Regeln und Gesetze deswegen einführen, um die anderen, deren Wertesystem nicht ausreichend ist, ein gutes Miteinander zu gewährleisten, in die Schranken zu weisen.


"Drachenlord" ist so ein Kaputtmacher.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von Skeltek » 3. Apr 2019, 18:37

Ja, wie ich sagte, ich möchte nicht auf die Inhalte dieser Person eingehen.
Es geht mir mehr um die prinzipiele Einschränkung von Meinungfreiheit usw. Wir verbieten ja auch keine Demonstrationen, Versammlungen oder das Streikrecht, nur weil es ein elementares Ausdrücken politischer Überzeugungen widerspiegelt.
'In die Schranken weisen' mag gut klingen in dem Fall. Allerdings kann man auch Umweltaktivisten, Klimaforscher und sozial engagierte Menschen genauso 'in ihre Schranken' verweisen. 'Ein gutes Miteinander gewährleisten' klingt etwas nach Konfliktvermeidung - leider jedoch völlig Themenneutral. Stell dir vor, man würde Harald Lesch verbieten die Leute über den Klimawandel und Treibhauseffekt aufzuklären, indem man ihm einfach die 'Rundfunklizenz' entzieht. Deshalb wollte ich auf die Inhalte des im Artikel angesprochenen Channels nicht eingehen. Es geht hier eher um etwas prinzipielleres, nämlich dass es sich hierbei um einen Eingriff handelt ähnlich in anderen Ländern, in welchen Forscher und Aufklärer durch ähnliche Methoden zum Schweigen gebracht werden. Gerade als Wissenschaftler oder Freidenker müsste man hier deutlich eine potentielle Bedrohung für das eigene Gebiet wittern. Es ist ohnehin ziemlich schwer geworden, gegen die Springflut an kontrollieren Medienfeeds anzukämpfen.

Wie gesagt, ich halte von diesem Typen nicht zwangsäufig viel, hab mir auch gezielt gar kein Urteil gebildet und mir die Inhalte gar nicht erst angesehen. Mir gehts lediglich um den Eingriff eines staatlichen Verwaltungsorganes in die Mitteilungsmöglichkeiten 'unten in der Kette' (sprich: der Bürger)
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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von Hansen » 3. Apr 2019, 21:03

Läuft der Kanal nicht unter Komödie?
Man sollte die Namen der Beamten öffentlich machen.

Dann überlegen sie sich es etwas besser bevor sie solchen Sachen losschicken.

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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von tomS » 3. Apr 2019, 21:49

Was mich immer wieder erstaunt ist, wieviel Aufhebens darum gemacht wird, Blödsinn gegen staatliche Willkür zu verteidigen - oder umgekehrt den Staat vor Blödsinn zu schützen. Meine Freiheit wird durch das Unterbinden von Blödsinn genauso viel oder wenig gewahrt oder eingeschränkt, wie durch das Nicht-Unterbinden. Ich fühle mich letztlich nur genervt, dass es erstens so viele Deppen gibt, zweitens dass sie jetzt im Internet eine Plattform finden und drittens, dass man sich damit befasst (befassen muss?). Früher gab’s genauso viel dumme Menschen, aber man hatte mangels Öffentlichkeit wenigstens seine Ruhe.

Ist jetzt nicht demokratisch, undemokratisch, liberal, konservativ oder reaktionär sondern einfach nur ehrlich gemeint.
Gruß
Tom

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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von Hansen » 3. Apr 2019, 22:04

tomS hat geschrieben:
3. Apr 2019, 21:49
Früher gab’s genauso viel dumme Menschen, aber man hatte mangels Öffentlichkeit wenigstens seine Ruhe.

Ist jetzt nicht demokratisch, undemokratisch, liberal, konservativ oder reaktionär sondern einfach nur ehrlich gemeint.

Ich bezweifel das es früher die gleiche Anzahl an dummen gab wie heute. Erstens gibt es heute ca doppelt soviele Menschen wie vor 30 Jahren und zweitens glaube ich das fehlendes Parenting, soziale Medien mithelfen den Menschen zu verblöden.

Nicht jeder der Soziale Medien nutz ist automatisch verblödet.

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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von tomS » 3. Apr 2019, 22:12

Hansen hat geschrieben:
3. Apr 2019, 22:04
Erstens gibt es heute ca doppelt soviele Menschen wie vor 30 Jahren
klar - Zahlen darf man hier nicht absolut sehen.
Hansen hat geschrieben:
3. Apr 2019, 22:04
Nicht jeder der Soziale Medien nutz ist automatisch verblödet.
Richtig.

