Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Hier kann man alles posten, was nicht ganz zum Thema passt - Hauptsache es ist interessant!
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ralfkannenberg
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Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von ralfkannenberg » 18. Apr 2017, 13:01

Hallo zusammen, hallo Tom,

von diesem Thread im astronews inspiriert möchte ich auch noch Anregungen dazu geben, zumal ich schon einige Male in dieser Situation war.

Vielleicht etwas "Werbung" in eigener Sache: fast immer bekam ich eine Antwort, diese war fast immer ein Dank auf meinen Hinweis, ein Dank für das Interesse am Thema und eine Antwort zu meiner Korrektur.

Ich kenne aber auch Leute, die nie eine Antwort in solchen Fälle bekommen haben.


Ich denke das A und O ist, sich in die Situation des Autors zu versetzen. "Belehrungen" und "Besserwisserei" - egal ob gerechtfertigt oder nicht, kommt nicht sonderlich gut an. Man will auch nicht lesen, dass man "Unsinn" verzapft habe.


Eine Option ist, das ganze in eine Frage zu kleiden. Eine andere ist, statt von "Unsinn" bzw. "Fehler" zu schreiben von einer "Ungenauigkeit" zu sprechen, welche die Gefahr von "Missverständnissen" birgt. Jede Fachperson weiss, dass eine Ungenauigkeit ein Fehler ist, d.h. man braucht es den Betroffenen nicht noch genüsslich unter die Nase zu reiben. Auch keine seitenlangen Herleitungen, die ohnehin niemand liest und die nur die Gefahr eines Flüchtigkeitsfehlers beinhalten, den man dann in einer weiteren Kontaktaufnahme korrigieren muss.

Ich würde das ganze ein bisschen wie bei der Bewerbung auf eine Stelle handhaben: auch hier muss die Bewerbung beim ersten Versuch richtig sein, d.h. bei einer Bewerbung schickt man keine Version Nr.2 und Version Nr.3 hinterher, weil man es nicht für nötig befunden hat, schon die erste Fassung gründlich zu überprüfen. Auch in einer Bewerbung bleibt man stets höflich und wohlwollend.

Zum konkreten Beispiel von Tom: auch ich würde Professor Lesch direkt anschreiben, ihn für seinen Beitrag danken und vielleicht die Laienverständlich seines Beitrages nochmals gezielt als sehr gelungen hervorheben. Und dann eben darauf hinweisen, dass sein Beitrag eine Ungenauigkeit enthält, welche Anlass zu Missverständnissen geben könnte, weil das Higgsfeld, der Higgs-Mechanismus und das Higgs-Boson bekanntlich ja verschiedene Dinge sind.


Indem Du das Wort "Unsinn" vermeidest und statt dessen noch das Wort "bekanntlich" einfügst, setzst Du quasi stillschweigend voraus, dass auch Professor Lesch dieser Unterschied bekannt ist. Nun gibt es 2 Möglichkeiten: Professor Lesch ist tatsächlich nur ein Irrtum unterlaufen, dann wird er ihn jetzt erkennen, oder er kannte den Unterschied nicht, dann wird er sich jetzt informieren und es von nun an richtig wissen.


In beiden Fällen ist Dein Ziel erreicht, ohne dass Du Professor Lesch persönlich kritisiert hast.


Nehmen wir beispielhaft den Kleinplaneten 2007 VN84: da hat ein russisches Team die Entdecker angeschrieben, sie sollen doch bitte einmal die Bahn des neuen Kleinplaneten mit derjenigen der Kometensonde Rosetta (die gerade ein Swing-By-Manöver an der Erde durchführte) vergleichen. Schnell war der Irrtum aufgeklärt, ohne dass jemand blamiert gewesen wäre.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von Frank » 18. Apr 2017, 13:51

Vielleicht sollte man einem "Menschen" zuerst auch mal einen Fehler zugestehen und ihn darauf hinweisen. Womöglich hat er sich da nur verhaspelt.
Wobei auffällt, dass sich Lesch in letzter Zeit mit so vielen Themen befasst, dass die Qualität durch die Quantität abzunehmen scheint.
Allen voran fallen mir das seine (fast schon) missionarischen Talkshowbesuche zum Thema Klimawandel ein, die auch ein paar unsinnige Aussagen beinhalten.
(oder sein Auftritt beim Bundesparteitag der Grünen.....)
Rechtschreibfehler sind gewollt und dienen der allgemeinen Belustigung.


