von HelmutHansen » 29. Mai 2012, 09:11
TomS:
Zur Verträglichkeit von SRT und QM hier eine kurze Anmerkung:
SRT und QM wären erst dann in befriedigender Weise in Einklang miteinander gebracht, wenn die QM in einer vollständig lorentzinvarianten Weise formuliert wäre. Doch das Messproblem widersetzt sich bislang dieser Möglichkeit. Es ist zwar möglich, die Wahrscheinlichkeitsamplituden und Wahrscheinlichkeiten für die Messergebnisse verschiedener Experimente in einer vollkommen lorentzinvarianten Weise zu berechnen, es ist aber - zumindest nach orthodoxer Auffassung - nicht möglich, in derselben lorentzinvarianten Weise zu beschreiben, wie das eine oder andere bestimmte Ergebnis aus der Fülle der Quantenmöglichkeiten hervorgeht. Durch den Kollaps der Wellenfunktion, der gleichzeitig überall im Raum erfolgt, wird ein bestimmter Beobachter ausgezeichnet, was mit der Kernaussage der speziellen Relativitätstheorie (i.e. der Gleichwertigkeit aller Beobachterstandpunkte) letztlich unverträglich ist.
Dieses bislang nicht befriedigende gelöste Messproblem ist jedoch, wie ich behaupten möchte, nicht allein der QM anzulasten, sondern zu einem großen Teil auch der SRT, insbesondere ihrer Fassung der Lorentz-Invarianz. Diese Fassung ist wesentlich durch das spezielle Relativitätsprinzip geprägt.
Es wäre also naheliegend, wie von Dir beschrieben, dieses Prinzip "kategorial" zu hinterfragen. Doch dieses Hinterfragen des speziellen Relativitätsprinzips gleicht einer Operation am offenen Herzen, denn dieses Prinzip ist tief in die Physik hineingewoben. Es gilt als eines seiner fundamentalsten Prinzipien.
Es bedarf daher sehr präziser Schnitte, um erkennen zu können, was sich hinter ihm verbirgt - und wie es dazu gekommen ist, dass es an die Stelle dessen getreten ist, was es verbirgt.
Um meine Ansichten hierzu nachvollziehen zu können, ist es unverzichtbar, die geometrische Struktur des Mandalas vorauszusetzen. Ich weiß, dass Du schwerste Vorbehalte gegen diese Voraussetzung hegst. Für einen weniger spannungsbeladenen Diskurs wäre es daher sicherlich von Vorteil gewesen, wenn ich an Stelle von archetypisch besetzten geometrischen Strukturen von Gleichungen gesprochen hätte. Gleichungen wirken unpersönlicher als geometrisch gefasste Symbole. Ich wünschte, es wäre so gewesen, aber in diesem Fall ist - wie ich an anderer Stelle dieses Forums schon erklärt habe - die Geometrie den Gleichungen vorausgegangen. Bei der SRT war es ja umgekehrt.Und dass es in diesem Fall anders war, hat natürlich Gründe: Geometrische Muster sind allgemein zugänglicher als es Gleichungen sind.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich Dich verschrecke, hier meine Erklärung, inwiefern ich das Nullresultat des MM-Experimentes für ein Stück Quantenrealität halte, dessen Existenz durch das spezielle Relativitätsprinzip nachhaltig "verschleiert" worden ist. Diese Erklärung stützt sich unmittelbar auf dieses geometrische Muster.
Ausgangspunkt ist die durch dieses Muster begründete geometrische "Verschränkung" von Kreis & Quadrat, die beide, was ihre physikalische Semantik anbelangt, denselben internen Parameter aufweisen, nämlich: c = 1.
Diese beiden geometrischen Matrizen besagen, dass die Lichtgeschwindigkeit
a) in allen Geschwindigkeitsrichtungen (= Kreis)
und
b) bei allen Geschwindigkeitsbeiträgen (= Quadrat)
stets dieselbe ist.
Durch das MM-Experiment haben die Physiker die unter dem Buchstaben a) bezeichnete Matrize/Blaupause des Universums entdeckt - und zwar entdeckt im eigentlichen Wortsinne, so wie man einen bis dahin ungesehenen Kontinent entdeckt hat, ohne dies allerdings bis heute bewusst realisiert zu haben. Diese Entdeckung schließt nicht nur sehr spezielle formale Bestimmungen ein, nämlich jene für den Einheitskreis geltenden, sondern auch die Erkenntnis, dass die Lichtgeschwindigkeit in jeder Richtung dieselbe ist.
