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Emissionsnebel
Reflexionsnebel
Sterne der Spektralklasse O oder B gehören zu den "vollschlanken" Vertretern ihrer Art:es sind die massereichsten und damit auch heißesten Sterne einer Galaxie. Gehen Sie einmal an einem klaren Winterabend spazieren und betrachten das herrliche Sternbild des Orion. Mit einem Fernglas bewaffnet, finden wir unterhalb der drei Gürtelsterne einen verschwommenen Fleck, den berühmten Orion- Nebel (M42), die "Urmutter" aller Gas- und Emissionsnebel.
Hätten wir ein etwas größeres Instrument zur Hand wie das Hubble- Teleskop, könnten wir eine Gruppe aus 4 leuchtkräftigen, jungen Sternen sehen (in der linken Bildhälfte, im untenstehenden Bild nicht sichtbar), das Trapez. Einer von ihnen, δ1 Orionis, ist deutlich heller als die anderen, es ist ein Hauptreihenstern der Spektralklasse O6 mit einer Oberflächentemperatur von 40 000 [K]. Er strahlt mehr als
250 000 Mal so hell wie die Sonne, überwiegend im Ultraviolettbereich und ist damit in der Lage, umgebende Gas- und Staubwolken von einigen hundert Sonnenmassen zu ionisieren (= Atome verlieren ihre Elektronen). Seine Ionisationswirkung reicht weit über 10 Lichtjahre in den umgebenden Gasnebel. Auch die anderen 3 Sterne des Trapezes ionisieren ihre Umgebung, andere helle Flecken sind Sternentstehungsgebiete mit protoplanetaren (protoplanetar = Vorläufer eines Planeten) Staubscheiben.
Man erahnt beim Vergleich mit dem nächsten Bild, welche ungeheuren Materiemengen sich in solchen Gebieten befinden.
Mit freundlicher Genehmigung von J. Bally, D. Devine, & R. Sutherland, D. Johnson (CITA), HST, NASA
Emissionsnebel sind sicherlich die schönsten Objekte des Firmaments. Die Sterne entstehen, wie wir gesehen haben, in den großen interstellaren Gas- und Staubwolken. Dabei haben massearme Sterne wie unsere Sonne kaum einen Einfluss auf die umgebenden Materiewolken. Dafür haben sie allerdings eine hohe Lebenserwartung und können sich in aller Ruhe von ihrem Geburtsort entfernen. Ihre massereichen Verwandten, Sterne der Spektralklassen O oder B, haben diese Zeit aber nicht. Sie verbrennen recht schnell ihre Vorräte und schaffen es erst gar nicht, weit von ihren Entstehungsorten zu entfliehen. Diese Sterne findet man daher nur in der Umgebung großer Gas- und Staubwolken.
Der Carina- Nebel, bekannt auch als Schlüssellochnebel oder
NGC 3372. Er verdankt sein prächtiges Aussehen dem wohl massivsten Stern in der Milchstraße, η Carinae (HD93129 A, zu erkennen als hellste Stelle nahe der Bildmitte). Mit über 100 Sonnenmassen produziert er dermaßen hohe Strahlungsintensitäten, dass er zusammen mit einigen anderen sehr massereichen Sternen das ganze riesige Gebiet ionisiert und zum Leuchten anregt.
Mit freundlicher Genehmigung von Nathan Smith (University of Minnesota), NOAO, AURA, NSF
Die massereichen Sterne mit Oberflächentemperaturen zwischen 20 000 und 50 000 [K] emittieren ihr Licht überwiegend im energiereichen UV- Bereich. Diese Strahlung ionisiert die umgebenden Gase, d.h. die Gasatome werden mehr oder weniger ihrer Elektronen beraubt. Dermaßen angeregt, emittieren die Elektronen während der Rekombination die aufgenommene Strahlung wieder in Form sichtbaren Lichts, so dass wir die volle Pracht der riesigen Materieansammlungen betrachten können. Viel "Ruhe" wird den Elektronen jedoch nicht gegönnt, wenn sie ihren Platz im Atom wieder eingenommen haben, denn schon bald wird das nächste UV- Photon sie wiederum anregen.