Aber früher war es für dumme Menschen schwierig, einen Verleger für Ihre Dummheit zu finden.
Gruß
Tom

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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von seeker » 4. Apr 2019, 09:30

Ich könnte mir vorstellen, dass das Land Bayern in diesem Fall einfach irgendetwas gesucht hat, um diesem Fall Herr zu werden.
Dann haben sie ein evtl. Schlupfloch im Rundfunkstaatsvertrag gefunden und genutzt. Ob es funktioniert ist noch nicht entschieden - das kann ja noch durch die Instanzen gehen.

Ich meine, die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und die Medien- und Kommunikationslandschaft hat sich stark verändert, jeder kann heute irgfendwo öffentlich sein, wenn er das will und es besteht grpßer Bedarf das alles entsprechend neu und moderner zu regeln. Nur ist Meinungsfreiheit nicht das einzige hohe Gut, man muss da genau abwägen, was mitunter sehr schwierig sein mag. Es gibt deshalb ja auch z.B. noch das hier, aus gutem Grund:

Strafgesetzbuch (StGB)
§ 130 Volksverhetzung
https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__130.html

oder

Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung
(§185-§189 StGB)

usw.

Man kann sich auch hier fragen, ob das heute noch ausreicht:
Wo fängt Hetze genau an? Ist es i.O. im Namen der Meinungsfreiheit öffentlich die Stimmung und das Niveau im Lande herunterzuziehen, aufwieglerische Falschinformationen zu verbreiten, die Verrohung der Gesellschaft zu fördern, etc.?

schwieriges Thema...

Mein Eindruck ist:
Am Anfang war das Internet eine tolle Sache, aber dann sind die Manipulierer, die Meinungsmacher, die Fehlinformierer, die Betrüger, die Trolle, die Hetzer, die Idioten, die Spinner, die Unaufrichtigen, allgemein "die Bösen und Unaufrichtigen" da rein. Und das ist ein ernstes Problem, wo man noch kein rechtes Rezept hat, wie man damit umgehen soll.
Denn diese Entwicklung droht das Internet kaputt zu machen. Es besteht die Gefahr, dass die aufrichtigen, rechtschaffenen, vernünftigen, wahrheitsliebenden Leute sich zurückziehen, weil ihnen dieser Kampf zu blöd ist und denen dann das Feld überlassen. Wenn das geschähe, würde das Internet endgültig faulig und einfach nur noch schädlich werden.

Ich glaube außerdem, dass wir heute in einer Zeit leben, wo ganz allgemein so ausgebufft, fortschrittlich und unterschwellig wie nie manipuliert werden kann, was im eigenen Kopf verankert wird und dass sich dem keiner mehr wirklich entziehen kann, heute weniger denn je. Und das ist eine sehr ernste Gefahr, denn wer an dieser Stelle den Informationsfluss kontrollieren kann, kontrolliert die Menschen, die öffentliche Meinung, kontrolliert die Politik, kontrolliert die Welt.
Und das wäre es dann gewesen, mit Meinungsfreiheit, Freiheit im Allgemeinen, Demokratie, Menschenrechten, allgemein zivilisatorisch und ethisch hochstehendem Umgang der Menschen miteinander.

Informationskrieg
Grüße
seeker


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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von tomS » 4. Apr 2019, 10:26

seeker hat geschrieben:
4. Apr 2019, 09:30
Ich meine, die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und die Medien- und Kommunikationslandschaft hat sich stark verändert, jeder kann heute irgendwo öffentlich sein, wenn er das will und es besteht großer Bedarf das alles entsprechend neu und moderner zu regeln.
Viel mehr Bedarf als bei Regelungen sehe ich beim gesunden Menschenverstand. Zu viele verwechseln Freiheit mit „Freiheit, für andere eine Last zu sein“.
seeker hat geschrieben:
4. Apr 2019, 09:30
Nur ist Meinungsfreiheit nicht das einzige hohe Gut, man muss da genau abwägen, was mitunter sehr schwierig sein mag.
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten ... Eine Zensur findet nicht statt.

Unter Zensur im Sinne von Art. 5 (1) GG ist staatliche Zensur zu verstehen, d.h. Zensur durch den Staat oder dem Staat zurechenbare Stellen.

Andersherum: jeder Verleger, Sender, Webseitenbetreiber, ... hat das Recht, Inhalte nach Belieben abzulehnen; niemand kann die Veröffentlichung seiner Inhalte einklagen.

Das Problem besteht demnach auch darin, dass - im Gegensatz zu einer über Jahrzehnte gewachsenen Kultur - Autoren, Plattformen und Nutzer im Internet keine positive Kultur pflegen. Es geht also nicht nur um Volksverhetzung, Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung etc., sondern einfach darum, dass keine Kultur existiert, die diese Themen außerhalb des Strafrechtes o.ä. vernünftig regelt.