Frank

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von gravi » 18. Apr 2017, 16:38

Leider komme ich gerade nicht auf den astronews- Server, der ist down.
Ich würde es aber in etwa so handhaben: Sehr gee. Herr Prof.Dr. .., in Ihrem Beitrag xyz vom haben Sie das Thema abc angesprochen, welches mich sehr interessiert. Aus anderen Quellen (z.B. 123.de) konnte ich jedoch entnehmen, dass nachstehende Fakten, XYZ, eine etwas gegenteilige Aussage machen. Ich wäre Ihnen daher sehr verbunden, wenn Sie mir kurz mitteilen könnten, ob Ihre Aussagen auf neuen Erkenntnissen beruhen...

So in der Art jedenfalls,

Gruß
gravi
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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von ralfkannenberg » 18. Apr 2017, 16:53

gravi hat geschrieben:
18. Apr 2017, 16:38
Leider komme ich gerade nicht auf den astronews- Server, der ist down.
Ich würde es aber in etwa so handhaben: Sehr gee. Herr Prof.Dr. .., in Ihrem Beitrag xyz vom haben Sie das Thema abc angesprochen, welches mich sehr interessiert. Aus anderen Quellen (z.B. 123.de) konnte ich jedoch entnehmen, dass nachstehende Fakten, XYZ, eine etwas gegenteilige Aussage machen. Ich wäre Ihnen daher sehr verbunden, wenn Sie mir kurz mitteilen könnten, ob Ihre Aussagen auf neuen Erkenntnissen beruhen...

So in der Art jedenfalls,
Hallo gravi,

das kann man nicht bringen, damit würde man Prof.Lesch veralbern.

Zudem ist die Aussage nicht "gegenteilig", sondern betrifft ein anderes Thema und es gibt auch keine neuen Erkenntnisse dazu, im Gegenteil - das alles wurde Mitte der 1960iger Jahre theoretisch formuliert und wurde nun vor wenigen Jahren im Falle des Higgs-Bosons experimentell bestätigt.

Ich vermute, dass das Fachgebiet von Prof.Lesch nicht dort liegt, und dann hat er sich durch die Namensgebung einfach in die Irre führen lassen - da ist auch überhaupt nichts Ehrenrühriges oder so dabei. Der Unterschied zu uns Laien ist nur der, dass Prof.Lesch aufgrund seiner Ausbildung vermutlich mit einem Blick sieht, wo der Unterschied liegt, während unsereins sich das ganze mehr im Detail anschauen muss oder einfach dem Wort der Fach-Experten glaubt.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von Dares » 19. Apr 2017, 11:34

Hallo Ralf,

in erster Linie sollte man ihm freundlich und sachchlich widersprechen und ihn auf einen anderen Sachverhalt hinweisen und nicht
ehrfurchtsvoll im Sand versinken. Andererseits erfordert es aber auch die Situation und das Thema um zu erkennen ob es
überhaupt nötig ist ihn auf einen kleinen Fehler hinzuweisen falls er sich mal verhaspelt haben sollte.

Freundliche Güsse

Dares

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von positronium » 19. Apr 2017, 12:00

Also, ich habe ja keine Ahnung, aber was der Herr Lesch in dem Video sagt, ist offensichtlich so nicht korrekt.
Wäre das Higgs-Feld nämlich nicht überall, wie kämen dann die Wissenschaftler am CERN auf die Idee, das Higgs-Teilchen als Anregung des Higgs-Felds nachweisen zu wollen... das ginge dann natürlich nicht, ausser das Feld selbst würde entstehen und vergehen können. Aber ich bin mir sicher, dass dem Herrn Lesch in dem Video einfach nur Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sind, wie es jedem immer wieder 'mal passiert - dass das, was er in dem Video gesagt hat, so nicht stimmt, muss ihm selbstverständlich klar sein.
Es wäre gut, wenn derartiges immer vom Verfasser richtig gestellt würde, nur kann er sich wahrscheinlich an die paar Minuten des Videos wohl gar nicht mehr erinnern, also müsste man ihn darauf aufmerksam machen. Und wahrscheinlich würde er sich über fachliche und kompetente Hinweise freuen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man ihn überhaupt erreicht - wie viele mails wird er wohl pro Tag bekommen...

