So, die Winterpause ist vorbei!
Im Kapitel 5 geht es um den allgemeinen Formalismus der QM. Dabei sind Wellenfunktionen nur ein Spezialfall (unter vielen möglichen), nämlich die Ortsraumdarstellung einer zugrundeliegenden (abstrakten) Theorie. Die abstrakte Darstellung geht dabei insbs. auf Dirac zurück.
Anmerkung: Dieser Formalismus spielt in der QM eine zentrale Rolle - im positiven wie im negativen. Zum einen werden dadurch viele Rechnungen erheblich vereinfacht oder doch zumindest kürzer und transparenter; zum anderen mogelt man sich gerne um elementare Definitonen herum (man muss auch bei einem abstrakten Hilbertraum hinzufügen, welche Definiton bzgl. Norm usw. gelten soll) und tappt dabei in die eine oder andere Falle. Deswegen empfehle ich parallel einen Blick in folgenden (leider nicht gerade einfachen) Artikel
http://arxiv.org/abs/quant-ph/9907069Mathematical surprises and Dirac's formalism in quantum mechanicsAuthors: F. Gieres
(Submitted on 22 Jul 1999 (v1), last revised 21 Dec 2001 (this version, v2))
Abstract: By a series of simple examples, we illustrate how the lack of mathematical concern can readily lead to surprising mathematical contradictions in wave mechanics. The basic mathematical notions allowing for a precise formulation of the theory are then summarized and it is shown how they lead to an elucidation and deeper understanding of the aforementioned problems. After stressing the equivalence between wave mechanics and the other formulations of quantum mechanics, i.e. matrix mechanics and Dirac's abstract Hilbert space formulation, we devote the second part of our paper to the latter approach: we discuss the problems and shortcomings of this formalism as well as those of the bra and ket notation introduced by Dirac in this context. In conclusion, we indicate how all of these problems can be solved or at least avoided.
Und nicht zuletzt muss ich leider sagen, dass auch das vorliegende Skript nicht frei von Schlampereien ist, auf die ich hinweisen muss.
1) am Ende von Seite 136 wird eine Entsorechung von Ket und Wellenfunktion angeführt, die m.E. besser in Anführungszeichen gehört
2) in (5.2) wird eine völlig korrekte Formel eingeführt; auch der Satz "In einer bestimmten Basis ... kann man also einen Ket-Vektor als Spaltenvektor ... " liest sich zunächst gut, aber auch hier kann man nur von Entsprechung und keinesfalls von Gleichheit reden, denn im Spaltenvektor stehen eben nur die Komponenten bzgl. einer bestimmten Basis
3) generell sind Physiker oft nicht in der Lage, zwischen dem Begriff "Vektor" und "Komponenten eines Vektors" zu unterscheiden
Im vorliegenden Fall führt dies eider immer wieder zur Verwirrung
4) in 5.1.3 steht der Satz "Observablen werden definiert durch Messprozesse". Ja - solange man damit nun nicht verbindet, dass eine Observable (also ein selbstadjungierter Operator) eine Messung "durchführt". Das ist nicht der Fall. Besser wäre es umgekehrt, einem selbstadjungierter Operator eine Observable zuzuordnen, ohne dabei den Begriff Messung zu verwenden (nachdem der Messprozess immer wieder zu philosopophischen Spekulationen Anlass gibt, ist es ungeschickt, ihn zur exakten Definiton eines abstrakten Formalismus heranzuziehen)
5) die Gleichsetzung von selbst-adjungiert und hermitesch in 5.1.3 nach (5.21)giltnur im endlich-dimensionalen Fall bzw. für beschränkte Operatoren
Ansonsten solltet ihr die Abschnitte 5.1 - 5.3 durcharbeiten und detailliert Fragen zu einzelnen Gleichungen stellen; das halte ich für besser, als dass ich lange Erklärungen abgebe. Letztlich kommt hier der große Vorteil der abstrakten Darstellung zum Tragen: Kenntnisse in der linearen Algebra, insbs. bzgl. Vektoren und Matrizen reichen aus, um die Gleichungen und deren Herleitung verstehen. Ich hoffe, ihr erkennt diese Vorteile ggü. dem umständlichen Hantieren mit Integralen.
Viel Spaß dabei ...