Dies ist in weiten Bereichen kein Problem des Staates sondern der Gesellschaft.
seeker hat geschrieben:
4. Apr 2019, 09:30
Es besteht die Gefahr, dass die aufrichtigen, rechtschaffenen, vernünftigen, wahrheitsliebenden Leute sich zurückziehen, weil ihnen dieser Kampf zu blöd ist
Ja, diese Gefahr besteht.
Gruß
Tom

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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von ralfkannenberg » 4. Apr 2019, 12:24

tomS hat geschrieben:
3. Apr 2019, 22:12
Aber früher war es für dumme Menschen schwierig, einen Verleger für Ihre Dummheit zu finden.
Hallo Tom,

wenn man über entsprechende finanzielle Mittel verfügt hat, nicht. So gab es in der zweiten Hälfte der 1990iger Jahre einen "Autor", der sich kurzerhand für 1200 DM Werbeseiten im SuW gekauft hat und dort im selben Schrifttyp wie die Fachartikel seine Thesen kundgetan hat. Nach mehrmaligem Hinschauen habe ich sogar - in ziemlich kleinem Schrifttyp - auf dieser Seite das Wort "Werbung" gelesen.

Meinen damaligen Leserbrief zu kommentieren hat er sich dann nochmals 600 DM kosten lassen, in dem er auf einer halben Seite "Werbung" wenn ich mich recht entsinne 7 Thesen gegen die Leserbrief-Schreiber Gottwald und Kannenberg kommunizert hat.

Zudem fanden sich gleich drei Leserbriefe, in denen wir beide als Pseudo-Wissenschaftler hingestellt wurden, denen es darum gehe, Andersdenkende auf dem mittelalterlichen Scheiterhaufen der katholischen Kirche verbrennen zu sehen. Schon damals hatte ich den Verdacht, dass es diese drei Personen, die da gegen uns angeschrieben haben, nicht gibt. Aber das weiss ich nicht und interessierte mich auch zu wenig, dem nachzugehen.

Nochmals fast 20 Jahre früher war Erich von Däniken im Gymnasium, welches ich besucht habe, zugegen und hat dort einen Vortrag gehalten. Ich sass (vermutlich weil ich etwas zu spät war) in einer der hinteren Reihen und bei zahlreichen "Thesen" des Vortrages hörte ich meine Nachbarn, die ich zuvor allerdings noch nie im Gymnasium gesehen hatte, wie sie gar nicht einmal laut riefen "recht hat er". Ich denke nicht, dass Erich von Däniken diese irgendwie zu engagierten brauchte, die kamen von alleine dahin und konnten es dort den "Gebildeten" einmal "so richtig zeigen".


Ach ja, noch ein Nachtrag zum vorgenannten Autor, der da Werbeseiten im SuW kaufte: einige Jahre später war ich mit meiner Mutter in Essen im Ruhrgebiet auf Familienbesuch und da sind wir auch in die Stadtbibliothek gegangen. Da habe ich nach Astronomiebüchern Ausschau gehalten und tatsächlich hatten die dort ein Astronomiebuch (also ein einziges). Und ja - von diesem Autor, der da seine Thesen in Buchform niedergeschrieben hatte und nun also die Fahne der Astronomie in Essen hochhielt.

Ein Jahr später indes hatten die dort eine sehr schöne Sammlung von Astronomiebüchern beisammen, besagtes Werk war übrigens auch noch dabei.


Mit dem Internet indes geht das alles natürlich viel leichter.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von seeker » 4. Apr 2019, 13:23

tomS hat geschrieben:
4. Apr 2019, 10:26
Das Problem besteht demnach auch darin, dass - im Gegensatz zu einer über Jahrzehnte gewachsenen Kultur - Autoren, Plattformen und Nutzer im Internet keine positive Kultur pflegen. Es geht also nicht nur um Volksverhetzung, Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung etc., sondern einfach darum, dass keine Kultur existiert, die diese Themen außerhalb des Strafrechtes o.ä. vernünftig regelt.

Dies ist in weiten Bereichen kein Problem des Staates sondern der Gesellschaft.
Staat und Gesellschaft sind nicht-trennbar miteinander veflochten, aber ja, du hast Recht, es ist nicht zuletzt auch ein kulturelles Problem.

Der Hautpunterschied zum direkten menschlichen Kontakt ist halt der, dass sich das dort normalerweise viel einfacher einregelt, weil du dort -bei völligem Fehlverhalten- schon einmal befürchten musst einen Föhn bekommen oder im schlimmsten Fall eine aufs Maul.
Aus der Deckung heraus, im Internet fehlen diese sozialen Kontrollmechanismen teilweise bis vollständig.