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von tomS » 19. Apr 2017, 13:01

Hat jemand sein Buch dazu gelesen?
Gruß
Tom

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von positronium » 19. Apr 2017, 13:50

tomS hat geschrieben:
19. Apr 2017, 13:01
Hat jemand sein Buch dazu gelesen?
Habe ich nicht, aber wenn Du ISBN-13: 978-3442749683 meinst, dann kann man ohnehin nicht wirklich "sein Buch" schreiben. Zumindest den Rezensionen auf amazon.de nach zu urteilen, hat er nur eine Art Einleitung verfasst; auch ist er nur Herausgeber.

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von Struktron » 19. Apr 2017, 14:53

Hallo Tom und auch alle anderen,
tomS hat geschrieben:
19. Apr 2017, 13:01
Hat jemand sein Buch dazu gelesen?
Leider habe ich das auch nicht. Auf Quanten.de schrieb ich aber dazu:
meine Interpretation des ersten Videos von Lesch ist nicht, dass er nicht wusste, dass die Existenz des Higgsfeldes auch in unserer heutigen Umgebung angenommen wird, sondern dass der Einfluss bei der Bildung der meisten Elementarteilchen vor langer Zeit sehr viel größer war als heute. Er möchte vermutlich auch zum Ausdruck bringen, dass das Standardmodell offene Probleme besitzt und er mit der Erklärung der Masse unzufrieden ist. Dafür spricht auch das Video:
Lesch & Gaßner - Spins, Nichts und das Higgsfeld.
Meiner Meinung nach sollten wir uns etwas auf die Definition von Masse, wie sie bis vor hundert Jahren galt, zurückbesinnen (Fußnote 6 aus meinem DSM.odt):
Zitat:
Das entspricht ungefähr der früher üblichen Definition von Masse als Menge der Materie, wie sie von Newton verwendet wurde (vgl. [Som 1994] S.4) und charakterisiert die unterschiedliche Herangehensweise von ART sowie Quantenmechanik. In der Standardkosmologie werden Objekte des Substrats manchmal wie Staubpartikel in der klassischen Thermodynamik behandelt (vgl. z.B. Rebhan, Eckhard; Theoretische Physik: Relativitätstheorie und
Kosmologie; Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2012).
Die verschiedenen Lösungsansätze für eine Quantengravitation brachten bisher keine Lösung, aber ein diskretes Substrat im Vakuum erscheint aussichtsreich (vgl. Hedrich, Reiner; Raumzeitkonzeptionen in der Quantengravitation (Spacetime in Quantum Gravity), http://arxiv.org/pdf/1101.1835v1. in Deutsch) Mit diesem könnte der Massebegriff anschaulicher werden.
Jetzt empfehle ich noch Fragerunde live mit Harald Lesch & Josef M. Gaßner anzuschauen zu Urknall, Weltall und das Leben, welches (vermutlich) von den Themen des Buches handelt. Da gibt es wohl nichts zum Higgsfeld.
MfG
Lothar W.
http://struktron.de/DSM.pdf
Erklären kleine diskrete Objekte die Grundlagen der Standardphysik?