Die
riesigen Gasblasen, die vorwiegend aus ionisiertem Wasserstoff bestehen (HII- Gebiete), nennt man auch nach dem schwedisch- amerikanischem Astrophysiker Bengt Strömgren (1908- 1987) Strömgren- Blasen. Die von den Sternen ausgehende UV- Strahlung reicht soweit, bis sie irgendwann ihre "Kraft verlieren". Nach außen hin wird die Wolke deshalb sehr schnell neutral und dunkel. Nebenstehend der Tarantel- Nebel (30 Doradus), ein extrem heller Emissionsnebel von mehr als 1000 Lichtjahren Ausdehnung, er befindet sich in der Großen Magellanschen Wolke. Es handelt sich um eine riesige HII- Region die, wenn sie sich in gleicher Entfernung befände, das gesamte Sternbild Orion einnähme!
Mit freundlicher Genehmigung von M. Schirmer, T. Erben, M. Lombardi (IAEF Bonn), European Southern Observatory
Ein weiteres Beispiel eines Emissionsnebels stellt der Lagunen- Nebel im Sternbild Sagittarius (Schütze) dar.
![]() | In 5000 Lichtjahren Entfernung gelegen überdeckt der Lagunen- Nebel M 8 die dreifache Fläche des Mondes am Himmel. Als eines der schönsten Objekte der nördlichen Himmels enthält er viele Sternentstehungsgebiete. Man kann ihn bereits mit bloßem Auge erkennen (Helligkeit 5m9), seine ganze Pracht entfaltet er aber erst in größeren Instrumenten in roter Farbe, die vom Wasserstoff als Hauptbestandteil des Nebels stammt. Diese Aufnahme wurde aus 3 Bildern zusammengesetzt, die im Licht von Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefel belichtet wurden. Mit freundlicher Genehmigung von R. Barba, N. Morrell et al. (UNLP), CTIO, NOAO, NSF |
![]() | Hier sehen wir einen Ausschnitt des östlichen Lagunen- Nebels. Wir sehen ein reiches Sternenfeld, eingebettet in Dunkelwolken, die das Licht dahinter liegender Sternkinderstuben verschlucken. Oben rechts erkennt man die Ausläufer des Lagunen- Emissionsnebels, während in der Bildmitte ein Reflexionsnebel zu sehen ist. Hier wird das Licht von einer Gruppe massiver, blauer Sterne an den Materiepartikeln gestreut. Mit freundlicher Genehmigung von Jean-Charles Cuillandre (CFHT), Hawaiian Starlight, CFHT |
![]() | Direkt oberhalb des Lagunen- Nebels, etwa 1° nördlich, findet man einen weiteren Emissionsnebel, den Trifidnebel M 20. Das hochenergetische Licht junger Sterne ionisiert auch hier den Wasserstoff, welcher für die rote Farbe verantwortlich ist. Die dunklen Stellen, welche das Gebiet in etwa dreiteilen (daher auch der id), entstanden durch die Atmosphären kühler Riesensterne bzw. sind Supernovaüberreste. Das umgebende Blau ist wiederum ein Reflexionsnebel. Mit freundlicher Genehmigung von Anglo-Australian Observatory, David Malin |
![]() | Ein Blick in das Zentrum des Trifid- Nebels, der 5000 Lichtjahre von uns entfernt ist und einen Durchmesser von 50 Lichtjahren hat. Mit einem Alter von nur 300 000 Jahren ist er der jüngste bekannte Emissionsnebel. Wir sehen Wolken glühenden Gases, in die dunkle, dichte Staubwolken eingebettet sind, ein Gebiet intensiver Sternbildung. Noch tiefer in das chaotische Innere dieser riesigen Materieansammlung lässt uns dieser Link blicken, der einen Ausschnitt des unteren linken Bildsegments zeigt. Mit freundlicher Genehmigung von GMOS, Gemini Observatory |
Im Sternbild Monoceros (Einhorn) finden wir den nächsten Emissionsnebel, wegen seiner Form Rosetten- Nebel genannt.