Ich bin der Meinung, man sollte als Mensch das Ideal anstreben, dass Denken, Sprechen und Handeln möglichst eins sein sollten und dass es dabei auch egal ist, wo man ist: Das Meiste, das zuhause richtig ist, ist im Wesentlichen auch auf der Arbeit richtig und auch im Internet oder sonstwo, umgekehrt ebenso. Wer sich dem annähern kann, ist authentisch, wer nicht, nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Authentiz ... n_Personen
Aber so weit sind wohl halt sehr viele Menschen nicht - leider.
Stattdessen gibt es wohl viele Leute, die daheim ganz brav sind und sich im Internet dann ganz anders austoben.
Sowas kommt m.E. immer vor, wenn man bestimmte Verhaltensweisen nicht deshalb pflegt, weil man sie für richtig hält, sondern weil man ansonsten Nachteile zu befürchten hätte. In dem Moment wo diese Befürchtung dann wegfällt, fallen dann auch alle Hemmnisse.

Am Ende muss man das berücksichtigen und die Menschen ansonsten nehmen wie sie sind, vielleicht werden die künftigen Menschen da im Mittel erwachsener werden, vielleicht braucht es auch einfach noch Zeit, bis die Menschen lernen im Internet besser miteinander umzugehen, aber heute ist es halt scheints noch nicht so weit.

Worauf ich noch hinaus will:
Eine bessere Internetkultur ist abseits von staatlicher Reglementierung schwer erreichbar, so lange sich jeder der das möchte hinter einer Schutzmauer aus Annonymität und 1000 Tricks und Kniffen verstecken kann. Soziale Selbstkontrolle funktioniert nur dann, wenn man die "Bösewichte" auch zu fassen bekommt und zur Rechenschaft ziehen kann. D.h., ich rechne eigentlich damit, dass das künftige Internet in vielen Bereichen künftig sehr viel weniger annonym als heute sein wird. Wobei es sein kann, dass man dabei den Teufel mit dem Beelzebub austreiben wird, denn geringere Annonymität bedeutet bessere Durchleuchtbarkeit und Kontrollierbarkeit.

Aber so ist der Mensch:
Gib ihm zu viel Freiheit und er wird nicht vornehmlich Gutes sondern vornehmlich Schlechtes damit anfangen!
Und anschließend wird er sich beschwerden, dass es so viel Schlechtigkeit gibt.

Ein weiteres großes Problem ist m. E. die schlechte Medienkompetenz vieler Leute:
Man sollte begreifen, dass und welche Unterschiede es gibt, z.B. zwischen einer gedruckten Zeitung und einem Blog, einer Aussage in einem Forum, auf Facebook, usw. und welchen es gibt zwischen TV-Nachrichten und YT-Kanälen.
Das eine ist nämlich kontrolliert und es gibt dort Qualitätsvogaben und beim anderen kann im Prinzip jeder alles schreiben und sagen was er will und wie er es will.
Das Problem ist, dass beides gleich ausschauen kann und dass das daher dazu verleitet auch als gleich wahrgenommen zu werden - aber das ist es nicht, ganz und gar nicht: Dass eine Internetseite oder ein YT-Kanal gut gemacht ausschaut, heißt noch lange nicht, dass die Informationen, die dort transportiert werden, nicht auch völlig verlogen, irreführend oder schwachsinnig sein können.
Grüße
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Re: Staatliche Kontrolle bei zu viel Einfluss

Beitrag von Skeltek » 4. Apr 2019, 19:52

seeker hat geschrieben:
4. Apr 2019, 09:30
Mein Eindruck ist:
Am Anfang war das Internet eine tolle Sache, aber dann sind die Manipulierer, die Meinungsmacher, die Fehlinformierer, die Betrüger, die Trolle, die Hetzer, die Idioten, die Spinner, die Unaufrichtigen, allgemein "die Bösen und Unaufrichtigen" da rein. Und das ist ein ernstes Problem, wo man noch kein rechtes Rezept hat, wie man damit umgehen soll.
Denn diese Entwicklung droht das Internet kaputt zu machen. Es besteht die Gefahr, dass die aufrichtigen, rechtschaffenen, vernünftigen, wahrheitsliebenden Leute sich zurückziehen, weil ihnen dieser Kampf zu blöd ist und denen dann das Feld überlassen. Wenn das geschähe, würde das Internet endgültig faulig und einfach nur noch schädlich werden.
Achja, Gruß hier von der Gans Abstruse Goose - The Frontier
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