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von seeker » 19. Apr 2017, 23:14

Na ja, Herr Lesch muss ja für die Massen so manches halt auch sehr weit herunterbrechen.
Demzufolge kann man das wohl tatsächlich auch eher als Ungenauigkeit oder halt als grobe Ungenauigkeit sehen, denn als Fehler, was er da sagt, denn Herr und Frau Ottonomalverbraucher könnten ja z.B. schon dadurch überfordert sein das Higgsfeld vom Higgsteilchen unterscheiden zu sollen bzw. sich für solche (aus deren Sicht) 'Feinheiten' gar nicht interessieren. Man muss immer die Zielgruppe im Auge behalten...
Möglicherweise seht ihr das daher etwas zu streng und der Fachmann schaut ja gewiss nicht Lesch, wenn er sich informieren möchte und selbst der ernsthaft interessierte Laie wäre schlecht beraten sich nur darauf beschränken zu wollen.
Dass sich der Fachmann da ärgert verstehe ich aber.
Und wenn du Lesch anschreibst Tom, wird er dir wahrscheinlich genau so antworten, dass er das wohl weiß, dass er's aber halt weit herunterbrechen muss bzw. gesagt bekommen hat, dass er das soll, weil nötig.
Herr Lesch ist m. E. nunmal seehr stromlinienförmig - und das zunehmend. Neuerdings spricht er ja auch häufiger über Themen, wo er alles andere als ein Fachmann ist, er ist halt der wissenschaftliche Frontmann für die Medien geworden, in der Wirkung schlecht ist das unterm Strich aber nicht.
Grüße
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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von tomS » 20. Apr 2017, 02:07

Ich halte die gedruckte Aussage nicht für ungenau, sondern für explizit und grob falsch:

"Stellen Sie sich vor, eine Kugel, so groß wie ein Apfel, fliegt durch die Luft. Dabei ist sie ziemlich schnell. Taucht sie in den Honig ein, wird sie viel langsamer. Der Honig ist das Higgs-Feld, das manchen Partikeln ganz kurz ... nach dem Urknall ihre Masse gegeben hat. Die Masse, die diese im Ruhezustand auf die Waage bringen ... Wir bestehen zum allergrößten Teil aus der Bindungsenergie von Kohlenstoffen und die wiederum bestehen aus Teilchen, die vor Abermillionen Jahren mal durch den Honig geflogen sind."

Er betont zweimal explizit, dass die Teilchen in der Vergangenheit ihre Masse erhalten haben. Das ist etwas völlig anderes, als dass sie durch kontinuierliche Wechselwirkung mit einem konstanten Hintergrundfeld ständig und noch heute ihre Masse erhalten. Wie soll denn ein Elektron, das heute in einem Experiment erzeugt wird, seine Masse bereits kurz nach dem Urknall erhalten haben? Abgesehen davon, dass die Gleichungen etwas völlig anderes sagen - und das für jeden Physiker im dritten Semester einfach verständlich!
Gruß
Tom

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von seeker » 20. Apr 2017, 09:14

Ja, das ist offenbar falsch. Nur: Für den Ottonormalverbraucher, der alles andere als im 3. Semester Physik ist, kann das wie gesagt dennoch eine Feinheit sein.
Gelingt es dir nicht, dich in einen solchen hineinzudenken?
Vielleicht hätte Lesch besser sagen sollen: "Mit der Entstehung des Honigs erhielten die Partikel ab ganz kurz nach dem Urknall ihre Masse."
und
"Wir bestehen zum allergrößten Teil aus der Bindungsenergie von Kohlenstoffen und die wiederum bestehen aus Teilchen, die vor Abermillionen Jahren mal angefangen haben durch den Honig zu fliegen."
Es geht nur um ein, zwei Wörter...

Das Bild mit dem Honig ist eh ein schlechtes, normalerweise verwendet man lieber das Coctailparty-Bild. Der Honig kann eigentlich nicht das das Higgsfeld selbst darstellen, sondern nur seine im ersten Moment abbremsende Wirkung auf Teilchen, indem sie auf V kleiner c gebracht werden - und das geschah bei den Teilchen, aus denen wir heute zumeist bestehen, kurz nach dem Urknall.

Hawking mit seiner Hawkingstrahlung, so wie sie popwiss. dargestellt wird, hattest du auch mal zerlegt. So wie ich das sehe, für den Fachmann völlig zu Recht.
Nur: Wie gesagt muss man immer die Zielgruppe im Auge behalten.