Gedeutet wurde diese Entdeckung allerdings in einem buchstäblich "negativen" Sinne, weswegen man auch von einem NULL-RESULTAT spricht. Die Tatsache, dass die Lichtgeschwindigkeit in jeder Geschwindigkeitsrichtung dieselbe ist, wurde im Rahmen der SRT dahingehend interpretiert, dass die Richtung, in der sich ein Beobachter gegenüber dem hypothetisch angenommenen Äther bewegt, keinerlei (!) Rolle spielt. Das MM-Experiment wurde daher von Einstein auch ausdrüchlich als Beweis für die Gültigkeit des speziellen Relativitätsprinzips gedeutet - und nicht als Beweis für die Isotropie der Lichtgeschwindigkeit, so wie es viele andere Physiker getan haben.
Obwohl diese beiden theoretischen Deutungen einander diametral gegenüberstehen, so sind sie experimentell un-unterscheidbar, denn es ist - von außen betrachtet - nicht ohne weiteres einsehbar, ob die Lichtgeschwindigkeit eine Konstante ist, die von der Richtung unabhängig ist, oder ob sie, begründet durch eine spezielle geometrische Matrize, in jeder Richtung denselben Wert aufweist, nämlich c = 1.
Was die Lage physikalisch nahezu undurchschaubar macht, ist die Tatsache, dass die Lichtgeschwindigkeit, vermittelt durch die geometrische Matrize des Quadrats, auch bei jedem Geschwindigkeitsbetrag stets denselben Wert aufweist so wie sie es mit Blick auf die Richtung auch tut, nämlich c = 1. Dies erzeugt unvermeidlich den Eindruck, als sei die Lichtgeschwindigkeit eine Art monolithischer Konstante, die sowohl von der Geschwindigkeitsrichtung als auch dem Geschwindigkeitsbetrag, mit dem sich ein Beobachter gegenüber dem hypothetisch angenommenen Äther bewegt, unabhäng sei, während sie - in Wahrheit - das Ergebnis zweier zusammenwirkender Blaupausen ist.
Dieses tiefgreifende Mißverständnis führt im Kontext eines für fundamental gehaltenen Relativitätsprinzips zu der verhängnisvollen Schlussfolgerung, die Geschwindigkeit sei eine relative Größe, während sie in Wahrheit eine absolute Größe ist.
Hier lauern zweifellos die größten Schwierigkeiten und Herausforderungen einer dieser Idee der "Dualen Parametrisierung von c" folgenden Physik, denn sie werfen unvermeidlich die Frage auf: Wie messen wir diese absolute Geschwindigkeit?
Um das beantworten zu können, bedarf es natürlich eines ausgearbeiteten, auf Gleichungen basierenden Algorithmus, der präzise Vorhersagen darüber erlaubt, wie diese absolute Geschwindigkeit messbar ist.. eine Aufgabe, die meines Erachtens prinzipiell lösbar ist, aber noch aussteht.
Noch zu der Aussage, inwiefern mit dem MM-Experiment ein Stück Quantenrealität aufgedeckt worden ist. Im Kontext dessen, was ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt überblicke, stützt sich diese Aussage bislang allein auf den Umstand, dass die beiden geometrischen Matrizen von Kreis & Quadrat nathlos miteinander "verschränkt" sind: Sie zeigen also dieser Lesart zufolge in einer geometrischen Fassung, wie das quantentheoretische Phänomen der Nicht-Lokalität codifiziert ist.
Ich vermute, dass mit der Struktur des Mandalas in toto gezeigt ist, in welchem Umfang vom Mittelpunkt ausgehende Photonenpaare im Zwillingszustand - in Abhängigkeit von der Winkelstellung des Polarisationsfilters - korreliert sind. Pointiert formuliert könnte man sagen, dass mit den mittlerweile als klassisch geltenden Polarisaionsexperimenten von John Clauser zum Nachweis des Phänomens der Quantenverschränkung aus dem Jahre 1972 diese archetypische Struktur experimentell ausgemessen worden ist.
Dies ist allerdings - wie alles andere auch - bislang nur eine Hypothese. Auch hier bedarf es noch eingehender Analysen.
Gruss
Helmut