Spaltung der Gesellschaft

Zunahme der Armut und Umverteilung von Gütern

Re: Spaltung der Gesellschaft

Beitragvon brussia » So 7. Mär 2010, 11:37

Hi Argus Du Schelm, :-)

Sachleistungen gab es auch bisher, dass ist nichts neues. Es gibt sogar das Instrument der Lebensmittelgutscheine für Leistungsbezieher, denen durch Pflichtverletzung die Regelleistung um mehr als 30% reduziert worden ist. Auch Gutscheine für Möbel und Kleidung gibt es.

Lass uns doch erst mal abwarten, was tatsächlich ausgeheckt wird, dann können wir ja anfangen zu schimpfen. Der gedankliche Hintergrund in Bezug auf die Sachleistungen ist doch der, dass durch diese Form der Hilfe auch gesichert sein soll, dass die Kinder direkt davon profitieren. Ob zusätzliches Geld immer so bei den Kindern ankommt, bezweifel ich mal.

Was die geistige Haltung in unserem Staat angeht, das ist ein ganz anderes Problem. Wenn jemand meint auf andere mit dem Finger zeigen zu müssen, der sollte mal darüber nachdenken, dass in dem Falle dann immer drei Finger auf einen selbst gerichtet sind.

Der von Dir angesprochene familiere “Zusammenhalt“ in den guten alten Zeiten existierte ja auch nur aus dem Zwang heraus, weil wirtschaftliche Notlagen nichts anderes zugelassen haben. Heute sieht das zum Glück anders aus. Wenn dann heute jemand nicht in der Lage ist zu seiner Familie zu stehen, dann sind das für mich ganz gravierende persönliche Mängel.

Es geht doch immer nur um eins, um die persönliche Verantwortung eines jeden. Wer bereit ist Verantwortung zu übernehmen, dem geht es auch gut. Damit meine ich nicht unbedingt materielle Dinge.

Viele Güße

brussia (der schwatzgelbe) ;)
brussia
 
Beiträge: 69
Registriert: So 31. Jan 2010, 11:10

Re: Spaltung der Gesellschaft

Beitragvon argus » So 7. Mär 2010, 17:11

Ob die Familien früher wirklich nur aus einem Zwang heraus zusammenhielten, das lasse ich mal dahin gestellt.
Bei meinen Eltern, Schwiegereltern und allen andern mir bekannten Familien, die bereits in den 50er Jahren bestanden, habe ich jedenfalls nie irgendeinen Zwang wahrgenommen.
Ich habe übrigens einen netten Artikel bekommen, der zu diesem Thema passt und den ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Aus heutiger Sicht ist da sicher einiges übertrieben, der Grundgedanke entspricht aber in etwa dem, was ich weiter oben über die Familien aussagte:

http://abenteuer-universum.de/klartext/userfiles/HandbuchHausfrauen1955.pdf

Schönen Gruß
argus
argus
Administrator
 
Beiträge: 56
Registriert: Di 10. Feb 2009, 18:12

Re: Spaltung der Gesellschaft

Beitragvon brussia » Mo 8. Mär 2010, 10:47

Hallo argus,

ich habe mir den Auszug aus dem Handbuch für die gute Ehefrau mal durchgelesen. Ist ja ein wenig heftig. So unterwürfig habe ich meine Töchter nicht erzogen. Die stehen ihren “Mann“ und sind in der Lage sich selbst zu versorgen. Mal ehrlich, dass war doch eine scheiß Zeit damals. (Entschuldigung)

Ich kann mich aber an diese Zeit mit dem hinterweltlichen Gedankengut noch ausgezeichnet erinnern. Es war schon teilweise grausam. Man darf es den Generationen von damals aber auch nicht verdenken. Die meisten waren doch durch die Kriege seelisch verstümmelt.
Von den körperlichen Verstümmelungen mal ganz zu schweigen. Die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten waren in der Regel gleich null.

Meine Großmutter hat zwei Kriege ertragen müssen. Was war das für ein Leben????? Sie war mit diesem Schicksal nicht allein.

Soweit ich mich erinnern kann, gab es damals nicht einen Mann, dem nicht ein Körperteil fehlte. Ich habe das aber auch als normal empfunden, es war nun mal so. Geredet hat über die braunen Schergen keiner, das DRITTE REICH war tabu. Selbst später in der Schule nicht. Dieses Kapitel wurde totgeschwiegen.

Das war die gute alte Zeit. Dies jetzt mal nur so nebenbei.