Ein Kollege hatte Lesch vor Jahren wegen irgendetwas (das war glaube ich auch ein Fehlerhinweis) einmal angeschrieben und erhielt damals keine Antwort (immerhin Dr. der Physik, heute Honorarprofessor).
Lesch ist sicher gut abgeschirmt und ebenso beschäftigt und sagt halt vieles, bis das Jahr rum ist, manches davon ist dann halt auch irgendwo falsch bzw. ungenau.
Versuche es einfach freundlich, vielleicht hast du Glück.
Grüße
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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von ralfkannenberg » 20. Apr 2017, 09:54

tomS hat geschrieben:
20. Apr 2017, 02:07
"Der Honig ist das Higgs-Feld, das manchen Partikeln ganz kurz ... nach dem Urknall ihre Masse gegeben hat.
tomS hat geschrieben:
20. Apr 2017, 02:07
Das ist etwas völlig anderes, als dass sie durch kontinuierliche Wechselwirkung mit einem konstanten Hintergrundfeld ständig und noch heute ihre Masse erhalten.
Hallo Tom,

mein Eindruck ist der, dass Professor Lesch an dieser Stelle den Auslöser der kosmologischen Inflation, bei dem ja auch ein Higgsfeld nach einem Phasenübergang und einer spontanen Symmetriebrechung eine wesentliche Rolle spielt, mit dem allgegenwärtigen Higgsfeld verwechselt.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von Frank » 20. Apr 2017, 10:03

@ Seeker

Endlich mal ein Beitrag zu diesem Thema wo die Sache auch Hand und Fuß bekommt.
Lesch macht in meisten Fällen Wissenschaft für Leute wie mich. Dazu kommt noch, solch ein Thema in 15 -20 Minuten zu verpacken. Länger kann sich der Durchschnittsbürger in der Regel nämlich gar nicht mehr konzentrieren. (Entspricht ziemlich genau der Spanne zwischen Film und Werbeblock im Privat TV :devil: )
Wer sich die Zeit nimmt, wobei man das hier wahrscheinlich über mehrere Abend verteilen sollte, der bekommt einen Vortrag, der meiner Meinung nach alles enthällt, was der unspezialisierte Mensch begreifen und verarbeiten kann.

https://www.youtube.com/watch?v=k7P8XYM2jd4&t=1514s

https://www.youtube.com/watch?v=J_jBnLw6_h4&t=3s

https://www.youtube.com/watch?v=_zHhqrMSOdw

Man sieht deutlich das man sich hier schon vier Stunden Zeit nehmen muss. 8)

Anschauen und sich dann eine Meinung bilden und dabei bedenken , dass Lesch auch immer die Philosophie mit einfliessen lässt.
Ansonsten halt versuchen mit Lesch in die direkte Diskussion zu kommen. Manchmal kommt man nämlich auch durch. :wink:
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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von Timm » 20. Apr 2017, 10:20

tomS hat geschrieben:
20. Apr 2017, 02:07
Wie soll denn ein Elektron, das heute in einem Experiment erzeugt wird, seine Masse bereits kurz nach dem Urknall erhalten haben?
Genau!! Dagegen ist es fast schon verzeihlich, wenngleich genauso falsch, die Viskosität zu bemühen.

Nichts gegen Bilder in Pop-science, anders läßt sich kaum um ein gewisses Verständnis generieren. Das Bild der Cocktail-Party zur Veranschaulichung des Higgs-Mechanismus http://erlangen.physicsmasterclasses.or ... et_07.html
ist etwas mühselig zu verinnerlichen, hat aber nicht Lesch's krassen Fehler (s. Zitat von Tom) und kommt ohne Viskosität aus.

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von tomS » 21. Apr 2017, 07:43

seeker hat Recht - und auch wieder nicht!

M.E. ist es auch für den Laien ein riesiger Unterschied, ob etwas vor Milliarden Jahren einmalig passiert ist und heute noch Konsequenzen hat, oder ob es heute noch ständig passiert. Das ist - unabhängig von der Fachrichtung - z.B. auch im Geschichtsunterricht - ein wesentlicher Unterschied.

Ja, durch eine geringfügig andere, sorgfältige Formulierung wäre alles gut. Warum tut er's dann nicht?

