von breaker » 19.08.2010 00:07
Gut, wenn das mit der Produktregel klar ist, kommen wir zur Kettenregel.
Dazu ist ein wenig Vorarbeit notwendig.
Verkettung von Funktionen:
Wir betrachten folgenden Sachverhalt: Angenommen, wir haben eine Funktion f. Man kann dieser Funktion Zahlen übergeben, und sie macht uns daraus andere Zahlen (also beispielsweise macht die Funktion f(x)=x² aus der Zahl 2 die Zahl 4, aus der 3 die 9 und so weiter). So. Angenommen, ich habe noch eine Funktion g, die auf irgendeine andere Art aus Zahlen andere Zahlen macht. Dann kann man, wenn man will, auf eine Zahl erst die Funktion f anwenden, und dann auf das Ergebnis die Funktion g. Man kann das formal so schreiben: Ich nehme mir eine Zahl x, und wende f darauf an. Dann bekomme ich die Zahl f(x). Auf diese Zahl wende ich jetzt g an, und bekomme dann "g von dieser Zahl", also g(f(x)).
Naja, und das kann ich prinzipiell für alle Zahlen aus dem Definitionsbereich von f machen1. So erhalte ich die Vorschrift "Jedem x aus dem Definitionsbereich von f wird die Zahl g(f(x)) zugeordnet". Diese Zuordnungsvorschrift ist wieder eine Funktion (warum?). Man kann sie h nennen und schreiben: h(x)=g(f(x)).
Im folgenden werden wir uns etwas mit den Eigenshaften solcher Verkettungen beschäftigen.
Um das ganze etwas verständlicher zu machen, hier ein Beispiel:
Angenommen, wir haben f(x)=x² und g(x)=sin(x) (mit anderen Worten: f macht aus irgendeiner Zahl das Quadrat dieser Zahl, und g macht aus irgendeiner Zahl den Sinus dieser Zahl). Was ist dann g(f(x))?
Wir gehen vor, wie oben beschrieben: Wenn wir wissen wollen, was die Funktion g(f(x)) macht, müssen wir schauen, wie sie auf Zahlen aus dem Definitionsbereich von f wirkt. Das heißt, wir nehmen uns zunächst ein x aus dem Definitionsbereich von f (also hier irgendeine reelle Zahl) und wenden f darauf an. Das gibt uns einfach f(x)=x². Steht ja oben, was f macht. So. Jetzt auf diese Zahl g anwenden. g anwenden bedeutet, ich muss den Sinus dieser Zahl nehmen, also g(f(x))=sin(f(x))=sin(x²).
Also ist g(f(x))=sin(x²).
Man kann auch das umgekehrte machen und f(g(x)) bilden. Dies ergibt nicht das selbe Ergebnis!
Wenn ich nämlich auf irgendeine Zahl erst g anwende, bekomme ich erst g(x)=sin(x) und muss hierauf dann f anwenden, d.h. diese Zahl quadrieren. Dies ergibt also f(g(x))=(sin(x))2.
Dazu Fragen?
1Das ist eigentlich grob falsch, aber dazu sag' ich vielleicht später was. Jetzt soll erstmal ansatzweise ein Gefühl für den praktischen Umgang mit der Verkettung von Funktionen erworben werden.
Ansonsten hier eine Aufgabe zum ыchauen, ob du es verstanden hast:
Es seien f(x)=1/x und g(x)=cos(x). Was sind dann f(g(x)) und g(f(x))?
Gruß
Frank
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Der folgende Satz ist falsch.
Der vorhergehende Satz ist richtig.