Ihre aktivste Lebensphase haben die massereichen Sterne, wenn sie verschwenderisch ihren Wasserstoffvorrat verbrennen und Oberflächentemperaturen von bis zu 50 000 [K] aufweisen. Im HR- Diagramm erscheinen sie daher in den Spektralklassen O und B, ihre Hauptenergie strahlen sie im UV- Bereich ab. Diese Strahlung kann umgebende Gas- und Staubwolken ionisieren und so als Emissionsnebel erscheinen lassen. Wenn aber der Brennstoff der massereichen Sterne zur Neige geht, sinkt ihre Effektivtemperatur und sie wandern durch das ganze HR- Diagramm bis hin zur Klasse M. Der Emissionsnebel verlöscht und wird jetzt zu einem Reflexionsnebel, weil das Licht der Sterne an den Teilchen der Materiewolken gestreut wird.
![]() | Spinnenbein und Krötenblut - fast könnte man glauben, das Antlitz einer Hexe zu erblicken! Nicht umsonst bekam dieser Reflexionsnebel den idn Hexenkopfnebel, der etwa 1000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Er wird von Rigel angestrahlt, der sich eine Bildweite rechts vom Nebel befindet. Feine Staubpartikel in IC 2118, wie der Nebel offiziell bezeichnet wird, reflektieren das Licht Rigels. Die blaue Farbe entsteht auf dieselbe Art, wie unser Blau des Himmels: die Staubpartikelchen reflektieren die blauen Anteile des Lichts viel effektiver als die roten. Auf der Erde übernehmen Stickstoff- und Sauerstoffmoleküle diese Funktion. Mit freundlicher Genehmigung von G. Greaney und NASA |
Ebenfalls im Orion, etwa 2° südlich des großen Orionnebels, finden wir einen weiteren Reflexionsnebel, genannt NGC 1999. In Form von Jets ausgestoßenes Gas ist meist das erste Anzeichen für Sterngeburten. Diese Jets reißen Löcher in die Materiewolken, aus denen die Sterne entstanden, und ihr Licht kann nun die Umgebung als Reflexionsnebel erleuchten lassen.
Der wohl bekannteste Reflexionsnebel ist der in den Plejaden, dem Siebengestirn.
![]() | Dieser sehr auffällige Sternhaufen ist bereits mit bloßem Auge ein schöner Anblick. Den dünnen Reflexionsnebel kann man aber nur auf lang belichteten Aufnahmen sehen, der vom Licht der vielen jungen Sterne angestrahlt wird. Kann man mit bloßem Auge je nach Sicht 5 oder 7 Sterne erkennen, bestehen die Plejaden doch aus über 3000 Sternen, darunter viele Braune Zwerge. Der Haufen hat nur einen Durchmesser von 13 Lichtjahren und ist 400 Lichtjahre entfernt. Mit freundlicher Genehmigung von David Malin (AAO), AATB, ROE, UKS Telescope |
Als letztes Beispiel eines Reflexionsnebels soll uns der Nebel um den Dreifachstern ρ (rho) Ophiuchi (Schlangenträger) dienen.
![]() | Den Dreifachstern Rho Ophiuchi sieht man in der oberen Bildmitte, umgeben vom blauen Reflexionsnebel IC 4604. Auch sieht man im oberen Bildbereich ausgedehnte Dunkelwolken, die das Licht dahinter liegender Sterne verschlucken. Die roten Nebel sind Emissionsnebel, das heiße Gas leuchtet dort selbst. Der sehr helle Stern auf der linken Seite der Bildmitte ist Antares, ein Roter Riese. Er ist umgeben von gelblichen Nebelschwaden, die ebenfalls Reflexionsnebel sind, erleuchtet von seinem Licht. Rechts davon sieht man den Kugelsternhaufen M 4, der allerdings schon zum Sternbild des Skorpions gehört. Mit freundlicher Genehmigung des California Institute of Technology (Caltech) |
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