"Wir essen Opa", oder warum Satzzeichen Leben retten können.

@Ralf: wenn du recht hättest, dann wäre er m.E. vollständig diskreditiert.
Gruß
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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von seeker » 21. Apr 2017, 09:34

tomS hat geschrieben:
21. Apr 2017, 07:43
Ja, durch eine geringfügig andere, sorgfältige Formulierung wäre alles gut. Warum tut er's dann nicht?
Weil er auch nur ein Mensch ist?
Und ich könnte mir vorstellen, vermutlich auch deshalb, weil er momentan extrem vielbeschäftigt ist, eigentlich überbeschäftigt.
Ich habe das auch andernorts schon festgestellt: Wenn man den quantitativen Ausstoß zu sehr erhöht, geht das irgendwann auf die Qualität/Sorgfalt, insbesondere macht man mehr Fehler.
Man kann dem ein Stück weit durch Effizienzsteigerung/bessere Strukturierung der Arbeit/Zeit entgegenwirken - aber eben nur ein Stück weit.
Aber so ist die Welt heute ja allgemein, es muss jedes Jahr mehr werden, immer schneller, immer mehr... ?

Wenn ich Lesch anschreiben wollte, würde ich so schreiben, dass ich selbstverständlich davon ausgehe, dass er alles fachlich Nötige weiß und mich nur auf die Wirkung auf die Zielgruppe beschränken, die er meiner bescheidenen Meinung nach mit dieser oder jener Formulierung bewirkt, dass dadurch hier und da der Laie etwas falsch verstehen könnte.
D.h. ich würde mich bei Kritik ausschließlich auf bestimmte Formulierungen von ihm beziehen und ausführen warum und wie diese vom Laien wahrscheinlich falsch verstanden werden (was er ja nicht wollen kann).
Ach so: Und man sollte bei einem solchen Schreiben auch die eigene Motivation erklären, warum man ihn anschreibt.
Es sollte dabei klar herausgestellt werden, dass es einem nicht um Nörgelei, Besserwisserei, Selbstdarstellung/-profilierung o.ä. geht, sondern darum, dass die Allgemeinheit nicht verwirrt wird, zutreffender informiert wird, o.ä., dass das Schreiben also sozusagen dem Allgemeinwohl dienen soll.
Grüße
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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von tomS » 21. Apr 2017, 13:38

Bzgl. des Anschreibens hast du recht.

Bzgl. des eigtl. Fehlers bin ich nicht einverstanden: wenn ein Physikprofessor über dieses Thema Vorträge, Videos und sogar ein Buch veröffentlicht, dann muss er das wissen! Das ist kein Detail; das ist fundamental und für einen Physiker elementar!
Gruß
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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von Frank » 21. Apr 2017, 13:46

Soll ich diesen Thread an Herrn Lesch weiterleiten?
Rechtschreibfehler sind gewollt und dienen der allgemeinen Belustigung.


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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von ralfkannenberg » 21. Apr 2017, 13:48

seeker hat geschrieben:
21. Apr 2017, 09:34
Wenn ich Lesch anschreiben wollte, würde ich so schreiben, dass ich selbstverständlich davon ausgehe, dass er alles fachlich Nötige weiß und mich nur ...
Hallo seeker,

wenn ein Mathematiker diese Wortwahl jemandem an den Kopf wirft, dann ist das die höfliche Formulierung dafür, dass der Angesprochene fachlich inkompetent ist.

seeker hat geschrieben:
21. Apr 2017, 09:34
die er meiner bescheidenen Meinung nach
Zahlreiche Cranks benutzen diese angebliche Bescheidenheit. So etwas würde ich unbedingt weglassen und mich ausschliesslich auf die Fakten beschränken. Warum sich Professor Lesch geirrt hat kann (und soll !!) er selber herausfinden - es ist nicht Aufgabe anderer, darüber Mutmassungen anzustellen.

seeker hat geschrieben:
21. Apr 2017, 09:34
Es sollte dabei klar herausgestellt werden, dass es einem nicht um Nörgelei, Besserwisserei, Selbstdarstellung/-profilierung o.ä. geht
Das ist so selbstverständlich, dass die pure Erwähnung den Verdacht aufkommen lässt, dass es eben doch genau darum geht.


Wie gesagt: das, wie es beim Zielpublikum ankommt, ist gut - alles andere würde ich weglassen. Es sind Höflichkeitsfloskeln in einem Umfeld, in dem die meisten von uns die Bedeutung dieser "Codes" - ähnlich wie bei einem Arbeitszeugnis - nicht kennt.


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von ralfkannenberg » 21. Apr 2017, 13:55

Frank hat geschrieben:
21. Apr 2017, 13:46
Soll ich diesen Thread an Herrn Lesch weiterleiten?
Hallo Frank,

davon würde ich dringendst abraten !


Freundliche Grüsse, Ralf

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von seeker » 21. Apr 2017, 14:26

Hallo Ralf,

das mag alles richtig sein, aber da hast du micht etwas falsch verstanden. :)
Eben wegen solchen Sachen würde ich das natürlich nicht wörtlich schreiben, stattdessen würde ich so formulieren, dass es mit "rüberschwingt". :wink:

Hallo Tom,

ich dachte, wir gehen davon aus, dass er das auch weiß und dass er daher in dem Punkt nur schlecht erklärt/vereinfacht/formuliert, sodass es von vielen falsch verstanden werden kann/wird?
Aber reingucken in seinen Kopf kann ich nat. auch nicht.
Grüße
seeker


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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von positronium » 21. Apr 2017, 14:36

ralfkannenberg hat geschrieben:
21. Apr 2017, 13:48
Es sind Höflichkeitsfloskeln in einem Umfeld, in dem die meisten von uns die Bedeutung dieser "Codes" - ähnlich wie bei einem Arbeitszeugnis - nicht kennt.
Übertreibst Du damit nicht? - Professor hin oder her, er ist auch nur ein Mensch und erwachsen, und dementsprechend wird er, wie wir alle, mit Kritik umgehen.
Meiner Meinung nach hat er einfach einmal etwas falsches erzählt. Vielleicht arbeitet er aber auch an eigenen Ideen in dem Bereich, und hat etwas durcheinander gebracht...
Wenn mir das Thema so wichtig wäre, und ich selbst Physiker wäre, also fachlich in dem Bereich QFT/Higgs mit ihm diskutieren könnte, würde ich ihm einfach schreiben. Da braucht man doch nicht lange darüber zu diskutieren, welche Form so ein Schreiben haben sollte - normale Umgangsformen sind sowieso immer angebracht.

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von positronium » 21. Apr 2017, 14:44

seeker hat geschrieben:
21. Apr 2017, 14:26
ich dachte, wir gehen davon aus, dass er das auch weiß und dass er daher in dem Punkt nur schlecht erklärt/vereinfacht/formuliert, sodass es von vielen falsch verstanden werden kann/wird?
Weil das schon mehrfach geschrieben wurde... Mit Sicherheit kann man sagen, dass die beanstandeten Äusserungen nicht durch Vereinfachungen, Gleichnisse o.ä. zustande gekommen sind. Er hat das explizit so erklärt, und wenn ihm aufgefallen wäre, was er da sagt, hätte er es bestimmt berichtigt.

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Re: Wie widerspricht man einem Fachmann höflich ?

Beitrag von ralfkannenberg » 21. Apr 2017, 14:57

tomS hat geschrieben:
21. Apr 2017, 07:43
@Ralf: wenn du recht hättest, dann wäre er m.E. vollständig diskreditiert.
Hallo Tom,

dieses harte Urteil von Dir verstehe ich nicht - Professor Lesch hat sich doch auf einem völlig anderen Gebiet spezialisiert !

Ich denke nicht, dass er das irgendwie "nicht verstanden" hat, ich denke eher, dass er sich nicht im Detail damit beschäftigt hat und diesen Unterschied aus diesem Grund nicht beachtet hat. Entsprechend einfach wird es m.E. für ihn sein, das künftig ebenfalls zu beachten.


Freundliche Grüsse, Ralf

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