Die früher vorhandene enge Bindung an die Familie war natürlich auch durch die damalige wirtschaftliche Situation bedingt. Dieser Zusammenhalt aus dem Zwang heraus muss ja nicht schlecht gewesen sein, dass meinte ich auch nicht. Ich habe mich ja selbst in unserer Großfamilie wohlgefühlt. Wenn das aber wirklich alles so positiv zu werten ist, warum gibt es dann heut kaum noch die typische Großfamilie?
Eigentlich ganz einfach, weil wir als erste Generation in der Lage sind uns selbst zu verwirklichen, wenn wir es denn wollen. Der Zusammenhalt in meiner Familie ist trotz räumlicher Trennung vorhanden. Selbstverständlich ist das aber nicht.

Wenn man unser ursprüngliches Thema, die Spaltung der Gesellschaft betrachtet, so kann doch nur eine Besserung eintreten, wenn man den betroffenen Bürgern eigenverantwortliches Handeln lehrt. Wer nicht bereit ist, für sich Verantwortung zu übernehmen, der schafft es für seine Familie oder seine Kinder erst recht nicht. Anfangen muss man damit schon in den Kindergärten. Hier wird auch schon einiges versucht, allerdings ist es nach meiner Ansicht noch nicht ausreichend. Was fehlt, ist oft die soziale Kompetenz.

Soziale Intelligenz ist in unserer Gesellschaft leider oft kein Thema. Wenn man bedenkt, dass soziale Intelligenz selbst von Primaten gelebt wird, dann erkennt man, wie weit wir eigentlich zurück sind.

Wenn wir aber den Problemen aus dem Weg gehen, dann wird die Gesellschaft erst recht gespalten. Es entwickeln sich Parallelgesellschaften, die uns zeitlich sehr weit zurückwerfen. Als Duisburger kennst Du doch auch die Situation in Marxloh. Die Verhältnisse dort stehen auf Spaltung und nicht auf Zusammenführung. Immer noch. Zu der Situation in Duisburg habe ich auch meine Meinung, allerdings wird die in Deutschland nicht gerne gehört.

Ähnlich ist es doch in den sogenannten sozial schwachen deutschen Familien. Wo haben denn die Kinder dieser Familien eine Chance. Ich sehe keine. Da wo die Eltern nicht in der Lage sind ihre Kinder optimal zu fördern, da wächst die nächste kaputte Generation heran.
Deshalb sehe ich die geplanten Sachleistungen der Regierung gar nicht mal als negativ. Als Sachleistungen wurden bisher auch nur Dinge diskutiert, die im schulischen Bereich liegen. Inwieweit es sich um wirkliche Fördermaßnahmen handelt, müssen wir mal abwarten. Auf jeden Fall könnten die geplanten Maßnahmen auch bei den Kindern ankommen. Bei finanziellen Hilfen ist das nicht immer gewährleistet.

Wenn ich sehe, welche Chancen wir heute haben, dann geht es uns unglaublich gut. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir hier in Deutschland ein einig Jammervolk sind.

Viele Grüße

brussia
brussia
 
Beiträge: 69
Registriert: So 31. Jan 2010, 11:10

Re: Spaltung der Gesellschaft

Beitragvon argus » Mo 8. Mär 2010, 20:19

Da hast Du nicht ganz Unrecht, wir jammern auf ganz schön hohem Niveau!

Wenn man mal ehrlich ist, so geht es uns heute doch verdammt gut - gegenüber den Menschen, die in den Nachkriegsjahren lebten.
Auf der anderen Seite muss man sich aber auch fragen lassen, sind wir deshalb glücklicher?

Ich finde, wir leben jetzt in einer gegenüber damals verdrehten Welt. In den 50er, 60er Jahren ging es richtig bergauf. Wiederaufbau, wirtschaftlicher Aufschwung, Vollbeschäftigung, Ausbau des Sozialstaates.
Was erleben wir heute? Genau das Gegenteil. Völlige Demontage der sozialen Absicherungen, schlecht bezahlte Minijobs ohne Altersabsicherung, Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung - das ist uns ja allen hinlänglich bekannt.

Ich sehne bestimmt nicht die "guten alten Zeiten" zurück, aber vieles ist heute nicht wirklich besser.
Über das heutige Bild der Frau halte ich jetzt mal lieber die Klappe. Ich bin sehr dafür, dass Frauen völlig gleichberechtigt sein müssen, was sich auch in der Entlohnung auswirken müsste. Ich sehe nicht ein, dass Geschlechtsteile einen Unterschied in der gesellschaftlichen Stellung eines Menschen ausmachen können. Aber noch bekommen die Frauen die Kinder, und darüber sollte manche mal nachdenken.

Gruß
argus
argus
Administrator
 
Beiträge: 56
Registriert: Di 10. Feb 2009, 18:12

Vorherige

Zurück zu Soziale Gerechtigkeit

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron